Zoom-Aktie: Die vergessene Tech-Perle?

Besser als der Kursverlauf

Die zu Corona-Zeiten massiv gehypte Aktie von Zoom Communications findet in hiesigen Anlegerkreisen gefühlt kaum noch Beachtung. Trotz moderater Wachstumsraten verfügt das Unternehmen über eine außergewöhnlich solide Bilanz und mehrere strategische Optionen, die langfristig zusätzlichen Wert schaffen könnten.

Zoom Communications
stock.adobe.com/Peeradontax, KI-generiert

Mehre Gründe sprechen aktuell für die Zoom-Aktie. Der Anbieter von Videokonferenzen verfügt über eine starke finanzielle Ausgangslage, die in einem unsicheren makroökonomischen Umfeld Stabilität bieten kann. Gleichzeitig eröffnet die Beteiligung am KI-Unternehmen Anthropic zusätzliches Potenzial, falls der Boom rund um künstliche Intelligenz weiter anhält.

Aktuelle Geschäftslage

Das vierte Quartal blieb leicht hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Zwar übertraf der Umsatz die Prognosen geringfügig, beim bereinigten Gewinn je Aktie wurden die Schätzungen jedoch verfehlt. Regional zeigte sich ein moderates Wachstum: Die Erlöse stiegen in Nord- und Südamerika um sechs Prozent, in der EMEA-Region um fünf Prozent und im asiatisch-pazifischen Raum um drei Prozent.

Für das Geschäftsjahr 2026 ergab sich insgesamt ein Umsatzanstieg von 4,4 Prozent. Besonders das Unternehmenskundengeschäft entwickelte sich mit einem Wachstum von 6,5 Prozent dynamischer. Gleichzeitig verbesserte Zoom seine Margen und steigerte den freien Cashflow um 6,4 Prozent auf rund 1,9 Milliarden US-Dollar, was einer Marge von 38,8 Prozent entspricht.

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Prognose: Umsatz über fünf Milliarden Dollar

Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet das Management erstmals einen Jahresumsatz von mehr als fünf Milliarden US-Dollar. Die Prognose liegt zwischen 5,065 und 5,075 Milliarden Dollar und damit etwa 4,15 Prozent über dem Vorjahr. Beim Gewinn je Aktie wird eine Spanne von 5,77 bis 5,81 Dollar in Aussicht gestellt.

Der freie Cashflow soll zwischen 1,7 und 1,74 Milliarden Dollar liegen. Der erwartete Rückgang gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf makroökonomische Faktoren zurückzuführen. Dazu zählen niedrigere Zinserträge, Sondereffekte aus höheren Zahlungseingängen im Vorjahr sowie der Wegfall eines großen Wettbewerbers, der zuvor eine White-Label-Lösung genutzt hatte.

Hinzu kommen zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur. Rund 75 Millionen Dollar fließen in eine Modernisierung der US-Rechenzentren im Zuge eines turnusmäßigen Erneuerungszyklus nach der Pandemie.

Das Management betont zugleich seine strategische Ausrichtung auf eine Plattform, die stark von künstlicher Intelligenz geprägt sein soll. Neben Verbesserungen bei Videokonferenzen und dem Wachstum der Telefonie-Lösung sollen insbesondere neue KI-basierte Anwendungen zusätzliche Einnahmequellen erschließen.

Außergewöhnlich starke Bilanz

Ein entscheidender Vorteil von Zoom ist die außergewöhnlich solide Bilanz. Das Unternehmen verfügt über keinerlei Schulden und hält rund 7,82 Milliarden Dollar an Bargeld, kurzfristigen Anlagen und marktfähigen Wertpapieren. Damit entspricht die Liquidität etwa 34 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung von rund 22,9 Milliarden Dollar.

Diese Finanzstärke eröffnet erhebliche strategische Möglichkeiten. Das Kapital könnte in wachstumsstärkere Geschäftsfelder investiert werden und damit höhere Renditen erzielen als die derzeit rund 317 Millionen Dollar an jährlichen Zinserträgen.

Auch Akquisitionen spielen eine Rolle in der Unternehmensstrategie. Nachdem eine geplante Übernahme von Five9 im Jahr 2021 scheiterte, setzte Zoom verstärkt auf kleinere Zukäufe. Dazu gehörten unter anderem BrightHire, Bonsai und Instamic im Jahr 2025, die zur Erweiterung des eigenen Ökosystems beitragen sollen.

Parallel dazu treibt das Unternehmen Aktienrückkäufe voran. In den Jahren 2024 und 2025 wurden insgesamt rund 2,7 Milliarden Dollar für Rückkäufe eingesetzt. Zudem wurde das Programm kürzlich um weitere eine Milliarde Dollar aufgestockt. Ziel ist unter anderem, Verwässerungseffekte durch aktienbasierte Vergütungen auszugleichen, deren Volumen bereits deutlich gesunken ist.

KI-Beteiligung mit erheblichem Potenzial

Eine der interessantesten strategischen Optionen liegt in der Beteiligung an Anthropic. Zoom investierte ursprünglich rund 51 Millionen Dollar in das Unternehmen und hält nach Schätzungen heute weniger als ein Prozent der Anteile.

Trotz des kleinen Anteils könnte der Wert dieser Beteiligung erheblich sein. Einige Analysten sehen die Beteiligung inzwischen zwischen zwei und vier Milliarden Dollar wert. Hintergrund ist der massive Bewertungsanstieg von Anthropic, dessen Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Dollar zum Zeitpunkt der Investition auf etwa 350 Milliarden Dollar gestiegen sein soll.

Diese Beteiligung entstand im Zuge einer Partnerschaft zur Integration der KI-Modelle der Claude-Reihe in Zooms Plattform. Gerade hochwertige KI-Modelle könnten langfristig eine wichtige Rolle dabei spielen, Nutzer zu gewinnen oder zumindest zu halten.

Zwar verfügt Zoom nicht über einen klaren technologischen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern wie Google oder Microsoft. Doch KI-gestützte Funktionen wie der AI Companion könnten die Attraktivität der Plattform erhöhen.

Stabilität durch hohe Liquidität

Die große Cash-Position bietet nicht nur strategische Optionen, sondern wirkt auch stabilisierend. Während geopolitische Spannungen und steigende Rohstoffpreise im März viele Aktien unter Druck setzten, blieb der Kurs von Zoom vergleichsweise stabil.

Selbst in einem ungünstigen Szenario mit schwächerem Kerngeschäft bleibt die hohe Liquidität ein wichtiger Puffer. Die Zinseinnahmen aus den vorhandenen Mitteln liegen bereits heute bei über 300 Millionen Dollar jährlich.

Sollten die Zinsen länger hoch bleiben, könnte Zoom davon sogar profitieren. Gleichzeitig würde ein Umfeld höherer Finanzierungskosten die Möglichkeit eröffnen, andere Unternehmen günstiger zu übernehmen und so das eigene Geschäft auszubauen.

Umgekehrt könnte eine wirtschaftliche Erholung ebenfalls positive Effekte haben. Sinkende Finanzierungskosten und steigende Nachfrage nach digitalen Kommunikationslösungen würden das Wachstum unterstützen. In diesem Fall könnte das Unternehmen seine Liquidität auch für größere strategische Investitionen einsetzen.

Angesichts der starken Bilanz und der KI-Beteiligung wird Zoom zudem gelegentlich selbst als potenzielles Übernahmeziel betrachtet. Selbst wenn das Kerngeschäft nur moderate Wachstumsraten erreicht, generiert es weiterhin solide Cashflows.

Wettbewerbsdruck bleibt hoch

Trotz dieser Stärken steht Zoom weiterhin unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Große Technologiekonzerne verfügen über deutlich mehr Ressourcen und können erfolgreiche Funktionen relativ schnell kopieren oder in ihre eigenen Plattformen integrieren.

Besonders Anbieter wie Google und Microsoft verfügen über umfangreiche KI-Kapazitäten und große Entwicklerteams. Dadurch bleibt es für Zoom schwierig, sich dauerhaft klar zu differenzieren.

Strategische Anpassungen könnten daher notwendig sein. Ein stärkerer Fokus auf neue Produktbereiche oder Plattformlösungen wäre eine mögliche Option, allerdings nicht ohne Risiken.

Bewertungsmodell zeigt moderates Aufwärtspotenzial

Eine vereinfachte Discounted-Cashflow-Berechnung auf Basis der Unternehmensprognosen liefert ebenfalls ein interessantes Bild. Ausgangspunkt ist ein erwarteter freier Cashflow von rund 1,72 Milliarden Dollar für 2026. Nach Abzug der Zinserträge ergibt sich ein bereinigter Wert von etwa 1,4 Milliarden Dollar.

Unter der Annahme eines moderaten Wachstums von vier Prozent pro Jahr in den ersten fünf Jahren und drei Prozent in den darauffolgenden fünf Jahren ergibt sich bei einer langfristigen Wachstumsrate von 2,5 Prozent ein Unternehmenswert von rund 19,9 Milliarden Dollar.

Unter Berücksichtigung der Netto-Liquidität von 7,82 Milliarden Dollar ergibt sich ein Eigenkapitalwert von etwa 27,7 Milliarden Dollar. Daraus resultiert ein rechnerischer Aktienkurs von rund 90 Dollar je Aktie und damit über dem aktuellen Kursniveau von etwa 78 Dollar.

Dabei ist der mögliche Wert der Anthropic-Beteiligung noch nicht vollständig berücksichtigt. Selbst bei einer konservativen Bewertung von zwei Milliarden Dollar könnte der theoretische faire Wert der Zoom-Aktie auf rund 97 Dollar steigen.

Fazit

Die Aktie von Zoom Communications kombiniert ein weiterhin profitables Kerngeschäft mit einer außergewöhnlich starken Bilanz. Die hohe Liquidität und die Beteiligung an Anthropic eröffnen zusätzliche strategische Möglichkeiten.

Risiken bleiben vorhanden, insbesondere durch starken Wettbewerb im Bereich digitaler Kommunikationsplattformen. Dennoch deutet die Bewertung darauf hin, dass der Markt das langfristige Potenzial des Unternehmens derzeit möglicherweise unterschätzt.

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ℹ️ Zoom in Kürze

  • Zoom Video Communications ist ein US-Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San José, das Software für Videokonferenzen anbietet.
  • Die 2011 gegründete Firma erlebte im Zuge der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 ihren weltweiten Durchbruch.
  • Zoom ist im US-Technologieindex Nasdaq gelistet und hat aktuell einen Börsenwert von rund 23 Milliarden US$.
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