Amazon-Aktie: Neues Feuer im Satelliten-Krieg
Amazon greift nach den Sternen: Die mögliche Übernahme des Satelliten-Spezialisten Globalstar rückt die Amazon-Aktie in ein völlig neues Licht. Mit diesem strategischen Anker im All könnte der Konzern sein globales Netzwerk komplettieren. Wer glaubt, Amazon sei nur ein Versandhaus, verkennt die disruptive Kraft dieses Deals. Könnte diese Akquisition die Bewertung des Tech-Giganten fundamental verändern?
Ein Tech-Schachspiel
Amazon verfolgt mit seinem Projekt „Leo“ (früher Project Kuiper) das Ziel, Starlink Konkurrenz zu machen und ein eigenes Satellitennetzwerk zu bauen. Doch Amazon hinkt zeitlich hinterher, denn ursprünglich sollte der Betrieb noch im Laufe des Jahres 2026 starten.
Um voranzukommen, bereitet Amazon jetzt ein Übernahmeangebot für den US-amerikanischen Satellitenbetreiber Globalstar in Höhe von 9 Milliarden US$ vor. Globalstar soll als strategischer Beschleuniger für das gesetzte Ziel dienen, aber vor allem Amazons Infrastruktur vervollkommnen – von einem Online-Händler in einen der mächtigsten Telekommunikations-Konzerne der Welt.
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Das Geheimnis von Globalstar – und warum Amazon es will
Globalstar hat eine Besonderheit, die den Betreiber so wertvoll macht. Globalstar besitzt wertvolle Lizenzen für Funkfrequenzen, die bereits weltweit für die Kommunikation zugelassen sind. Anders als bei Starlink, brauchen sie sich keine Genehmigung in jedem Land einzuholen, was eine Menge bürokratischer und kostenaufwendiger Hürden spart.
In der Welt der Satelliten ist dieses sogenannte Spektrum von Globalstar der Schlüssel zu einer direkten Verbindung zum Smartphone (D2D), ohne dritte Instanzen wie beispielsweise eine Satellitenschüssel. Anders formuliert ist das der „Heilige Gral“ für den Massenmarkt.
Enorme Umsatzskalierung möglich
Amazon hat bereits Verträge mit Airlines wie Delta und JetBlue für Bord-Internet abgeschlossen. Globalstar kann hier sofortige Kapazitäten liefern, um diese Verträge ab 2027/2028 erfüllen zu können. Klappt es gut, warten weitere Aufträge, also mehr Umsatz. Zu den potenziellen Vorteilen gehören außerdem:
- Amazon kann Prime-Mitgliedern exklusive Satelliten-Features (Notruf, Messaging, Tracking) anbieten. Das erhöht die Kundenbindung und rechtfertigt künftige Preiserhöhungen.
- Mit eigenem Satelliten-Spektrum kann Amazon seine Lieferflotte, Drohnen und autonomen Lieferroboter weltweit in Echtzeit steuern, ohne auf teure Drittanbieter-Netze angewiesen zu sein.
- Amazon kann Mobilfunktarife aggressiv unterbieten oder als Bundle anbieten. Das erschließt einen Milliardenmarkt, der bisher für Amazon verschlossen war.
Wie eine Raupe zum Schmetterling wird, verwandelt sich Amazon von einem zyklischen Online-Händler in einen antizyklischen Infrastruktur-Dienstleister. Gesurft wird schließlich immer.
Das alles entscheidende Aber
Apple hält rund 20% an Globalstar und hat sich 85% der Netzwerkkapazität für seine Notruffunktionen gesichert. Damit hat das Unternehmen die sogenannte Veto-Macht und womöglich herrschen weitere Klauseln im Vertrag, die eine Übernahme erschweren. Ohne Apples Segen ist der Deal kaum zu realisieren. Amazon muss ausgerechnet mit seinem größten Konkurrenten in den Ring steigen, um die Chance auf die Globalstar-Integration zu wahren.
Dass die Hürden hoch hängen, zeigen die Quoten auf Wettplattformen wie Polymarket und Kalshi. Hier setzen Marktteilnehmer aktuell nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 34% bis 38% auf ein Zustandekommen des Deals. Die Quoten sind gefallen, seit bekannt wurde, wie tief Apple in den Verträgen verwurzelt ist.
Ist die mögliche Übernahme bereits eingepreist?
Mit einem Preis von rund 182 € pro Aktie und einem erwarteten KGV von 27 ist diese mögliche Übernahme noch nicht eingepreist. Dass der Markt dem Deal skeptisch gegenübersteht, zeigt der fast regungslose Aktienkurs. Für Anleger bleibt die Übernahme vorerst eine Spekulation mit ungewissem Ausgang.
Ein Investment in Amazon bleibt eine Überlegung wert, selbst wenn der Titel derzeit nicht günstig erscheint. Die strategische Neuausrichtung hin zum globalen Infrastruktur-Provider lässt vermuten, dass die aktuelle Marktkapitalisierung erst der Anfang einer weitaus größeren Wachstumsgeschichte ist.
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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Siemens. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
ℹ️ Amazon in Kürze
- Amazon (WKN: 906866) mit Hauptsitz in Seattle im US-Bundesstaat Washington ist ein global agierender Online-Versandhändler mit einer breit gefächerten Produktpalette.
- Neben seiner marktführenden Position im E-Commerce ist Amazon über seine Sparte Web Services auch der weltweit größte Anbieter von Cloud Computing-Diensten.
- Amazon notiert im Nasdaq 100 sowie im S&P 500 Index und ist mit einem aktuellen Börsenwert von ca. 2,28 Billionen US$ eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.