Rheinmetall-Aktie: Jetzt kaufen oder Finger weg?
Neue Aufträge liefern nur begrenzten Rückenwind
Operativ gibt es durchaus positive Nachrichten. Rheinmetall hat einen neuen Großauftrag über eine fünfstellige Anzahl von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen erhalten. Der Auftrag liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-€-Bereich, die Produktion läuft bereits und soll bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Hinzu kommen neue Bestellungen aus den USA. Unter anderem liefert American Rheinmetall zwölf unbemannte Mission-Master-Fahrzeuge an das US Marine Corps.
Für Rheinmetall sind solche Aufträge ein Beleg für die anhaltend hohe Nachfrage nach Munition und unbemannten Systemen. Angesichts einer massiv steigenden weltweiten Nachfrage baut der Konzern seine Kapazitäten weiter aus und strebt bis 2030 eine Jahresproduktion von rund 1,5 Millionen Artilleriegeschossen an.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
JPMorgan warnt – Prognose bereits gesenkt
An der Börse überwiegen derzeit jedoch die Sorgen. JPMorgan hat Rheinmetall auf die „Negative Catalyst Watch“ gesetzt und bleibt bei der Einstufung „Neutral“. Die US-Bank befürchtet, dass sich der Produktmix künftig zulasten der Margen verändert. Neue Geschäftsfelder wie Drohnen, Raketen und digitale Systeme könnten zwar stark wachsen, teilweise aber über Gemeinschaftsunternehmen abgewickelt werden. Gleichzeitig verlieren margenstarke traditionelle Produkte an Gewicht.
Belastend wirkt zudem die bereits erfolgte Prognosesenkung. Rheinmetall erwartet für 2026 nun 13,7 bis 14,2 Milliarden € Umsatz statt 14,0 bis 14,5 Milliarden €. Rund 300 Millionen € entfallen auf die Stornierung des F126-Fregattenprojekts. Die operative Margenzielsetzung von rund 19% bleibt allerdings bestehen.
Bewertung nicht mehr günstig
Mit einem erwarteten KGV von etwa 28 für 2026 ist die Aktie trotz des Kursrückgangs keineswegs billig. Für 2027 wird zwar ein deutlich niedrigeres KGV von etwa 18 bis 20 erwartet. Dafür müssen die hohen Auftragsbestände allerdings tatsächlich in Umsatz und Gewinn umgesetzt werden. Zudem belastet der massive Ausbau der Produktionskapazitäten zunächst den Cashflow.
Charttechnik bleibt kritisch
Besonders problematisch ist das Chartbild. Seit dem Hoch Mitte Januar hat Rheinmetall rund -50% verloren. Die Erholung von Mitte Juli bis Anfang August erwies sich bislang lediglich als Gegenbewegung. Nun kämpft die Aktie erneut um die psychologisch wichtige Marke von 1.000 €.
Fällt diese nachhaltig, rückt das Bewegungstief von Ende Juni bei 900,20 € ins Visier. In diesem Bereich verläuft zugleich das untere Ende des übergeordneten Aufwärtskanals, der die Aktie seit Frühjahr 2022 begleitet. Ein Bruch dieses Kanals würde das langfristige Chartbild nochmals deutlich eintrüben. Für eine noch detailliertere Chartanalyse, kannst Du hier weiterlesen.
ℹ️ Rheinmetall AG in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei 46,86 Milliarden €.
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Fazit
Rheinmetall profitiert zweifellos vom strukturellen Boom bei den Verteidigungsausgaben und verfügt über einen enormen Auftragsbestand. Die jüngsten Bestellungen unterstreichen die operative Stärke. Dem stehen jedoch eine Prognosesenkung, Margenrisiken, hohe Investitionen, die JPMorgan-Warnung und ein angeschlagenes Chartbild gegenüber.
Die Analysten bleiben grundsätzlich optimistisch: Das durchschnittliche Kursziel liegt weiterhin bei rund 1.650 bis 1.670 € und damit weit über dem aktuellen Niveau. Doch hohe Kursziele allein sind kein Kaufargument. Angesichts der zahlreichen Belastungsfaktoren würde ich Anlegern davon abraten, in die Rheinmetall-Aktie zu investieren.
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