Wenn künstliche Intelligenz plötzlich die digitale Welt verlässt
Die erste große KI-Welle spielte sich vor allem auf unseren Bildschirmen ab. Chatbots schreiben Texte, KI erstellt Bilder und Software übernimmt immer komplexere Aufgaben. Doch die nächste Entwicklungsstufe könnte wesentlich größer werden: Künstliche Intelligenz beginnt, mit der physischen Welt zu interagieren.
Genau diese Entwicklung untersucht das Fraunhofer IPA in seiner im September 2026 veröffentlichten Studie zur KI-basierten Robotik. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur der spektakuläre humanoide Roboter. Entscheidend ist die sogenannte Physical oder Embodied AI – also intelligente Software, die direkt mit Maschinen und Robotern verbunden wird und durch ihre Umwelt lernen kann.
Fraunhofer sieht eine neue Industrie entstehen
Die Forscher sehen mehrere Entwicklungen gleichzeitig aufeinandertreffen: Fachkräftemangel, steigende Lohnkosten, Re-Shoring und der Wunsch nach stärker automatisierten Produktionsprozessen erzeugen einen strukturellen Bedarf. Gleichzeitig werden KI-Modelle leistungsfähiger und die notwendige Hardware effizienter.
Humanoide Roboter könnten dabei einen entscheidenden Vorteil besitzen: Unsere Fabriken, Lagerhallen und Arbeitsplätze wurden für Menschen gebaut. Ein Roboter mit Armen, Beinen und Händen könnte deshalb bestehende Infrastruktur nutzen, ohne dass komplette Produktionsanlagen neu konstruiert werden müssen.
Noch ist die Technologie allerdings nicht am Ziel. Fraunhofer warnt selbst davor, spektakuläre Demonstrationen mit industrieller Einsatzreife zu verwechseln. Bei Zuverlässigkeit, Sicherheit, Manipulation von Gegenständen und Prozessintegration bestehen weiterhin erhebliche Herausforderungen.
Zukunftsforscher erwarten einen neuen Automatisierungsschub
Das langfristige Szenario reicht dennoch weit über einzelne Fabrikroboter hinaus. Wenn KI-Systeme sehen, verstehen, lernen und anschließend physisch handeln können, könnten Roboter zunehmend Aufgaben in Industrie, Logistik, Landwirtschaft, Pflege, Dienstleistungen oder gefährlichen Arbeitsumgebungen übernehmen.
Dabei geht es weniger darum, Menschen vollständig zu ersetzen. Vielmehr könnten Maschinen monotone, körperlich belastende oder gefährliche Tätigkeiten übernehmen – ein besonders wichtiger Faktor in alternden Gesellschaften mit wachsendem Arbeitskräftemangel.
Die Techbranche beschleunigt das Rennen
Auch die mächtigsten Akteure der Technologiebranche beschäftigen sich längst mit dieser Entwicklung. Nvidia-Chef Jensen Huang sieht Physical AI als eine zentrale nächste Entwicklungsstufe künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig investieren Unternehmen weltweit Milliarden in Robotik, Chips, Simulationen und KI-Modelle.
China erhöht zusätzlich den Druck. Das Land dominierte 2025 laut Reuters bereits die weltweiten Auslieferungen humanoider Roboter und testet inzwischen Anwendungen von Industrie und Logistik bis hin zu militärischen Einsatzgebieten.
Damit könnte nach generativer KI bereits der nächste große Technologiewettlauf begonnen haben: KI bekommt Augen, Hände und Beine – und verlässt den Computerbildschirm.
Für Anleger entsteht dadurch möglicherweise eine völlig neue Wertschöpfungskette. Denn nicht nur Roboterhersteller könnten profitieren, sondern auch Unternehmen hinter KI-Chips, Sensoren, Motoren, Software und Automatisierungstechnik.
Welche drei Aktien besonders stark vom Aufstieg der KI-Robotik profitieren könnten, zeigen wir dir nach der Freischaltung.