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D-Wave Quantum-Aktie: Vor dem Durchbruch – oder vor neuen Tiefs?

Was Anleger jetzt wissen müssen
Redaktion
D-Wave Quantum gehört zu den wenigen reinen Quantencomputing-Unternehmen, die bereits zahlende Kunden vorweisen können. Die Systeme des Unternehmens kommen inzwischen bei realen Produktionsaufgaben zum Einsatz, doch der technologische Fortschritt allein macht die Aktie noch nicht zu einem attraktiven Investment.

Erste kommerzielle Erfolge sprechen für D-Wave

D-Wave Quantum ist eine echte Ausnahmeerscheinung im noch jungen Markt für Quantencomputer. Das Unternehmen verfügt nicht nur über zahlende Kunden, sondern setzt seine Technologie bereits für produktive Anwendungen ein.

Ein Beispiel liefert AT&T. Der Telekommunikationskonzern konnte nach Angaben von D-Wave eine komplexe Aufgabe zur Optimierung seines Netzwerks von etwa einer Stunde auf weniger als 15 Sekunden verkürzen. Damit handelt es sich nicht lediglich um eine technische Demonstration, sondern um eine Anwendung mit einem konkreten geschäftlichen Nutzen.

Das Management stellte das Projekt mit AT&T gemeinsam mit weiteren Geschäftsabschlüssen im Rahmen der jüngsten Zahlenvorlage für das zweite Quartal 2026 vor. Die sogenannten Remaining Performance Obligations, also bereits vertraglich zugesagte, aber noch nicht als Umsatz verbuchte Leistungen, beliefen sich Ende Juni auf 40,7 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 668 Prozent. Mehr als die Hälfte dieses Auftragsbestands soll innerhalb der kommenden zwölf Monate als Umsatz verbucht werden.

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Das Technologieportfolio wird breiter

D-Wave arbeitet zugleich daran, seine technologische Basis deutlich auszuweiten. Mit der im Januar erfolgten Übernahme von Quantum Circuits kam neben der etablierten Annealing-Technologie ein sogenannter Gate-Model-Ansatz hinzu.

Eine in diesem Sommer veröffentlichte und von Fachkollegen begutachtete Studie im Wissenschaftsmagazin Nature bestätigte zentrale technische Annahmen des daraus entstandenen Dual-Rail-Ansatzes. Das Unternehmen strebt bis 2032 eine Architektur mit 100 logischen Qubits und mehr als einer Million zuverlässigen Gatteroperationen an. Solche Größenordnungen gelten häufig als wichtige Voraussetzung für kommerzielle Quantencomputer mit breitem Einsatzspektrum.

Hohe Investitionen bringen neue Belastungen

Der technologische Fortschritt wird allerdings von zunehmenden finanziellen Belastungen begleitet. In dieser Woche kündigte Finanzvorstand John Markovich seinen Rückzug zum 2. September an. Sein vorläufiger Nachfolger verfügt zwar über umfangreiche Erfahrung im Finanzbereich, dennoch kommt der Wechsel zu einem Zeitpunkt, an dem D-Wave vor erheblichen Investitionsentscheidungen steht.

Die Aktie reagierte entsprechend empfindlich und verlor am Tag der Ankündigung 9,5 Prozent. Der Personalwechsel allein muss zwar kein strukturelles Problem darstellen, er erhöht jedoch die Unsicherheit für Anleger in einer Phase, in der das Unternehmen gleichzeitig sein neues Gate-Model-Geschäft aufbaut und erhebliche Mengen an Kapital benötigt.

Der Kapitalbedarf bleibt ein zentrales Risiko

Produktive Anwendungen sind nicht automatisch gleichbedeutend mit einem profitablen Geschäftsmodell. D-Waves Free Cashflow lag in den vergangenen vier Quartalen bei minus 119 Millionen Dollar. Im Geschäftsjahr 2025 hatte der negative Free Cashflow noch 76 Millionen Dollar betragen, 2024 waren es 45 Millionen Dollar.

Das Unternehmen verfügt zwar über erhebliche finanzielle Mittel und konnte für die Übernahme von Quantum Circuits 250 Millionen Dollar in bar sowie weitere 300 Millionen Dollar in Aktien aufbringen. Die Finanzierung des laufenden Geschäfts erfolgt jedoch zu einem erheblichen Teil über die Ausgabe neuer Aktien.

Für bestehende Aktionäre hat das Folgen. Die Zahl der ausstehenden Aktien hat sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt. Selbst wenn das Unternehmen technologisch und operativ Fortschritte macht, kann eine solche Verwässerung den Wert des einzelnen Aktienanteils erheblich belasten.

Die Bewertung lässt kaum Spielraum für Enttäuschungen

Für Anleger stellt sich damit weniger die Frage, ob D-Wave technologisches Potenzial besitzt, sondern vielmehr, ob dieses Potenzial bereits zu einem zu hohen Preis in der Aktie enthalten ist.

Wer sich grundsätzlich an der Entwicklung des Quantencomputings beteiligen möchte, kann auch etablierte Technologiekonzerne wie IBM oder Alphabet in Betracht ziehen. Beide Unternehmen verfügen über wesentlich größere finanzielle Ressourcen und könnten spezialisierte Anbieter wie D-Wave über Jahre hinweg bei Forschung und Entwicklung übertreffen. Zwar setzen weder IBM noch Alphabet derzeit auf dieselbe Annealing-Technologie wie D-Wave, doch könnte sich das ändern, sobald sich bestimmte Anwendungen als wirtschaftlich besonders attraktiv erweisen.

D-Wave bleibt unter den Pure Plays eine der stärkeren Optionen

Wer ausschließlich in ein reines Quantencomputing-Unternehmen investieren möchte, findet in D-Wave derzeit eine der vergleichsweise überzeugenderen Möglichkeiten. Die vorhandenen Kunden, die ersten produktiven Anwendungen und die Kombination aus Annealing- und Gate-Model-Technologie verschaffen dem Unternehmen eine Position, die viele Konkurrenten nicht vorweisen können.

Die Bewertung ist allerdings ausgesprochen ambitioniert. Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 500 lässt kaum Raum für operative Rückschläge oder Verzögerungen. Hinzu kommen der hohe Kapitalverbrauch, die Verwässerung bestehender Aktionäre und der bevorstehende Wechsel an der Finanzspitze.

ℹ️ D-Wave Quantum in Kürze

  • D-Wave Quantum (WKN: A3DSV9), kurz D-Wave, ist ein Hardwareunternehmen, das sich mit der Entwicklung von Quantencomputern beschäftigt.
  • Das Unternehmen mit dem Hauptsitz in Burnabay, Kanada, wurde 1999 gegründet. Bekannt wurde es durch den Verkauf des ersten Quantencomputers 2011 an Lockheed Martin.
  • Neben der Hauptbörse NYSE kann die Aktie auch über Tradegate gehandelt werden. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 6,3 Milliarden US$.

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Redaktion

Fazit

D-Wave Quantum macht technologisch und kommerziell erkennbare Fortschritte, doch die Aktie preist bereits einen erheblichen Teil des erhofften Erfolgs ein. Für risikobereite Anleger bleibt sie eine interessante Wette auf das Quantencomputing, während die hohe Bewertung und der Kapitalbedarf eine vorsichtige Positionsgröße nahelegen.

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