Inditex: Starke Zahlen, starke Aussichten – warum die Aktie trotzdem fällt
Zara-Mutter lässt sich nicht bremsen
Der weltgrößte Modekonzern Inditex bleibt auf Wachstumskurs. Trotz Konsumzurückhaltung, hoher Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten konnte der spanische Konzern Umsatz und Gewinn im ersten Geschäftshalbjahr deutlich steigern. Vor allem währungsbereinigt zeigt sich das Geschäft robust.
Dennoch reicht das Zahlenwerk den Anlegern zunächst nicht. Der Grund: Bei einigen Ergebniskennzahlen hatten sich Analysten etwas mehr erhofft. Gleichzeitig belastet das schwierige Kostenumfeld. Die Inditex-Aktie gibt am Mittwochvormittag rund 3,5 % nach.
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Umsatz steigt auf fast 20 Milliarden Euro
Im ersten Geschäftshalbjahr bis Ende Juli steigerte Inditex den Umsatz um 7,6 % auf 19,76 Milliarden €. Währungsbereinigt fiel das Wachstum mit 9,2 % sogar noch stärker aus.
Auch beim Gewinn ging es weiter nach oben. Unter dem Strich verdiente der Konzern rund 3,00 Milliarden € und damit 6,8 % mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Das operative Ergebnis EBIT legte um 7,6 % auf 3,80 Milliarden € zu. Hier liegt allerdings einer der Gründe für die verhaltene Börsenreaktion: Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet.
Beim EBITDA verbuchte Inditex einen Zuwachs von 7,8 % auf 5,50 Milliarden €. Der Bruttogewinn stieg um 8,3 % auf 11,60 Milliarden €, die Bruttomarge verbesserte sich um 40 Basispunkte auf starke 58,7 %.
Starker Start ins zweite Halbjahr
Zwischen dem 1. August und dem 7. September stiegen die Umsätze in den Filialen und im Onlinegeschäft währungsbereinigt um 9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit hält Inditex das hohe Wachstumstempo des ersten Halbjahres nahezu unverändert aufrecht.
Das ist bemerkenswert, denn gerade in Europa machten ungewöhnlich hohe Temperaturen den Modehändlern zuletzt das Geschäft mit Herbstware schwer. Hinzu kommen eine weiterhin verhaltene Konsumstimmung und die wirtschaftlichen Folgen geopolitischer Unsicherheiten.
Inditex beweist damit einmal mehr, wie widerstandsfähig das Geschäftsmodell ist.
Das vorhandene "Aber"...
Ganz ohne Probleme geht die schwierige weltwirtschaftliche Lage allerdings auch am Zara-Konzern nicht vorbei. Steigende Transport- und Beschaffungskosten erhöhen den Druck auf die Branche.
Genau hier dürfte die Börse derzeit besonders genau hinschauen. Denn nach dem starken Lauf der Aktie sind die Erwartungen hoch. Gute Zahlen allein reichen dann häufig nicht mehr – sie müssen die hohen Erwartungen möglichst deutlich übertreffen.
Inditex investiert gleichzeitig weiter massiv in sein Geschäft. Für das laufende Jahr sind rund 2,50 Milliarden € für die Optimierung des Filialnetzes, Logistik und weitere Infrastruktur vorgesehen.
Das Unternehmen setzt dabei weiter auf einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: die vergleichsweise schnelle Reaktion auf Modetrends und Veränderungen der Nachfrage. Produktion, Logistik, stationärer Handel und Onlinegeschäft sind eng miteinander verzahnt.
Zara bleibt das Zugpferd
Zara bleibt mit großem Abstand die wichtigste Marke des Konzerns. Gemeinsam mit Zara Home und Lefties erzielte die Sparte im ersten Halbjahr einen Umsatz von knapp 13,80 Milliarden €.
Doch auch andere Konzernmarken entwickeln sich stark. Bershka kam auf rund 1,68 Milliarden €, Stradivarius auf 1,57 Milliarden € und Pull&Bear auf 1,26 Milliarden €. Insgesamt verfügte Inditex Ende Juli über 5.444 Geschäfte weltweit.
Gleichzeitig versucht der Konzern, unterschiedliche Kundengruppen stärker abzudecken. Während Zara in den vergangenen Jahren zunehmend höher positioniert wurde, soll die günstigere Marke Lefties weitere preissensible Kunden gewinnen.
ℹ️ Inditex in Kürze
- Der spanische Modekonzern Inditex mit Sitz in Arteixo in Galicien zählt zu den größten Modehändlern der Welt und betreibt aktuell rund 5.440 Geschäfte weltweit.
- Zum Konzern gehören bekannte Marken wie Zara, Zara Home, Pull&Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius und Oysho.
- Das Unternehmen ist an der Börse in Madrid gelistet und wird aktuell mit rund 176,4 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Kursreaktion erscheint auf den ersten Blick überraschend. Operativ liefert Inditex weiterhin überzeugend ab: Umsatz und Gewinn steigen, die Bruttomarge verbessert sich und mit einem währungsbereinigten Umsatzplus von 9 % ist auch der Start ins zweite Halbjahr stark.
Das Problem liegt weniger im Geschäft als in den hohen Erwartungen. Nach dem starken Kursanstieg und dem jüngsten Rekordhoch verzeiht die Börse selbst kleinere Enttäuschungen beim Ergebnis kaum noch.
Fundamental bleibt Inditex für mich einer der qualitativ stärksten Werte im europäischen Konsumsektor. Die enorme Markenstärke von Zara, schnelle Lieferketten, hohe Profitabilität und das flexible Geschäftsmodell sprechen langfristig für das Unternehmen.
Nach dem starken Kursanstieg würde ich der Aktie aktuell dennoch nicht hinterherlaufen. Der heutige Rücksetzer allein macht den Titel noch nicht zum Schnäppchen. Investierte Anleger können aus meiner Sicht dabeibleiben. Für einen Neueinstieg würde ich dagegen auf eine deutlichere Konsolidierung warten.