Foto: pokmer / Unsplash

Goldpreis: Warsh-Schock oder nächste Rallye?

Hochspannung vor dem Fed-Entscheid
Nach einer kräftigen Erholung im August ist der Goldpreis zuletzt wieder unter Druck geraten. Seit dem Zwischenhoch vom 25. August bei knapp 4.700 US$ je Unze ging es um fast -8% hinab, zu Wochenbeginn erfolgte der Pullback zur 50-Tage-Linie. Müssen sich Anleger Sorgen machen oder sind die Aussichten für Gold weiterhin positiv?

Fed sorgt für Gegenwind

Kurzfristig spricht einiges für Vorsicht. An den Märkten wird eine Zinserhöhung der US-Notenbank am Mittwoch inzwischen weitgehend eingepreist. Entscheidend ist deshalb weniger der erwartete Zinsschritt um 25 Basispunkte als die Frage, wie Fed-Chef Kevin Warsh den weiteren geldpolitischen Kurs beschreibt. Signale für zusätzliche Anhebungen könnten US-Renditen und US-Dollar weiter antreiben und damit den Druck auf das unverzinste Gold erhöhen.

Der jüngste Rücksetzer zeigt, dass das Edelmetall gegen steigende Realzinsen keineswegs immun ist. Gleichzeitig ist bemerkenswert, wie robust Gold trotz des jüngsten Anstiegs der langfristigen Renditen geblieben ist. Genau hier setzt die längerfristige Argumentation vieler Goldstrategen an.

Im Übrigen: Wie man gewinnbringend im Rohstoff-Bereich investiert und welche Aktien gerade besonders spannend sind, zeigt unser neuer Report!

Schulden werden zum neuen Goldtreiber

Im Mittelpunkt steht zunehmend die fiskalische Situation der USA. Die US-Staatsschulden haben inzwischen die Marke von 40 Billionen US$ überschritten. Hohe Defizite treffen auf steigende Zinskosten – und damit auf ein Problem, das sich durch höhere Leitzinsen zusätzlich verschärfen kann.

Sprott-Präsident Ryan McIntyre sieht deshalb Gold langfristig als eine Art „Nordstern“ unter den monetären Vermögenswerten. Seiner Einschätzung zufolge ist das Edelmetall insbesondere bei US-Institutionellen weiterhin unterrepräsentiert. Auch die Diskussion über eine mögliche schleichende Dollarentwertung gewinnt vor diesem Hintergrund an Bedeutung.

Hinzu kommen die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken. Nach Angaben des World Gold Council kauften Notenbanken im zweiten Quartal 2026 netto rund 289 Tonnen Gold – 62% mehr als im Vorjahresquartal. Auch China stockte seine Reserven im August weiter auf. Gleichzeitig ziehen die Zuflüsse in Gold-ETFs wieder an.

Analysten sehen langfristig weiteres Potenzial

Auch die Kursziele der Analysten zeigen, wie unterschiedlich die kurzfristige Zinsdebatte und die langfristige Goldthese bewertet werden. Goldman Sachs sieht Gold bis Ende 2026 bei rund 4.900 US$, während Jefferies ein Jahresendziel von etwa 4.650 US$ nennt. Noch deutlich weiter reicht die langfristige Perspektive von J.P. Morgan, die in einem optimistischen Szenario bis 2030 sogar 8.000 US$ für möglich hält.

Eine wichtige Frage ist dabei die Bewertung. Absolut erscheint Gold nach der Rally teuer. Gemessen am weltweit investierten Finanzvermögen ist die Position des Edelmetalls jedoch vergleichsweise klein: Laut World Gold Council entfielen Ende 2025 nur rund 3% der global investierten Finanzanlagen auf Gold. Vor rund 40 Jahren waren es etwa 14%. Eine Rückkehr auch nur eines kleinen Teils dieser früheren Gewichtung könnte daher erhebliche zusätzliche Nachfrage auslösen.

Charttechnik entscheidet über die nächste Bewegung

Technisch ist das Bild kurzfristig angeschlagen. Nach der Bodenbildung um 4.000 US$ gelang im August der Ausbruch über die 200-Tage-Linie und die seit Januar bestehende Abwärtstrendlinie. Mit dem jüngsten Rücksetzer fiel Gold jedoch wieder unter beide Marken zurück – ein möglicher Fehlausbruch.

Jetzt kommt es auf die 50-Tage-Linie an. Hält diese Unterstützung, könnte die Korrektur lediglich eine Verschnaufpause darstellen. Fällt sie dagegen nachhaltig, rücken die Tiefs im Bereich von 4.000 US$ wieder in den Fokus. Auf der Oberseite bilden die Abwärtstrendlinie um 4.400 US$ und die 200-Tage-Linie bei 4.531 US$ die entscheidenden Trigger für eine bullische Trendwende.

Interessenkonflikt: Der Autor hält Gold. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, Gold – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.

Wenn Du die Märkte im Blick behalten möchtest, bist Du mit unseren kompakten und verlässlichen Updates immer einen Schritt voraus. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über relevante Nachrichten aus Wirtschaft, Börse und den einzelnen Unternehmen.

Sichere Dir hier Deinen Informationsvorsprung »

Fazit

Kurzfristig bleibt Gold dem Risiko eines weiteren Rücksetzers ausgesetzt – insbesondere dann, wenn Kevin Warsh am Mittwoch einen länger anhaltenden Zinserhöhungszyklus signalisiert. Langfristig sprechen jedoch Staatsverschuldung, Zentralbankkäufe, mögliche Dollarentwertung und die geringe Goldgewichtung institutioneller Portfolios für ein weiterhin konstruktives Umfeld.

Die Fed kann die Rallye vorübergehend bremsen, am übergeordneten Bullenmarkt wird dies meiner Meinung nach jedoch nichts ändern. Für langfristig orientierte Anleger könnte daher gerade die aktuelle Schwächephase eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen.

Unser Goldherz schon bekannt? Nutze den kostenlosen Goldherz Report Newsletter für mehr Insides am Markt.