Hochtief-Aktie: Ist die Korrektur jetzt eine Kaufchance?
Starkes Halbjahr und höhere Jahresprognose
Operativ gibt Hochtief derzeit ein beeindruckendes Bild ab. Im ersten Halbjahr steigerte der Konzern den Umsatz um knapp 10% auf 20,1 Milliarden €, während der operative Konzerngewinn sogar um 35% auf 480 Millionen € zulegte. Im zweiten Quartal fiel der Gewinn mit 263 Millionen € zudem höher aus als von Analysten erwartet.
Besonders erfreulich entwickelte sich der Auftragseingang. Mit 31,5 Milliarden € lag dieser mehr als 20% über dem Vorjahresniveau. Der Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 84,8 Milliarden € und sichert die Auslastung auf Jahre hinaus. Mehr als ein Viertel davon entfällt inzwischen auf den boomenden Markt für KI-Rechenzentren.
Vor diesem Hintergrund hob das Management auch die Prognose für das Gesamtjahr an. Statt eines operativen Konzerngewinns zwischen 950 Millionen € und 1,025 Milliarden € erwartet Hochtief nun 1,025 bis 1,1 Milliarden €. Wachstumsmotor bleibt die US-Tochter Turner, die insbesondere vom massiven Ausbau der Rechenzentrums-Infrastruktur für Hyperscaler wie Meta profitiert.
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Warum die Aktie trotzdem nachgab
Trotz der starken Zahlen reagierte die Börse zunächst mit Kursverlusten. Der Grund liegt weniger in den Ergebnissen als vielmehr in den hohen Erwartungen. Nach der außergewöhnlichen Rallye der vergangenen beiden Jahre hatten viele Anleger auf noch deutlich stärkere Überraschungen gesetzt und nutzten die Bilanzvorlage für Gewinnmitnahmen. Ohnehin gibt es im Tech- und KI-Sektor derzeit großangelegte Gewinnmitnahmen.
Hinzu kommt, dass Hochtief inzwischen nicht mehr wie ein klassischer Baukonzern bewertet wird. Der Markt honoriert die starke Position im Zukunftsmarkt der digitalen Infrastruktur bereits mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber vielen Wettbewerbern.
Analysten bleiben konstruktiv
Die Einschätzungen der Analysten fallen überwiegend positiv, aber nicht euphorisch aus. Die meisten Häuser stufen die Aktie derzeit mit "Halten" oder "Neutral" ein. Jefferies bestätigte nach den Zahlen seine Hold-Empfehlung mit einem Kursziel von 508 €. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 506,50 €, was vom aktuellen Niveau aus noch ein Aufwärtspotenzial von+14,5% signalisiert.
Unterdessen wirkt die Bewertung trotz der Kurskorrektur nicht wirklich günstig. Das erwartete KGV für 2026 liegt bei über 30 und damit weiterhin über dem Niveau klassischer Bauunternehmen. Dieser Aufschlag wird durch das strukturelle Wachstum im Geschäft mit Rechenzentren, Energie- und Infrastrukturprojekten begründet. Die Dividendenrendite fällt mit rund 2% zwar vergleichsweise niedrig aus, dürfte mit weiter steigenden Gewinnen aber ebenfalls zulegen.
Charttechnik: Wichtige Unterstützung rückt näher
Charttechnisch befindet sich die Aktie derzeit in einer Konsolidierungsphase. Mit dem Rückgang von gut -20% seit dem Rekordhoch Anfang Mai ist Hochtief technisch betrachtet in einen neuen Bärenmarkt übergegangen. Nachdem der Kurs bereits unter die 50- und die 100-Tage-Linie gefallen ist, richtet sich der Blick nun auf die Unterstützungszone um 400 €.
Noch wichtiger ist die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 394,50 € verläuft. Sie wurde seit mehr als zwei Jahren nicht nachhaltig unterschritten und dürfte deshalb eine zentrale Bewährungsprobe für die Bullen darstellen. Gelingt dort eine Stabilisierung, könnte die laufende Konsolidierung ihren Abschluss finden. Für eine detailliertere Chartanalyse, kannst Du hier weiterlesen.
ℹ️ Hochtief in Kürze
- Hochtief (WKN: 607000) ist ein internationaler, führender Baukonzern. Neben dem klassischen Baugeschäft entwickelt der Konzern sich immer mehr zum Projekt-Unternehmen mit einem breiten Dienstleistungsgeschäft.
- Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen. Großaktionär mit 77,5% ist die spanische ACS-Gruppe.
- Die Aktie ist im MDAX gelistet und wird aktuell mit rund 33 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen eindrucksvoll, dass Hochtief den weltweiten Investitionsboom in KI-Rechenzentren, Energieinfrastruktur und Digitalisierung konsequent in steigende Gewinne umwandelt. Der Rekordauftragsbestand, die angehobene Prognose und die starke Entwicklung der US-Tochter Turner sprechen dafür, dass die Wachstumsgeschichte noch lange nicht beendet ist.
Zwar ist die Bewertung kein Schnäppchen mehr und kurzfristig sind weitere Schwankungen nicht ausgeschlossen. Sollte die Aktie jedoch im Bereich der 200-Tage-Linie einen tragfähigen Boden ausbilden, dürfte die aktuelle Korrektur für langfristig orientierte Anleger eher eine attraktive Einstiegschance als das Ende des übergeordneten Aufwärtstrends sein.
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