LVMH-Aktie -37%: Ist das jetzt die Chance?

17er KGV – wann wird es interessant?
LVMH stand gestern stark unter Druck und hat im Zuge des Kursverlusts von -2,6% seinen Platz in den Top 10 der wertvollsten börsennotierten Unternehmen Europas eingebüßt. So schick wie die Louis Vuitton Taschen sind, die LVMH verkauft, sind die Zahlen nicht. Ist der Luxus-Gigant jetzt billig – oder ist die Krise noch lange nicht vorbei? Denn den Titel als Qualitätsaktie kann man dem Konzern nicht so einfach abschreiben.

Makroökonomischer Druck

Gestern waren nicht nur Luxusaktien unter Druck. Ölpreise stiegen auf über 108 US$ und gleichzeitig kletterten die US-Renditen über 5%. Damit nehmen Inflations- und Zinsängste zu, was den Kauf von Luxusgegenständen drosselt. Der STOXX 600 fiel ebenfalls und LVMH gab seinen Titel als wertvollstes französisches börsennotiertes Unternehmen an L'Oréal ab.

Analysten-Abstufungen

Zusätzlichen Druck gab es vom Analysehaus Bernstein, welches sein Kursziel für LVMH von 570 auf 520 € reduzierte. Was wohlgemerkt immer noch deutlich mehr ist, als der derzeitige Kurs von rund 406 €. Auch Citigroup senkte das Kursziel von 612 auf 568 €, behielt aber die Einstufung Buy bei. Es zeigt, dass Analysten weiterhin Aufwärtspotenzial sehen, aber die Erholung der Konsumflaute etwas langsamer verläuft, als erwartet.

Stagnierende Nachfrage in China

Der wohl wichtigste Auslöser waren schwache chinesische Konsumdaten. Die chinesischen Einzelhandelsumsätze für August blieben mit einem Anstieg um lediglich 0,4% hinter den Erwartungen von 0,8% zurück. Gerade Schmuck büßte ein Wachstumsrückgang von 17,5% ein. Das ist für LVMH bedeutsam, weil der Konzern mit Bulgari, Tiffany & Co. und Chaumet stark im Schmuckgeschäft vertreten ist.

China ist einer der wichtigsten Märkte für Luxusgüter des Konzerns, doch der positive Ausblick fehlt. Viel mehr ist es eine Beschleunigung der Schwäche. Im Juni waren es noch 1,0 % Wachstum, im Juli dann 0,6% und im August nur noch 0,4%.

Ein Bewertungsproblem – aber in die andere Richtung

LVMH ist inzwischen weit von seinen früheren Höchstständen entfernt. Zu Jahresbeginn lag die Aktie noch bei über 640 €, aktuell sind es gut 406 €. Damit ist LVMH 2026 bereits um mehr als ein Drittel gefallen.

Der Luxusgigant hat aktuell ein erwartetes KGV von 17 und ist damit auf dem historisch niedrigsten KGV-Niveau unterwegs. Der 5-Jahresschnitt liegt bei 24,8, denn LVMH wurde über viele Jahre mit einem Qualitätsaufschlag bewertet. Doch: 17 ist nur dann billig, wenn der Gewinn nicht dauerhaft sinkt.

Wenn der Gewinn beispielsweise von 10 Milliarden auf 9 Milliarden € fällt, wäre die gleiche 200-Milliarden-Bewertung plötzlich ein KGV von 22. Doch richtet man sich nach dem Nettogewinn des ersten Halbjahres 2026 (ca. 5,7 Milliarden €), müsste LVMH im Gesamtjahr 2026 auf insgesamt 11,3 Milliarden € Gewinn kommen. Das wäre wieder eine kleines Wachstum im Vergleich zu 2025 (10,9 Milliarden € Nettogewinn).

Ein 17er KGV ist also kein Schnäppchen, sondern die Wette, dass der Gewinn gleich hoch bleibt oder steigt, doch keinesfalls fällt. Mit Blick auf China und die Makroökonomie wird das eine herausfordernde, aber definitiv zu bewältigende Challenge.

Wem das noch nicht reicht:

Saftige Dividenden gibt es auch

3,2% Dividendenrendite gibt es für loyale LVMH Aktionäre immerhin. Das entspricht 13€ die Aktie. Interessant ist dabei, dass LVMH trotz des Gewinnrückgangs 2024 und 2025 die Dividenden nicht gekürzt hat. 2025 lag der Nettogewinn bei rund 10,9 Milliarden €, nachdem er 2024 noch bei rund 12,6 Milliarden € gelegen hatte. Das spricht für eine gewisse Bereitschaft, die Ausschüttung auch in einem schwächeren Geschäftsumfeld stabil zu halten.

Wenn eine Wette auf den Konsumsektor für Dich nicht in Frage kommt, saftige Dividenden aber dennoch Dein Ziel sind, dann solltest Du in diesen 10 Dividendentiteln eine passende Aktie für Dich finden.

ℹ️ LVMH in Kürze

  • LVMH (WKN: 853292) mit Sitz in Paris ist der weltweit führende Luxusgüterkonzern und vereint mehr als 75 renommierte Marken aus den Bereichen Mode und Lederwaren, Schmuck und Uhren, Parfüm und Kosmetik sowie Weine und Spirituosen – darunter Louis Vuitton, Dior, Tiffany & Co., Bulgari, TAG Heuer, Moët & Chandon und Hennessy.
  • Mit einem Jahresumsatz von rund 80 Milliarden € zählt LVMH zu den größten und profitabelsten Luxusgüterunternehmen der Welt.
  • LVMH ist an der Euronext Paris notiert und wird aktuell mit rund 200 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Die Aktie ist nur deshalb gerade interessant, weil der Markt inzwischen einen erheblichen Teil der Krise eingepreist hat. Ob es sich bereits um eine günstige Einstiegsgelegenheit für eine Qualitätsaktie handelt, hängt stark davon ab, wie schnell sich die Kernmärkte in Asien erholen, denn das ist nun mal LVMHs Motor. Ein Forward-KGV von 17 ist nur dann günstig, wenn das aktuelle Gewinnniveau die Talsohle markiert und die kommenden Zahlen Stabilisierung zeigen. Demnach ist LVMH für mich ein Case für einen Einstieg mit einem Sparplan. Eine Einmalzahlung würde ich vorerst aus makroökonomischen Gründen nicht tätigen.