E.ON-Aktie: Bringt das neue Reformpaket die Wende?
Reformpaket der Bundesregierung sorgt für Diskussionsstoff
Die Bundesregierung einigte sich am Donnerstag auf ein 34 Punkte umfassendes Reformpaket für die Verteilnetze, das die Realisierungsdauer von Netzprojekten durch beschleunigte Genehmigungsverfahren halbieren soll. E.ONs Perspektive hängt stark am Tempo der Netzmodernisierung. Bis 2030 will der Konzern rund 48 Milliarden € in den Netzausbau investieren – das aktuelle Reformpaket wirkt hier als direkter Kurskatalysator.
Gleichzeitig wird der Smart-Meter-Rollout verschärft: Haushalte mit höherem Verbrauch sowie Betreiber von Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Wallboxen unterliegen künftig einer strengeren Einbaupflicht, was E.ON als einer der größten Messstellenbetreiber Deutschlands zugute kommt.
Mehr Rückenwind: Nachlassende Zinssorgen
Parallel dazu wirkte ein makroökonomischer Effekt. Der US-Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag fiel schwächer aus als erwartet und dämpfte die Sorgen vor weiteren Zinserhöhungen deutlich. Laut CME FedWatch-Tool sank die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Juli von 29 auf 18%. Für kapitalintensive Versorger wie E.ON zählt das doppelt: Fremdfinanzierung wird günstiger, während die vergleichsweise hohe Dividendenrendite von aktuell 3,1% gegenüber Anleihen wieder attraktiver wirkt.
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Noch mehr Rückenwind: Morgan Stanley stuft hoch
In dieses Umfeld passte auch ein Analysten-Update. Robert Pulleyn von Morgan Stanley stockte sein Kursziel am Donnerstagabend leicht auf 22 € auf (Kurs aktuell: 19,08 €). In einer begleitenden Sektorstudie verwies die Bank darauf, dass europäische Versorger den Gesamtmarkt seit Jahresbeginn um +7% geschlagen haben, ohne dass die Bewertung bislang deutlich gestiegen sei.
Bemerkenswert ist zudem der Hinweis auf die Fondspositionierung: Viele Investoren sind laut Morgan Stanley in Versorgern weiterhin untergewichtet, was bei einem Nachziehen zusätzliches Kurspotenzial eröffnen könnte.
Charttechnisches Bild
Mit dem Ausbruch über die 100-Tage-Linie hat E.ON ein wichtiges technisches Signal geliefert. Der langfristige Aufwärtstrend, der seit Mitte Dezember intakt ist, bleibt damit bestätigt. Die Aktie notiert aktuell rund +19% im Plus seit Jahresbeginn, das nächste relevante Ziel ist das Jahreshoch bei 20,39 € vom März.
Der Markt hat E.ON noch nicht auf dem Schirm
E.ON ist im Peer-Vergleich fair bis leicht günstig bewertet mit einem aktuellem KGV von rund 14.
Günstig bezieht sich auf das Geschäftsmodell selbst: Mit rund 80% regulierten Netzerträgen bekommt man bei E.ON ein ungewöhnlich planbares Ertragsprofil – ähnlich verlässlich wie eine Anleihe, aber mit Dividendenwachstum obendrauf. Für diese Stabilität zahlt man an der Börse eigentlich meist einen Aufschlag, keinen Abschlag.
Fair bezieht sich auf die Kehrseite: Da Netzentgelte von der Bundesnetzagentur vorgegeben werden, kann E.ON seine Margen hier also nicht durch Preissetzungsmacht wie ein Wachstumsunternehmen ausweiten. Das bedeutet, dass E.ON nur eine gedeckelte Renditen bieten kann. Das begrenzt das Aufwärtspotenzial gegenüber Wettbewerbern wie RWE, die zwar volatiler, aber auch renditestärker sind, wenn sich Energiepreise oder Marktbedingungen positiv entwickeln.
Genau deshalb wirken die 22 € Kursziel von Morgan Stanley und die Aussage zur Sektor-Untergewichtung vieler Fonds interessant: Der Markt preist die defensive Qualität womöglich noch nicht vollständig ein, oder sieht einen Minuspunkt in der Renditedeckelung.
ℹ️ E.ON in Kürze
- E.ON (WKN: ENAG99) ist einer von Europas größten Energieversorgern. Die Schwerpunkte liegen in den Bereichen Energienetze und Kundenlösungen (Strom- und Gaslieferungen an Privat- und Geschäftskunden).
- Der Konzern ist in mehreren europäischen Ländern tätig, der Hauptsitz befindet sich in Essen in Nordrhein-Westfalen.
- Die im DAX gelistete Aktie wird aktuell mit 50,1 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Kombination aus politischem Rückenwind für die Netzinfrastruktur und nachlassendem Zinsdruck spricht zwar für E.ON, doch die gedeckelte Rendite ist meiner Ansicht nach ein entscheidender Negativpunkt. Der Kurs wird vermutlich auch in den kommenden Jahren keinen großen Sprung nach oben verzeichnen.
Auch für Dividendenjäger lohnt sich 3,1% nicht wirklich, da es gerade mal die Inflation deckt. Das Geld wäre in anderen Aktien, wie deutschen Versicherern, die solide Dividenden plus Kurssteigerung bieten, besser aufbewahrt.
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