Alstom-Aktie -30%: Ist sie jetzt ein Mega-Schnäppchenkauf?
Dramatische Gewinn- und Cashflow-Entwicklung
Auslöser des heutigen Kurskollaps der Alstom-Aktie ist eine massive Gewinn- und Cashflow-Warnung. Der Schienenverkehrstechnikhersteller konnte im ersten Halbjahr seinen Umsatz im Jahresvergleich zwar leicht von 9,1 auf 9,3 Milliarden € steigern, aber Gewinn und Cashflow brachen in den ersten sechs Monaten des Jahres dramatisch ein.
Besonders erschreckend ist die Entwicklung der Profitabilität: Aus einer positiven operativen Marge von 6,4% im ersten Halbjahr 2025 wurde zuletzt ein negativer Wert von ungefähr -4,0%. Ebenso schockierend ist die Entwicklung des Cashflows. Nachdem Alstom bereits im Vergleichszeitraum des Vorjahres mit einem Mittelabfluss von 740 Millionen € zu kämpfen hatte, betrug der Free Cashflow im ersten Halbjahr 2026 -1,25 Milliarden €.
Einziger Lichtblick in den Halbjahreszahlen: Der Auftragseingang erhöhte sich auf Jahressicht von 10,5 auf 11,0 Milliarden €.
Ausgerechnet Zugprojekte, die primär für den deutschen Markt bestimmt sind, stehen im Mittelpunkt des finanziellen Desasters von Alstom. Bei der Fertigung der Zugplattform Coradia sind die Franzosen mit erheblichen Problemen konfrontiert.
Zudem sind technische Nacharbeiten erforderlich, die wiederum zu verlängerten Zulassungs- und Testverfahren führen. All das sorgt für große Verzögerungen bei der Auslieferung der Züge. Dadurch bleiben vereinbarte Meilensteinzahlungen aus und es drohen schlimmstenfalls sogar Vertragsstrafen durch die Kunden.
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Drastische Prognosekorrektur
Angesichts der massiven Schwierigen im ersten Halbjahr sah sich das Alstom-Management genötigt, die Prognose für das Gesamtjahr 2026 drastisch nach unten zu korrigieren. Während der Konzern bislang von einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5% ausging, rechnet er aktuell nur noch mit 1,0%.
Der Free Cashflow dürfte sich in diesem Jahr auf einen negativen Wert von -1,5 Milliarden € summieren. Und die Zugproduktion wird voraussichtlich nicht bei 4.500 Einheiten liegen, sondern bei 4.000.
Hält das Allzeittief?
Der heutige Kurseinbruch der Alstom-Aktie ist eine charttechnische Katastrophe. In den letzten Monaten hat sich der Kurs bei ca. 15 € stabilisiert.
Nun fällt die Aktie fast auf ihr Ende 2023 aufgestelltes Allzeithoch. Sollte dieses historische Tief noch einmal unterboten werden, droht der Alstom-Aktie ein weiterer Abverkauf.
Keine Existenzgefährdung
Der Kurscrash der Alstom-Aktie mag den Anschein erwecken, dass der französischen Schienenverkehrsspezialist existenziell bedroht ist. Das ist mitnichten der Fall.
Aber Alstom ist momentan mit einem der üblen Dreierkonstellation aus drastisch gesunkener Marge, stark negativem Cashflow und unsicherer Projektabwicklung konfrontiert. Vor allem der milliardenschwere Mittelabfluss in diesem Jahr sollte einem Sorgen machen.
Alstom sitzt derzeit auf einer Schuldenberg (netto) von 1,1 Milliarden €. Eigentlich wollte das Management diese Verschuldung zügig zurückfahren. Das wird ihr aus eigener operativer Kraft nicht gelingen. Um die Entschuldung voranzutreiben, muss der Konzern möglicherweise Unternehmensteile verkaufen.
Ein spannendes Turnaround-Investment
Trotz dieses Problemberges halte ich die Alstom-Aktie nach ihrem Kurssturz für ein spannendes Turnaround-Investment. Der französische Konzern ist nach der Übernahme von Bombardier Transportation der zweitgrößte Hersteller von Schienenverkehrstechnik weltweit und die Nummer eins in Europa im Bereich des Schienenpersonennah- und -fernverkehrs.
Die Bahn erlebt in vielen Ländern Europas und der Welt eine Renaissance, was bei Alstom für volle Auftragsbücher sorgt. Das Problem ist nur, dass Alstom diese Aufträge derzeit weder termingerecht, noch profitabel abwickeln kann.
Ich gehe aber davon aus, dass das den Franzosen in naher Zukunft wieder gelingen wird. Über die letzten Jahre lag die operative Marge von Alstom bei durchschnittlich 3%. Nicht großartig, aber immerhin positiv.
Gleichzeitig wächst der Mobilitätskonzern mit rund 5% pro Jahr. Vor diesem Hintergrund ist mir ein Forward-KGV von 10 nicht zu hoch.
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ℹ️ Alstom in Kürze
- Alstom S.A. (WKN: A0F7BK) mit mit Sitz in Saint-Ouen-sur-Seine ist ein 1928 gegründeter französischer Konzern für Schienenverkehrstechnik und Mobilitätslösungen.
- Durch die 2021 erfolgte Übernahme des kanadischen Wettbewerbers Bombardier Transportation ist Alstom zum zweitgrößten Hersteller von Bahntechnik weltweit aufgestiegen.
- Die vier Kernbereiche des Bahntechnikkonzerns sind Schienenfahrzeuge (Hochgeschwindigkeitszüge, Regional- und Nahverkehrszüge, U-Bahnen, Straßen- und Stadtbahne sowie Lokomotiven), Signaltechnik und digitale Zugsicherung, Services und Instandhaltung sowie Infrastruktur und schlüsselfertige Systeme (komplette Bahnsysteme inklusive Gleisbau und Stromversorgung).
- Alstom notiert an der Pariser Börse und ist aktuelle ca. 5,3 Milliarden € wert.
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Fazit
Alstom ist kein Investment für Anleger mit schwachen Nerven. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs der Alstom-Aktie mehr als halbiert und notiert aktuell an seinem Allzeittief.
Für Turnaround-Investoren mit guten Nerven und einer langfristigen Perspektiv ergibt sich hier aber meiner Einschätzung nach eine spannende Kaufgelegenheit. Neben einem robusten Nervenkostüm sollte man aber auch Geduld mitbringen. Von heute auf morgen werden sich die Dinge bei Alstom nicht zum Positiven wenden.