RWE-Aktie: Ist der starke Kursanstieg nachhaltig?

Profiteur des Iran-Konflikts

Die RWE-Aktie befindet sich seit August letzten Jahres in einem starken Aufwärtstrend. Allein seit Jahresanfang beträgt der Kursgewinn rund +28%. Am Dienstag verliert sie aktuell leicht und steht bei rund 59 €. Damit befindet sich die Aktie des Stromerzeugers auf einem Mehrjahreshoch. Was könnte jetzt ratsam sein?

RWE Offshore wind power and energy farm with many wind turbines on the ocean. Sustainable electricity production
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Iran-Krieg treibt die Energiepreise

Der Krieg im Iran führte zu hohen Preisanstiegen bei Erdöl und Gas. Sollte der Krieg weiter eskalieren, dürften sich die Anstiege fortsetzen. In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch läuft ein wichtiges US-Ultimatum ab. Hier kann sich kurzfristig zeigen, wie es weitergeht.

Die Strompreise sind zwar nicht unmittelbar von dem Konflikt betroffen. Allerdings gilt das Merit-Order-System. Das bedeutet, dass der Strompreis sich immer am teuersten Wert, der für die Stromerzeugung verwendeten Energieträger richtet. Das ist momentan der Gaspreis für die entsprechenden Kraftwerke. Der Preis ist seit Ende Februar um 65% gestiegen – somit steigen mittelfristig auch die Strompreise.

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Optimistisch für 2026 und danach

Nachdem das vergangene Geschäftsjahr aus Unternehmenssicht gut gelaufen ist, wird mit einer Fortsetzung der positiven Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr gerechnet. Im letzten Geschäftsjahr wurden alle Prognosewerte im oberen Bereich erreicht. Dass sie dennoch unter den Werten des Vorjahres lagen, beruhte auf den gesunkenen Strompreisen.

Für das laufende Geschäftsjahr gibt der Konzern sich zuversichtlich. Das bereinigte EBITDA soll sich von 5,1 Milliarden € im Vorjahr auf 5,2 bis 5,8 Milliarden € erhöhen. Beim Gewinn pro Aktie (EPS) steht ein Anstieg von 2,50 auf 2,55 € auf dem Zettel.

In den Jahren danach soll es stetig aufwärtsgehen. Das EPS 2027 soll auf 3,05 € steigen und 2031 bei 4,40 € liegen. Gleiches gilt für das bereinigte EBITDA. Um die mittelfristigen Ziele zu erreichen, sind in den nächsten fünf Jahren Investitionen von 35 Milliarden € vorgesehen. 17 Milliarden € davon fließen in Investitionen in den USA. Der Strombedarf in den USA wird in den nächsten Jahren deutlich steigen. Mitverantwortlich hierfür sind neue KI-Rechenzentren.

Was bedeutet das für die Aktie?

In dem starken Kursanstieg, insbesondere seit Jahresanfang, sind aus meiner Sicht viele positive Faktoren eingepreist. Sollte der Krieg weiter eskalieren, dürfte das zu weiter steigenden Preisen führen. Hiervon profitiert dann RWE. Ein Großteil der Stromerzeugung erfolgt durch Wind- und Solaranlagen. Die Erzeugungskosten aus diesen Anlagen bleiben stabil. Steigen die Strompreise, erhöht sich die Gewinnmarge aus erneuerbarem Strom. Mittelfristig gehen die Energiepreise wieder zurück, das zeigte sich auch im Ukraine-Krieg.

Ich halte das weitere Kurspotenzial für begrenzt, auch wenn kurzfristig Kurse über 60 € möglich sind. Wer hohe Kursgewinne erzielte, sollte gelegentlich über Mitnahmen oder Teilmitnahmen nachdenken. Dann stehen wieder Mittel zur Verfügung, um bei stärkeren Kursrückgängen erneut einzusteigen. Die aktuelle Dividendenrendite von rund 2% ist zwar noch gut, allerdings ist sie durch den hohen Kursanstieg entsprechend gesunken. Die Dividende soll von 1,10 € auf 1,20 € steigen.

Die Analysten halten das Kurspotenzial mehrheitlich ebenfalls für begrenzt. JP Morgan ist mit ihrem Zielkurs von 65 € noch am optimistischsten. RBC sieht den fairen Wert bei 62,50 €. Bernstein Research hält die Aktie mit ihrem Zielkurs von 57 € für leicht überbewertet.

Mein Fazit: Ein Einstieg auf dem jetzigen Niveau ist wenig ratsam. Gewinnmitnahmen könnten dagegen ratsam sein.

Hier sei erwähnt: Wer 2026 von kontinuierlichen Cashflows und gleichzeitig von Kursexplosionen profitieren möchte, findet in Top 10 Dividenden Picks 2026 zehn breit gestreute Top-Picks über verschiedene Sektoren und Regionen.

ℹ️ RWE in Kürze

  • RWE (WKN: 703712) ist einer der führenden internationalen Energieproduzenten in Europa. Das Kerngeschäft ist die Stromerzeugung, wobei der Wandel hin zu erneuerbarer Stromerzeugung massiv vorangetrieben wird.
  • Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält der Konzern Niederlassungen in Europa den USA sowie in Asien.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei knapp 44 Milliarden €.
 
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