stock.adobe.com/JHVEPhoto

Bayer-Aktie: Zu viel Euphorie im Spiel?

Eine Analyse
Die Bayer-Aktie steht derzeit im Fokus der Anleger und hat sich innerhalb weniger Wochen zu einem der stärksten DAX-Werte entwickelt. Auslöser hierfür war ein Urteil des obersten US-Gerichtshofs. Nachdem die Aktie Anfang Juni noch bei rund 33 € notierte, liegt sie am Montag aktuell bereits bei knapp 53 €. Doch ist dieser kräftige Kurssprung tatsächlich gerechtfertigt – und vor allem nachhaltig?

Wichtiger Klagegrund entfällt

Ein erheblicher Teil der Glyphosat-Klagen in den USA basiert auf dem Vorwurf, Bayer beziehungsweise Monsanto habe nicht ausreichend vor einem möglichen Krebsrisiko gewarnt.

Bayer argumentierte dagegen stets, dass die US-Umweltbehörde EPA Glyphosat nicht als krebserregend eingestuft habe. Deshalb sei ein entsprechender Warnhinweis nach Bundesrecht nicht zulässig gewesen. Genau diese Rechtsfrage stand im Mittelpunkt des Verfahrens vor dem Supreme Court: Hat Bundesrecht Vorrang vor den Regelungen einzelner Bundesstaaten?

Im sogenannten Durnell-Fall entschied das oberste US-Gericht nun zugunsten dieser Rechtsauffassung. Damit entfällt für zahlreiche Klagen eine wesentliche Grundlage. Welche Auswirkungen das Urteil letztlich auf die noch anhängigen Verfahren haben wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

US-Glyphosatgeschäft wird neu organisiert

Seit Jahren fordern Analysten eine stärkere Trennung des Agrargeschäfts vom restlichen Konzern. Eine vollständige Abspaltung lehnte Bayer bislang jedoch ab.

Nun geht das Unternehmen einen anderen Weg und bündelt das US-Glyphosatgeschäft in der neu gegründeten Tochtergesellschaft Ruveon. Das Unternehmen mit Sitz in St. Louis (Missouri) bleibt vollständig Teil des Bayer-Konzerns und übernimmt künftig eigenverantwortlich alle Aktivitäten rund um das Glyphosatgeschäft in den USA – von Preisgestaltung und Vermarktung bis hin zu Produktion und Logistik.

Nach Angaben von Bayer soll diese Struktur eine bessere Ausrichtung auf die Besonderheiten des US-Marktes ermöglichen und die operative Steuerung vereinfachen.

Bewertung

Das Urteil des Supreme Courts ist zweifellos ein wichtiger Erfolg für Bayer und verbessert die rechtliche Ausgangslage erheblich. Dennoch bedeutet es keineswegs das Ende aller Glyphosat-Verfahren.

Parallel verfolgt der Konzern weiterhin eine umfassende Vergleichslösung. Bereits im Februar hatte Bayer vorgeschlagen, sämtliche bestehenden und künftigen Glyphosat-Klagen mit einem Vergleich über 7,25 Milliarden US-Dollar beizulegen. Über diesen Vorschlag soll ein Gericht in St. Louis am 19. August beraten. Eine endgültige Entscheidung wird jedoch frühestens gegen Jahresende oder Anfang 2027 erwartet.

Der kräftige Kursanstieg zeigt, wie erleichtert die Anleger auf das Gerichtsurteil reagiert haben. Allerdings dürfte inzwischen bereits ein erheblicher Teil dieser positiven Entwicklung im Aktienkurs eingepreist sein.

Fundamental bleibt die operative Entwicklung entscheidend. Im ersten Quartal profitierte Bayer vor allem von einer starken Entwicklung der Agrarsparte. Im Pharmageschäft stehen die erhofften Wachstumsimpulse dagegen weiterhin aus. Positiv wirken sich die umfangreichen Kostensenkungsmaßnahmen aus, die die Profitabilität kontinuierlich verbessern. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich dieser Trend nachhaltig fortsetzt.

ℹ️ Bayer in Kürze

  • Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
  • Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
  • Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit 52,8 Milliarden € bewertet.

Bayer kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Bayer und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Bayer weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Fazit

Das Urteil des Supreme Courts stellt einen wichtigen Meilenstein, ist jedoch noch keine endgültige Lösung. Der starke Kursanstieg ist von viel Euphorie getragen.

Mittel- bis langfristig haben sich die Perspektiven für Bayer verbessert. Kurzfristig erscheint nach der starken Rally jedoch eine Konsolidierung durchaus wahrscheinlich. Anleger, die in den vergangenen Wochen hohe Kursgewinne erzielt haben, könnten daher über Teilgewinnmitnahmen nachdenken.

Ergänzend dazu: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt Bayer-Aktie: Zu viel Euphorie im Spiel?.