Kontron-Aktie: Das könnte spannend werden
Pflichtangebot sorgt für Ernüchterung
Am 10. Juni informierte der größte Aktionär Ennoconn darüber, zeitnah ein öffentliches Übernahmeangebot vorzulegen. Hintergrund ist das Überschreiten der 30%-Beteiligungsschwelle, die nach den kapitalmarktrechtlichen Vorschriften ein Pflichtangebot auslöst.
Der angebotene Preis von 23,50 € je Aktie wird in bar gezahlt. Allerdings liegt dieser sogar leicht unter dem aktuellen Börsenkurs, weshalb die Marktreaktion verhalten ausfiel.
Kontron bestätigte die Mitteilung und kündigte an, das Angebot nach Vorlage der vollständigen Unterlagen zu prüfen.
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CEO signalisiert Widerstand
Zusätzliche Brisanz erhält die Situation durch die Haltung des Managements. CEO Hannes Niederhauser erklärte bereits, seine Beteiligung von rund 2,2% nicht zu diesem Preis verkaufen zu wollen.
Auch institutionelle Investoren, die zusammen etwa 14% der Aktien halten, dürften bei einem Angebot ohne nennenswerte Übernahmeprämie wenig Verkaufsbereitschaft zeigen. Somit müsste Ennoconn vor allem auf den Streubesitz setzen.
Gerade dieser Umstand spricht dafür, dass eine tatsächliche Komplettübernahme mit dem aktuellen Preisniveau schwierig umzusetzen wäre.
Restrukturierung soll Früchte tragen
Parallel dazu befindet sich Kontron in einem umfassenden Umbauprozess. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Aktivitäten wurden bereits veräußert. So trennte sich der Konzern unter anderem von der Modul-Tochter Jumptec sowie den IT-Service-Einheiten in Ungarn und Bulgarien. Der Fokus liegt künftig vollständig auf dem margenstärkeren IoT-Geschäft.
Die Zahlen zum ersten Quartal fielen zwar etwas schwächer aus als vom Markt erwartet. Der Umsatz lag mit 364 Millionen € leicht über dem vergleichbaren Umsatz im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA lag mit 46 Millionen € geringfügig über dem Vorjahreswert mit 45 Millionen €.
Belastend wirkten Restrukturierungsaufwendungen von 8,5 Millionen € für den Stellenabbau.
Prognose bleibt bestehen
Trotz der Verkäufe von Geschäftseinheiten mit einem Umsatzvolumen von rund 75 Millionen € hält Kontron an seinen Jahreszielen fest. Für 2026 erwartet das Management: Einen Umsatz leicht über Vorjahresniveau von rund 1,6 Milliarden € sowie ein EBITDA von 225 Millionen € vor Restrukturierungskosten.
Insbesondere bei der GreenTec-Tochter laufen weitere Effizienzmaßnahmen. Dort sollen bis August 2026 rund 500 Stellen abgebaut werden. Den einmaligen Kosten von etwa 25 Millionen € stehen künftig jährliche Einsparungen von rund 30 Millionen € gegenüber.
ℹ️ Kontron in Kürze
- Die Kontron AG (WKN: A0X9EJ) ist ein weltweit tätiger Technologiekonzern. Das Unternehmen ist in den Bereichen IoT (Internet of Things) und Digitalisierung tätig und bietet Kunden Produkte und Dienstleistungen wie Smart Automation, Echtzeit-Software, Konnektivität, Datenintelligenz und KI-Anwendungen an.
- Neben dem Hauptsitz in österreichischen Linz ist der Konzern mit mehr als 24 Niederlassungen weltweit vertreten.
- Kontron ist Mitglied im Technologieindex TecDAX und an der Börse aktuell rund 1,6 Milliarden € wert.
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Fazit
Das angekündigte Pflichtangebot enttäuscht zunächst, da es keine klassische Übernahmeprämie beinhaltet. Viele Aktionäre dürften deshalb wenig Interesse an einer Annahme haben.
Sollte Ennoconn tatsächlich eine weitergehende Übernahme anstreben, spricht vieles dafür, dass der Angebotspreis noch angehoben werden müsste. Die öffentliche Ablehnung des CEO und die Zurückhaltung institutioneller Investoren erhöhen den Druck auf den Großaktionär.
Die Mehrheit der Analysten sieht die Aktie weiterhin positiv. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 28 € und damit deutlich über dem derzeitigen Kursniveau.
Einschätzung: Eine vorschnelle Annahme des Pflichtangebots erscheint aktuell wenig attraktiv. Für Anleger könnte es sinnvoll sein, die weitere Entwicklung abzuwarten.
Übrigens: KI sorgt für Disruption bei Software-Firmen. Welche Unternehmen stark betroffen sind, lest Ihr im The Unlucky Seven Report.