Hormus-Hedge: Das sind die sicheren Häfen
Die Lage im Nahen Osten hat sich über das vergangene Wochenende dramatisch zugespitzt, was die Märkte zu Beginn der Handelswoche nervös reagieren ließ. Viele Titel notieren deshalb in der Verlustzone. Jedoch nicht die Ölförderer und Energieversorger – sie stechen aus dem Meer roter Zahlen hervor. Besteht weiteres Aufwärtspotenzial – und wenn ja, wer bietet es?
Warum Ölförderer aus den USA genau jetzt profitieren
Berichten zufolge gab es massive Angriffe auf strategische Infrastruktur in der Nähe der Straße von Hormus. Da durch diese Meerenge fast 20% des weltweiten Erdölverbrauchs transportiert werden, führt das zu Panikkäufen bei Öl-Zertifikaten, wodurch Öl-ETCs (Exchange Traded Commodities), die den Rohölpreis abbilden, als Erstes nach oben schießen.
Langfristige Profiteure von steigenden Ölpreisen sind aber US-amerikanische Ölförderer wie Vista Energy und Occidental Petroleum. Letzterer ist auch eine begehrte Position von Berkshire Hathaway (sie halten knapp 29%).
Diese Firmen fördern einen Großteil ihres Öls auf dem amerikanischen Kontinent (USA und Argentinien). Sie sind also geografische Gewinner, denn sie profitieren vom hohen Weltmarktpreis, ihre eigene Förderung ist aber physisch nicht durch die Unruhen im Nahen Osten bedroht. Dadurch schaffen sie es, hohe Cashflows zu generieren und können somit Schulden abbauen oder in neue, effiziente Maschinen investieren.
Warren Buffetts Liebling
Occidental Petroleum nutzt diesen Cashflow aktuell massiv, um Schulden abzubauen und eigene Aktien zurückzukaufen – genau das, was Anleger lieben. Die Nachricht über den im Januar abgeschlossenen Verkauf der Chemiesparte (OxyChem) an Berkshire Hathaway für rund 9,7 Milliarden US$ wirkt fundamental nach. Das Unternehmen ist nun schlanker und fokussiert sich voll auf die Ölförderung und das CO₂-Management.
Die Aktie ist seit Jahresbeginn um fast +40% gestiegen. Analysten stufen sie aktuell eher als „Hold” ein, da die Bewertung durch den Krieg im Nahen Osten bereits einen hohen Risikoaufschlag enthält.
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Ein heller Stern am Öl-Himmel
Vista Energy ist ein Sonderling, da ihnen das Schieferölfeld Vaca Muerta in Argentinien gehört. Das gilt als eines der größten unerschlossenen Vorkommen außerhalb der USA und außerhalb der Krisenregionen. Gerade weil der Transportweg über die Straße von Hormus unsicher ist, genießen sie eine hohe Nachfrage.
Vista bohrt heute deutlich schneller und längere horizontale Abschnitte als noch vor zwei Jahren, was die Produktivität pro Bohrloch massiv erhöht hat. Das spiegelt sich auch in deren Wachstumszielen: Das Unternehmen hat gerade seine Ziele bestätigt. Bis 2028 soll die Produktion auf 180.000 Barrel Öläquivalent pro Tag (boe/d) steigen, mit der Vision von 200.000 boe/d bis 2030. Zum Vergleich: Ende 2025 lag die Produktion bei ca. 135.000 boe/d – das ist ein massiver Wachstumspfad.
Die Förderkosten liegen aktuell bei beeindruckenden 4,40 US$ pro Barrel (die Hälfte der Förderkosten von Occidental Petroleum) – das ist Weltklasse-Niveau und es wird noch besser. Vista plant, zwischen 2026 und 2028 einen freien Cashflow (Free Cash Flow) von jährlich 1,5 Milliarden US$ zu generieren.
Ein guter Einstiegszeitpunkt bei Vista Energy?
Der Aktienkurs von Vista Energy ist in den letzten 6 Monaten um rund +87% gestiegen. Fast 100% der beobachtenden Analysten (darunter Schwergewichte wie J.P. Morgan, UBS und Goldman Sachs) raten zum Kauf. Bei einem aktuellen Kurs von 56,70 € liegt das durchschnittliche Kursziel der Analysten mit 70 € deutlich darüber.
Trotz des jüngsten Kursanstiegs liegt das erwartete KGV von Vista nur bei ca. 5,6. Im Vergleich zu US-Werten wie Occidental (erwartetes KGV bei ca. 12-13) ist Vista oft noch mit einem „Argentinien-Abschlag“ bewertet, was für Value-Investoren Potenzial bietet.
Ein klares Signal aus Argentinien
So sicher wie die Panikkäufe bei erneuten Unruhen sind, so sicher sind auch die darauf folgenden Abverkäufe. Anleger schichten aktuell massiv von "Risiko-Werten" (Wachstumsaktien ohne Gewinne) in "Cashflow-Werte" (Öl- und Rohstofffirmen) um, da diese in einem inflationären, kriegerischen Umfeld als wertstabiler gelten. Diese Umschichtung ist jedoch weniger fundamentaler Art und kann sich daher schnell wenden.
Vista Energy ist für mich dennoch einen näheren Blick wert aufgrund des wertvollen Schieferölfelds Vaca Muerta mit seinem hohen Vorkommen an Öl und Gas. Und nicht zuletzt wegen ihrer Effizienz bei der Förderung, die jede Konkurrenz schlägt. Das KGV scheint mir sehr attraktiv zu sein und im Hinblick auf die Veröffentlichung der Quartalszahlen am 29. April 2026 könnte jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt sein.
Für wen es noch ein bisschen mehr Rohstoff-Upside sein darf, der kann gerne unseren kostenlosen Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ reinlesen.