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OHB-Aktie +20%: Fällt die Kursrakete bald vom Himmel?

Kursverdoppelung seit Monatsbeginn
Die OHB-Aktie kennt seit Tagen kein Halten mehr. Auch am heutigen Dienstag schießt der Kurs des deutschen Raumfahrtunternehmens um +20% in die Höhe. Seit Monatsbeginn hat sich der Aktienkurs von OHB mehr als verdoppelt. Was ist da los und wie groß ist die Gefahr, dass diese Kursrakete bald vom Himmel fällt?

Ein Science Fiction-Projekt

Auslöser des heutigen Kurssprungs der OHB-Aktie ist die Bekanntgabe eines High-Tech-Rüstungs-Joint-Ventures, das sich ziemlich nach Science Fiction anhört. Genauer gesagt tritt OHB einem bestehenden JV zwischen dem deutschen KI-Rüstungsunternehmen Helsing, dem Rüstungselektronikkonzern Hensoldt und dem norwegischen Rüstungskonzern Kongsberg Defence & Aerospace als vierter Partner bei.

Gemeinsam wollen die vier Unternehmen ein softwarezentriertes, weltraumbasiertes Aufklärungs- und Zielerfassungssystem in nahezu Echtzeit entwickeln. Ziel des Systems ist es, die Verzögerung zwischen Datenerfassung und Zielbekämpfung radikal zu verkürzen und so die Bekämpfung neuer Bedrohungen zu verbessern. OHB bringt in das Joint Venture seine Kompetenz im Bereich schlüsselfertiger End-to-End-Raumfahrtsysteme für Erdbeobachtung, Kommunikation, Navigation und Aufklärung ein.

Für die Börse ist die Teilnahme an diesem Projekt zweifellos eine Art Ritterschlag, wie die heutige Kursreaktion der OHB-Aktie zeigt. Sie katapultiert das Unternehmen mitten in den extrem lukrativen Markt für KI-gestützte militärische Weltraumaufklärung.

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Ein Re-IPO

Der Treibstoff für die Kursrallye der OHB-Aktie in den letzten Wochen war jedoch die strategische Kehrtwende der Eigentümerfamilie Fuchs und des US-Finanzinvestors KKR, der 2023 Anteile am Unternehmen erwarb. Statt des ehemals geplanten vollständigen Delistings bereitet die Haupteigentümer nun ein „Re-IPO“ vor.

Es stehen eine massive Kapitalerhöhung und Aktienplatzierung im Milliardenbereich im Raum. Der Streubesitz soll drastisch auf rund 20% erhöht werden, um frisches Kapital für die globale Expansion im boomenden Verteidigungs- und Satellitensektor einzusammeln. Ein Bankenkonsortium bestehend aus den Investmentbanken Rothschild, Goldman Sachs, JPMorgan und Deutsche Bank wurde bereits mandatiert.

Ein Rekordauftragsbestand

Und nicht zuletzt trugen auch die Anfang Mai vorgestellten Quartalszahlen maßgeblich zur jüngsten Kursexplosion der OHB-Aktie bei. Der Umsatz stieg um 18% auf 271 Millionen € und das operative Ergebnis sprang um 48% auf ca. 26 Millionen € nach oben.

Am meisten dürfte die Börse allerdings der Auftragsbestand interessiert haben. Er kletterte um 45% auf 3,35 Milliarden € — ein neuer Allzeitrekord. Damit hat OHB bereits den Umsatz für die nächsten drei Jahre gesichert. Wesentliche Treiber sind Großprojekte wie die EPS-Sterna-Mikrosatellitenkonstellation sowie die ESA-Weltraumsicherheitsmission RAMSES.

Von Allzeithoch zu Allzeithoch

Die OHB-Aktie befindet sich seit vergangenem September in einer gewaltigen, in Wellenbewegungen verlaufenden Kursrallye. Ständig neue Allzeithochs bezeugen die Stärke dieser Rallye. Ein baldiges Ende ist derzeit nicht absehbar.

Bei OHB muss man eine Ausnahme machen

Ich habe die OHB-Aktie bereits im vergangenen November zum Kauf empfohlen. Seitdem hat sich der Kurs des Raumfahrtunternehmens mehr als verfünffacht — und ich sehe noch weiteres Potenzial für OHB.

Das Unternehmen ist ein unverzichtbarer Bestandteil der deutschen und europäischen Weltraumaktivitäten. Beim Thema Raumfahrt führt in Deutschland kaum ein Weg an OHB vorbei. Angesichts der Tatsache, dass sich Europa in den kommenden Jahre militärisch und auch technologisch unabhängiger von den USA machen muss, spielt diese einzigartige Positionierung von OHB eine gewaltige Bedeutung. Sie wird aus einem 1-Milliarde-Umsatz-Unternehmen in den nächsten Jahren einen Multi-Milliarden-Konzern machen.

Mit einem Forward-KGV (2027) von 86 ist die OHB-Aktie zwar extrem ambitioniert bewertet. Normalerweise rate ich Anlegern bei derart hohen Bewertungsniveaus von einem Einstieg in eine Aktie ab.

Bei der OHB-Aktie will ich aber eine Ausnahme machen. Sie ist meiner Überzeugung nach einer der gegenwärtig spannendsten deutschen Technologiewerte. Und das wird in den kommenden Jahren auch so bleiben.

Abschließend: Wir halten Dich bei OHB und der Weltraumbranche auf dem Laufenden. Abonniere dazu einfach unseren kostenlosen SD Insider Newsletter.

ℹ️ OHB in Kürze

  • Die OHB SE (WKN: 593612) mit Sitz in Bremen ist ein deutscher Luft- und Raumfahrtkonzern, der in den beiden Geschäftsfeldern Space Systems und Aerospace aktiv ist.
  • Im Bereich Space Systems entwickelt und produziert OHB Satelliten und sonstige Raumfahrtsysteme.
  • Im Segment Aerospace ist das Technologieunternehmen in der Produktion von Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie aktiv, darunter Trägerraketen, Raumfahrzeuge und Flugzeuge.
  • Mehrheitseigentümer von OHB ist die Gründerfamilie Fuchs. Seit 2024 ist die amerikanische Investmentfirma KKR im Besitz eines Minderheitsanteils.
  • OHB notiert an der Frankfurter Börse und ist ca. 11,0 Milliarden € wert.

Fazit

OHB hat sich von einem unscheinbaren Satellitenbauer für zivile Forschungsgroßprojekte zu einem hochprofitablen Key-Player in der militärischen Raumfahrt und Verteidigungstechnologie gewandelt. Ich glaube nicht, dass diese Kursrakete so bald vom Himmel fallen wird. Kluge Anleger nutzen trotzdem Kursrücksetzer, die sich bei OHB immer ergeben, für einen Einstieg.