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BYD-Aktie +4,5%: Reicht das Dementi gegen die Gewinnzweifel?

Kursplus nach Dementi

Die BYD-Aktie steigt weiter. Am Mittwoch legte sie um 2,3% zu, und am heutigen Donnerstag notiert sie am Morgen bei 8,61 €, ein Plus von +4,52%. Zeitgleich hat der chinesische Autobauer Gerüchte über ein Aus für seine Fahrassistenz God's Eye C scharf zurückgewiesen und den Urhebern mit rechtlichen Schritten gedroht. Die Quartalszahlen der vergangenen Woche haben dagegen enttäuscht. Damit stellt sich die Frage: Reicht das Dementi, um die Zweifel an der Gewinnentwicklung zu verdrängen?

BYD droht mit Klagen

BYD nannte am Mittwoch Behauptungen falsch, die im Internet verbreitet wurden. Demnach sei die Produktion von God's Eye C gestoppt worden, und die Varianten B und C sollten auf eine neue Assistenzlösung umgestellt werden. Der Konzern betont dagegen, dass er die Entwicklung weiterhin komplett selbst betreibt und die Software laufend aktualisiert. Gegen die falschen Behauptungen will BYD juristisch vorgehen.

Die harte Reaktion halte ich für folgerichtig, denn God's Eye ist ein zentraler Baustein der Konzernstrategie. Die B-Version mit LiDAR kostet rund 12.000 Yuan Aufpreis. Für das Navigationssystem übernimmt BYD in China unter bestimmten Bedingungen die volle Haftung bei Unfällen, und aktiv ist das System bereits in knapp drei Millionen Fahrzeugen. Ab 2027 soll die Stadtnavigation auch nach Europa kommen, als erstes im Denza Z9 GT. Eine Abkehr von der Eigenentwicklung hätte Fragen zu Kosten, Haftung und Updates für Bestandskunden aufgeworfen. Druck kommt allerdings aus Brüssel, wo 14 EU-Abgeordnete eine Sicherheitsprüfung fordern.

Gewinn verfehlt die Prognosen

Im dritten Quartal 2026 stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 28% auf 10,02 Milliarden Yuan. Analysten hatten jedoch mit 11,4 bis 12,95 Milliarden Yuan gerechnet, BYD blieb also schon unter dem unteren Ende dieser Spanne. Der Umsatz wuchs um 13,6% auf 221,49 Milliarden Yuan und lag damit ebenfalls unter den Erwartungen. Nach neun Monaten steht ein Nettogewinn von 22,345 Milliarden Yuan, das sind 4,24% weniger als im Vorjahr. Der Umsatz von 566,30 Milliarden Yuan ist praktisch nicht gewachsen.

Der Oktober zeigt, wo das Wachstum herkommt. BYD verkaufte 490.168 Fahrzeuge, ein Plus von 11%. Mit 305.743 reinen Elektroautos wurde erstmals in einem Monat die Marke von 300.000 überschritten. Bei den Plug-in-Hybriden ging der Absatz dagegen um 17,2% auf 177.382 Einheiten zurück. Die Auslandslieferungen haben sich mit einem Plus von 102,8% auf 170.194 Fahrzeuge mehr als verdoppelt und machten rund 35% des Absatzes aus. Aus meiner Sicht hängt die Ergebnisentwicklung damit immer stärker am Export, während der Preiskampf in China die Margen belastet.

JPMorgan bleibt vorsichtig

Ende September hat JPMorgan-Analyst Nick Lai die Aktie von Overweight auf Neutral herabgestuft und das Kursziel von 124 auf 88 HK$ gesenkt. Als Gründe nannte er die schwache Nachfrage in China, steigende Vorleistungskosten und handelspolitische Hürden im Ausland. In Hongkong stieg die Aktie am Montag nach den Absatzzahlen um 3,4% auf 70,60 HK$. Zum Kursziel von JPMorgan fehlten von diesem Niveau aus also noch rund 25%. Am 30. September notierte das Papier bei 8,30 € und lag damit seit Jahresbeginn 21,33% im Minus.

Fazit

Das Dementi räumt eine kurzfristige Unsicherheit aus, an der Lage im Kerngeschäft ändert es aber nichts. Um die Zweifel an der Gewinnentwicklung zu verdrängen, reicht es aus meiner Sicht nicht, der aktuelle Anstieg ist für mich vor allem eine Erleichterungsreaktion. Der verfehlte Quartalsgewinn und die rückläufige Neunmonatsbilanz zeigen, dass das Volumenwachstum noch zu wenig beim Ergebnis ankommt. Entscheidend wird nun sein, ob die stark steigenden Exporte die Schwäche im Heimatmarkt auch im vierten Quartal beim Gewinn ausgleichen können und ob die Forderung aus dem EU-Parlament den Europastart von God's Eye verzögert.

Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten. Der Kursrückgang seit Jahresbeginn und der Abstand zum Kursziel von JPMorgan lassen Erholungspotenzial erkennen. Ein Neueinstieg oder Nachkauf könnte aus meiner Sicht erst interessant werden, wenn BYD die Erwartungen der Analysten wieder erfüllt und sich die Nachfrage in China stabilisiert. Bis dahin könnten Anleger die Entwicklung von der Seitenlinie aus verfolgen.

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