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Ferrari-Aktie: Die letzte Kaufchance auf diesem Niveau?

Der Luce ist Vergangenheit
Polina Dmitrovskaya
Wer hätte schon gedacht, dass Ferrari den einstigen Kursabfall nach der gefloppten Vorstellung des E-Autos Luce so schnell wieder aufholt? Der Autobauer bringt eine exklusive Schaltgetriebe-Version des 12 Cilindri mit rund 50% Preisaufschlag auf den Markt, und Kursziele von Investmentbanken schnellen prompt nach oben. Analysten erwarten nach Veröffentlichung anstehender Quartalszahlen eine weitere Geschäftsbeschleunigung. Der Kurs legt um rund +2% bei der heutigen Börseneröffnung zu.

1.499 Nostalgie-Modelle werfen neues Licht ins Dunkeln

Ferrari hat am Wochenende ein neues Sondermodell des 12 Cilindri präsentiert, das gleich in zweierlei Hinsicht für Aufsehen sorgt. Zum einen bringt der Sportwagenbauer nach 14 Jahren Pause wieder ein Schaltgetriebe zurück in sein Programm. Zum anderen zeigt das Preisschild, wie viel Kunden bereit sind, für dieses Stück Nostalgie zu zahlen.

Mit rund 590.000 € kostet die Manuale-Version etwa 50% mehr als der reguläre 12 Cilindri, der bei rund 400.000 € startet – ein Aufpreis allein für das neue Getriebekonzept, ergänzt um exklusive Design-Elemente aus Ferraris Tailor-Made-Programm, etwa lasergravierte Embleme und eine eigens gestaltete Mittelkonsole.

Auf nur 1.499 Exemplare limitiert, richtet sich das Modell gezielt an bestehende V12-Kunden. Ferraris Handelschef Enrico Galliera bezeichnete das Schaltgetriebe als die am häufigsten gewünschte Funktion der letzten Jahre und bestätigte, dass die Sonderserie bereits ausverkauft ist.

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Je teurer der Ferrari, desto teurer der Aktienkurs?

Jefferies-Analyst James Grzinic schrieb am Samstagabend, die Einführung der Schaltgetriebe-Version zeige, wie genau Ferrari die Vorlieben seiner Kundschaft für traditionelle Markenmerkmale kenne. Für ihn ist der satte Aufpreis vor allem ein Beleg für Preissetzungsmacht am oberen Ende der Produktpalette.

Diese Einschätzung reiht sich in eine Serie von Kurszielanhebungen ein. Bereits Ende Juni hatte Jefferies das Ziel von 350 auf 380 € erhöht (Kurs aktuell: ca. 340 €), nachdem die mittelfristigen Prognosen für Auslieferungen und Durchschnittspreise nach oben korrigiert wurden. Auch UBS zog nach. Die Analystin Zuzanna Pusz hob das Kursziel Anfang Juli von 483 auf 497 US$ an und begründete dies mit der Erwartung einer weiteren Geschäftsbeschleunigung in den kommenden Quartalen.

Zwischen Elektro-Kritik und Verbrenner-Nostalgie

Die positive Resonanz auf das neue Sondermodell steht in einem interessanten Kontrast zur jüngeren Unternehmensgeschichte. Erst Im Oktober 2025, auf den Capital Market Days, hat der Autobauer seine Strategie bis 2030 vorgestellt und einen großen Fokus auf das E-Segment verkündet. Die gigantischen Entwicklungskosten und die wachsende Skepsis der Investoren, ob die Transformation hin zum E-Segment die traditionell brutalen Margen gefährdet, schickte den Aktienkurs monatelang auf Talfahrt.

Erst nachdem im Mai 2026 das Modell Luce final enthüllt wurde und der anfängliche Premierenschock verdaut war, griffen Value-Investoren auf dem stark abverkauften Niveau wieder zu. Das zeigt die Qualität der Aktie, die vor allem mit der Einführung des neuen Schaltwagens bestätigt wird. Die Aktie hat seit dem extremen Tief von 276 € auf 339 €, also um +22% zugelegt.

Es dürfte wohl seit langem eine sehr gute Einstiegschance gewesen sein, die aber noch nicht vorbei ist.

Die letzte Kaufchance auf diesem Niveau?

Trotz der jüngsten Erholung notiert die Aktie im Zwölfmonatsvergleich weiterhin mit -17% im Minus und konnte die Verluste seit Juli 2025 noch nicht vollständig aufholen. Charttechnisch hat die Aktie zuletzt ein wichtiges Signal geliefert: Ende Juni kreuzte sie ihre 200-Tage-Linie nach oben, nachdem sie sich seit Oktober 2025 in einem Abwärtstrend befunden hatte.

Auf der Oberseite wartet nun die Widerstandszone zwischen 330 und 350 €, gebildet durch mehrere Hochpunkte aus dem Winter und Frühjahr. Gelingt hier ein nachhaltiger Ausbruch, würde der Weg in Richtung 400 € frei, jener breiten Zone, die in den vergangenen zwei Jahren wiederholt angelaufen wurde. Auf der Unterseite bleibt der Bereich um 270 € die entscheidende Absicherung, sollte die Erholung ins Stocken geraten.

ℹ️ Ferrari in Kürze

  • Ferrari (WKN: A2ACKK) entwickelt, produziert und vermarktet exklusive Sportwagen und Formel-1-Fahrzeuge. Das 1947 vom legendären italienischen Rennfahrer Enzo Ferrari gegründete Unternehmen hat seinen Verwaltungssitz in Maranello bei Modena in Italien und seinen Rechtssitz in Amsterdam.
  • Nachdem der Sportwagenhersteller über viele Jahrzehnte ein Tochterunternehmen von Fiat war, notiert die Ferrari-Aktie seit 2015 an der Börse.
  • Ferrari ist Mitglied im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 und an der Börse ca. 78 Milliarden € wert.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Die Nachfrage nach dem Sondermodell zeigt, dass Ferraris Preissetzungsmacht im Kern intakt bleibt. Kurzfristige Schwankungen rund um neue Modelle wie den Luce sollten dabei nicht überbewertet werden, solange das margenstarke Kerngeschäft mit limitierten Sondereditionen so robust bleibt wie aktuell und die Absatzzahlen nicht runtergehen.

Für langfristige Anleger ist die Ferrari-Aktie meiner Meinung nach ein klarer Kaufkandidat auf dem aktuellen Niveau.

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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.