Rheinmetall-Aktie -2%: Bringen die Quartalszahlen die Wende?
Die Rheinmetall-Aktie hat am vergangenen Freitag 2,0% verloren und ging bei 1.032,60 € aus dem Handel. Auf Jahressicht liegt das Papier damit rund 40% im Minus. Kurz vor den Zahlen zum dritten Quartal am Donnerstag haben zwei große Banken ihre Kursziele gesenkt. Gleichzeitig sorgen mögliche Ukraine-Gespräche für Unruhe in der gesamten Branche. Die entscheidende Frage lautet: Kann Rheinmetall mit dem Quartalsbericht das Vertrauen zurückholen?
Abu Dhabi belastet die Branche
Eine Unternehmensmeldung hat den Rückgang am Freitag nicht ausgelöst. Der gesamte deutsche Rüstungssektor stand unter Druck. Renk verlor 1,66% auf 36,92 €, Hensoldt gab um 2,26% auf 85,62 € nach und TKMS sank um 0,34% auf 88,80 €. Medienberichten zufolge sorgten die für November geplanten Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi sowie die anstehende Berichtssaison für Unruhe. Ob das Treffen tatsächlich in der ersten Novemberhälfte stattfindet, ist noch offen.
Aus meiner Sicht reagiert der Markt damit vor allem auf Schlagzeilen. Jede Aussicht auf Verhandlungen weckt die Sorge, dass die Nachfrage nach Rüstungsgütern nachlassen könnte. Die laufenden Beschaffungsprogramme in Europa sind jedoch langfristig angelegt und hängen nicht an einem einzelnen Gesprächstermin.
Aufträge füllen die Bücher
Operativ gab es zuletzt gute Nachrichten. Die europäische Beschaffungsorganisation OCCAR hat nach Unternehmensangaben 69 weitere Radschützenpanzer vom Typ Schakal bestellt. Davon sind 35 für die Bundeswehr vorgesehen. Den Auftrag erhält Artec, ein Gemeinschaftsunternehmen von Rheinmetall und KNDS Deutschland. Damit steigt die Zahl der bestellten Schakal-Fahrzeuge auf 291. Außerdem hat Rheinmetall die ersten Caracal-Serienfahrzeuge an die deutschen und niederländischen Streitkräfte übergeben. Bis 2030 sollen mehr als 1.500 dieser Fahrzeuge folgen, dazu kommen 20 Jahre Betreuung über den gesamten Lebenszyklus.
Für Anleger zählt in erster Linie der Auftragsbestand. Ende des zweiten Quartals lag er bei etwas über 80 Milliarden €. Der Vorstandschef hat für das Jahresende inzwischen 100 Milliarden € als Ziel ausgegeben. Bei der operativen Marge strebt Rheinmetall für 2026 gut 19% an. Beide Werte muss der Konzern am Donnerstag untermauern. Für das dritte Quartal erwarten Analysten im Schnitt einen Umsatz von 3,23 Milliarden € und einen Gewinn je Aktie von 7,03 €.
Analysten senken ihre Kursziele
Deutsche Bank Research hat am Dienstag das Kursziel von 1.800 auf 1.650 € gesenkt und die Einstufung Buy bestätigt. Analyst Christoph Laskawi sieht bei den Erwartungen ein Dilemma. Unklar seien insbesondere der Auftragseingang und ob der Hochlauf bis 2030 glaubwürdig gelingt. Die UBS nahm ihr Kursziel noch deutlicher von 1.600 auf 1.360 € zurück, rät aber weiterhin zum Kauf. Die Citigroup bleibt ebenfalls bei ihrer Kaufempfehlung, weist aber auf Risiken bei der Umsetzung und in der Lieferkette hin. Im Schnitt liegt das Kursziel der Analysten bei rund 1.552 €.
Bewertung setzt Wachstum voraus
Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn je Aktie von rund 37,30 €, für 2027 von knapp 54 €. Beim Schlusskurs vom Freitag ergibt sich daraus ein KGV von rund 28 für 2026 und rund 19 für 2027. Das ist deutlich weniger als zu den Hochphasen der Aktie. Ein Schnäppchen ist Rheinmetall trotzdem nicht, denn das KGV für 2027 setzt einen Gewinnanstieg von mehr als 40% voraus. Wenn die Auslieferungen hinter dem Plan zurückbleiben oder sich Aufträge verschieben, wirkt diese Bewertung schnell wieder teuer.
Fazit
Ich sehe in den gesenkten Kurszielen vor allem eine Anpassung an den gefallenen Kurs. Ein Abschied von der Wachstumsgeschichte ist das für mich nicht, denn alle drei genannten Häuser raten weiter zum Kauf. Der kräftige Kursrückgang der vergangenen zwölf Monate hat bereits viel Skepsis eingepreist. Entscheidend wird nun sein, ob Rheinmetall am Donnerstag bei Auftragsbestand und Marge den Weg zu den Jahreszielen glaubhaft belegt. Gelingt das, könnte die Aktie einen Teil der Verluste aufholen. Diplomatische Fortschritte in Abu Dhabi könnten den Sektor kurzfristig aber weiter belasten, selbst wenn die Zahlen überzeugen.
Bestehenden Anlegern würde ich eher dazu raten, die Position zu halten. Die vollen Auftragsbücher sprechen für die mittelfristige Entwicklung. Für einen Neueinstieg würde ich die Zahlen und die ersten Signale aus Abu Dhabi abwarten. Interessant könnte ein Einstieg dann werden, wenn der Konzern seine Ziele für 2026 bestätigt und die Lieferketten mit dem Hochlauf Schritt halten.
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