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Quelle: ChatGPT

Evonik-Aktie: Lohnt sie sich jetzt auch ohne BASFs 24 €?

Chemieaktie im Fokus

Am heutigen Donnerstag bestimmt der Übernahmepoker weiter das Bild bei Evonik. Der Spezialchemiekonzern hat am Dienstag ein starkes drittes Quartal gemeldet: Das bereinigte EBITDA stieg um 40% auf 629 Millionen €. Kurz zuvor hatte der Vorstand das auf 24 € je Aktie erhöhte Angebot von BASF abgelehnt. Die Aktie notierte zuletzt bei 21,32 € und damit gut 11% unter dem gebotenen Preis. Es stellt sich die Frage: Wie lange kann Evonik eigenständig bleiben, und lohnt sich die Aktie auch ohne Übernahmeprämie?

Operativ klar im Aufwind

Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 13% auf 3,83 Milliarden €, nach 3,39 Milliarden € im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt mit 3,81 Milliarden € gerechnet. Es war das stärkste Wachstum seit vier Jahren. Im Vorjahresquartal hatte das bereinigte EBITDA noch bei 448 Millionen € gelegen, nach neun Monaten stehen nun 1,7 Milliarden € zu Buche. Den Rückenwind lieferten höhere Preise und Mengen.

Unter dem Strich blieb ein Nettoverlust von 53 Millionen €, nach einem Minus von 106 Millionen € ein Jahr zuvor. Grund ist eine Rückstellung von 313 Millionen € für das Effizienzprogramm, etwa für Abfindungen. Das halte ich für verkraftbar, weil der Sondereffekt einmalig ist und die Einsparungen künftig die Marge stützen sollen. Wichtiger ist für mich der freie Cashflow, der im Jahresvergleich um mehr als 20% zulegte. Evonik verweist auf einen besseren Cashflow und eine geringere Verschuldung, die Ratingagentur Moody's hat die Bonität zuletzt hochgestuft. Für 2026 hält Evonik nun ein bereinigtes EBITDA in der oberen Hälfte der Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden € für wahrscheinlich, die Prognose für die Kapitalrendite ROCE wurde auf über 8% angehoben.

BASF bleibt am Ball

BASF hatte sein Interesse an einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot mit einem Schreiben vom 22. Oktober bekundet. Die verbesserte Offerte entspricht einem Aufschlag von rund 39% auf den unbeeinflussten Schlusskurs und bewertet Evonik mit rund 11,2 Milliarden €. Am 30. Oktober lehnte der Evonik-Vorstand Verhandlungen ab und bot lediglich einen vertraulichen, rein informativen Austausch an. BASF reagierte mit Unverständnis. BASF-Chef Markus Kamieth bezeichnet Evonik weiterhin als bevorzugtes Übernahmeziel, hat dem Preis aber zugleich eine Obergrenze gesetzt.

Für Aktionäre ist das eine wichtige Einschränkung. Ein Bieterwettstreit mit immer höheren Geboten zeichnet sich aus meiner Sicht derzeit nicht ab. Hinzu kommen weitere Hürden: Auf die Haltung der Großaktionärin RAG-Stiftung wird es ankommen, in Nordrhein-Westfalen gibt es politischen Widerstand. Belastend wirkt außerdem, dass Vorstandschef Christian Kullmann krankheitsbedingt vorübergehend ausfällt.

Bewertung ohne Übernahmeprämie

Auf Basis der Gewinnschätzungen für 2026 kommt die Aktie auf ein KGV von rund 12, für 2027 liegt der Wert bei etwa 14. Die Marktkapitalisierung beträgt knapp 10 Milliarden €. Für einen Spezialchemiekonzern in der Ergebniserholung ist das eher fair als günstig bewertet. Für das Geschäftsjahr 2025 hat Evonik im Juni 1 € je Aktie ausgeschüttet, beim aktuellen Kurs entspricht das einer Rendite von knapp 4,7%.

Die Analysten bleiben zurückhaltend. Die DZ Bank stufte die Aktie von "Kaufen" auf "Halten" ab und beließ den fairen Wert bei 22 €. Ein Übernahmeaufschlag ist darin bewusst nicht berücksichtigt. Begründung: Nach der Absage sei der Spielraum für eine höhere Prämie begrenzt, während das Rückschlagrisiko bei nachlassender Übernahmefantasie wachse. Berenberg hob das Kursziel von 20 € auf 22,50 € an und bestätigte "Halten", positiv bewertet das Haus die hohen Mittelzuflüsse. Deutsche Bank Research bleibt mit einem Kursziel von 18 € am skeptischsten. Die Bank sieht die Ergebnisse 1% unter dem Konsens, zudem liege die Mitte der EBITDA-Spanne leicht unter den Markterwartungen.

Fazit

Aus meiner Sicht hat Evonik mit diesem Quartal gute Argumente für die Eigenständigkeit geliefert. Der aktuelle Kurs enthält dennoch schon einen spürbaren Anteil Übernahmefantasie, denn er liegt nahe am fairen Wert der DZ Bank, der ohne Prämie gerechnet ist. Den Abstand zum gebotenen Preis könnte die Aktie nur mit einem konkreten Angebot schließen, ohne Übernahme droht dagegen ein Rücksetzer.

Entscheidend wird nun sein, ob BASF trotz Preisgrenze ein formelles Angebot direkt an die Aktionäre richtet und wie sich die RAG-Stiftung dazu stellt. Für bestehende Anleger könnte es sinnvoll sein, die Aktie zu halten, zumal die Dividende das Warten erleichtert. Ein Neueinstieg allein auf eine Übernahme wäre für mich zu spekulativ. Erst wenn das Effizienzprogramm auch unter dem Strich wieder Gewinne liefert, könnte die Aktie auch ohne BASF interessant werden.

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