Silber nach starker Rally unter Druck – werden höhere Zinsen zum Problem?
Fallende Renditen haben Silber ordentlich geholfen
Ein wichtiger Teil der Rally kam zuletzt vom US-Anleihemarkt. Am 19. August hatte US-Finanzminister Scott Bessent angekündigt, die Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Statt bisher maximal 2 Milliarden US$ sollen künftig mindestens 4 Milliarden US$ je Rückkauf möglich sein. Dahinter steckt auch der Versuch, etwas Druck aus den langfristigen Renditen zu nehmen, nachdem die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe zuvor bis auf 5,34% gestiegen war.
Für Silber war das ziemlich hilfreich. Anders als bei einer Anleihe gibt es bei Silber schließlich keine laufenden Zinsen. Kann man mit US-Staatsanleihen hohe Renditen verdienen, werden Edelmetalle im Vergleich etwas weniger attraktiv. Kommen die Renditen dagegen runter, fällt ein Teil dieses Nachteils weg.
Dazu wurde der US$ zuletzt schwächer und auch das spielt Silber in die Karten. Fallende Renditen und ein schwächerer Dollar waren damit eine ziemlich gute Kombination und Silber konnte sich bis Freitagmorgen auf mehr als 71 US$ nach oben arbeiten.
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Kevin Warsh dreht die Stimmung erstmal wieder
Am Freitag kam dann allerdings von der Fed eine ganz andere Botschaft. Kevin Warsh hat sich bei seiner Rede in Jackson Hole zwar nicht auf eine Zinserhöhung im September festgelegt, bei der Inflation wurde er aber ziemlich deutlich. Die liegt weiterhin klar über dem 2%-Ziel und solange sich daran nicht genug ändert, sieht Warsh für die Fed weiterhin Arbeit.
Das kam am Anleihemarkt direkt an. Die besonders zinssensitive zweijährige US-Rendite stieg während seiner Rede von rund 4,23 auf 4,31% und gleichzeitig wurde eine Zinserhöhung im September am Markt wieder deutlich wahrscheinlicher. Vor der Rede lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit noch bei etwas mehr als einem Drittel, danach waren es fast 60%.
Bei Silber ging es daraufhin ziemlich schnell in die andere Richtung. Vom Tageshoch bei rund 71,12 US$ fiel der Preis bis zum Handelsschluss auf etwa 66,76 US$ zurück. Gleichzeitig zog der Dollar an. Damit drehten sich ausgerechnet die beiden Faktoren, die Silber vorher noch geholfen hatten, zumindest kurzfristig wieder gegen das Edelmetall.
Was die höheren Renditen jetzt für Silber bedeuten
Für Silber treffen damit gerade zwei ziemlich unterschiedliche Entwicklungen aufeinander. Das US-Finanzministerium versucht über die ausgeweiteten Rückkäufe Druck aus den langfristigen Renditen zu nehmen, während Warsh gleichzeitig klargemacht hat, dass bei den Leitzinsen noch nichts in Richtung einer lockereren Geldpolitik entschieden ist.
Ab dem 9. September sollen die größeren Treasury-Rückkäufe starten. Kommen dadurch die langfristigen Renditen weiter runter und gibt gleichzeitig auch der Dollar wieder etwas nach, wäre das für Silber eine ziemlich angenehme Kombination. Bleiben die Zinserwartungen nach Warshs Rede dagegen hoch und zieht der Dollar weiter an, könnte genau daraus erstmal wieder mehr Druck entstehen.
Bei Silber kommt allerdings noch etwas dazu, was man bei Gold so nicht hat. Ein großer Teil der Nachfrage kommt aus der Industrie, unter anderem aus Solarenergie, Elektronik und anderen technologischen Anwendungen. Silber hängt deshalb nicht nur an Fed und Anleihemarkt. Gerade kurzfristig sieht man aber ziemlich deutlich, wie stark Zinsen und Dollar den Preis bewegen können.
ℹ️ Silber im Überblick
- Silber erfüllt als „kleiner Bruder“ des Goldes eine wichtige Doppelrolle. Während es historisch genau wie Gold als Geld und Wertspeicher sowie in der Schmuckindustrie genutzt wird, ist es heute vor allem ein unverzichtbares Industriemetall. Durch seine extrem hohe elektrische und thermische Leitfähigkeit ist Silber ein Schlüsselrohstoff für Zukunftstechnologien wie Solaranlagen (Photovoltaik), E-Mobilität und die 5G-Infrastruktur.
- Schätzungen zufolge wurden in der Menschheitsgeschichte bisher rund 1,74 Millionen Tonnen Silber gefördert. Die weltweit bekannten, wirtschaftlich abbaubaren Reserven sind knapp und werden auf etwa 530.000 Tonnen geschätzt. Da Silber im Gegensatz zu Gold in der Industrie oft in Kleinstmengen verbraucht und kaum recycelt wird, führt die begrenzte Verfügbarkeit bei gleichzeitig steigender Tech-Nachfrage zu einem strukturellen Defizit.
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Fazit
Der Sprung über 71 US$ sah am Freitagmorgen erstmal ziemlich stark aus, nach Warshs Rede war davon allerdings schnell wieder einiges weg. Dass die kurzfristigen US-Renditen steigen und gleichzeitig der Dollar stärker wird, ist für Silber erstmal keine besonders gute Kombination. Auf der anderen Seite starten schon bald die größeren Treasury-Rückkäufe, die vor allem am langen Ende wieder etwas Druck rausnehmen sollen. Damit dürfte es für Silber in den nächsten Wochen auch darauf ankommen, ob sich der Zinsdruck nach Warshs Rede hält oder die Renditen wieder nach unten drehen.