Commerzbank-Aktie: Wo liegt der Mehrwert?

Kopfschütteln in Frankfurt

Richtige Freude kommt bei den Aktionären der Frankfurter Großbank nicht auf. Die Commerzbank-Aktie konnte sich nach der Ankündigung einer Übernahme zwar berappeln, liegt jedoch deutlich weiter unter dem Hoch Anfang des Jahres mit 36,50 €. Am Mittwoch gewinnt sie aktuell +2,6% und steht bei 32,50 €. Was ist jetzt ratsam?

Commerzbank
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Rückblick auf die Situation

Um die aktuelle Situation zu bewerten, ist ein kurzer Rückblick sinnvoll. 2024 übernahm die UniCredit einen Anteil aus dem deutschen Staatsverkauf. Gleichzeitig stockte sie ihren Anteil durch weitere Käufe und baute ihren Anteil bis knapp unter 30% aus.

Die Commerzbank unter der Leitung von Bettina Orlopp wehrt sich gegen eine Übernahme und trimmt die Bank auf Rendite. Auch seitens des zweiten Großaktionärs Deutschland besteht momentan wenig Freude an einer Übernahme der Bank; sie wird als systemrelevant bezeichnet.

Übernahmeangebot vorgelegt

Am 16. März verkündete die italienische Großbank dann ein Übernahmeangebot. Erste Details wurden dabei genannt. Die Übernahme soll im Rahmen eines Aktientauschs erfolgen. Für jede Aktie der Commerzbank erhalten die Anteilseigner 0,485 neue Aktien der UniCredit. Anfang Mai soll auf der Hauptversammlung der UniCredit die Kapitalerhöhung für die Übernahme beschlossen werden. Dann soll das Angebot formal beginnen.

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Unverständnis bei der Commerzbank

Seitens der deutschen Großbank besteht wenig Verständnis für das Übernahmeangebot und es wird mit "Kopfschütteln" bewertet. Das Hauptargument ist, dass es keinen Aufschlag auf den jetzigen Aktienkurs beinhaltet. Rechnerisch entspricht das aktuell einem Übernahmepreis von rund 30,50 €.

Es wird auch angeführt, dass keine Klarheit über die Ziele der Übernahme vorliegt. Wo soll der Mehrwert für die Commerzbank, deren Aktionäre und Kunden liegen? Die Ankündigung, die Kosten-Ertrags-Relation auf 35% (2026 wird ein Wert von 54% angestrebt) zu reduzieren, stößt auf Irritationen.

Das geht nur, wenn deutlich höhere Erträge generiert werden. Das ist jedoch wegen der Kundenüberlappung kaum möglich. Eine zweite Möglichkeit ist ein drastischer Stellenabbau. Laut Unternehmensangaben entspricht das einem Abbau von rund zwei Dritteln des aktuellen Personalbestandes. Die deutsche Großbank würde zu einer Niederlassung in Deutschland mutieren.

Die Commerzbank gibt laut eigenen Angaben gesprächsbereit; allerdings müsse der CEO Orcel seine Pläne konkretisieren.

Die Vorstandsvorsitzende Orlopp kommentierte das so:

Bis heute sind wir im Unklaren, was Unicredit eigentlich will. Wenn jemand anklopft und sagt: „Ich habe eine Idee“, dann darf man doch erwarten, dass er auch sagt, wie die Idee aussieht.

Was bedeutet das für die Aktie?

Sollte es bei diesem Übernahmeangebot bleiben, ist das aus Sicht der Commerzbank-Aktionäre wenig lukrativ. Auch für den Großaktionär Deutschland ist das Angebot wenig interessant. Sollte ein großer Stellenabbau kommen, gerät die Bundesregierung bei Annahme unter Erklärungsdruck.

Jetzt ist die UniCredit am Zuge. Sie sollte ihre Vorstellungen klar erläutern. Um die Übernahme erfolgreich zu vollziehen, muss sie das Übernahmeangebot deutlich verbessern.

Mein Fazit: Aktionäre der Commerzbank sollten vorerst abwarten. So macht eine Annahme des Angebotes wenig Sinn.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

ℹ️ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit rund 36,6 Milliarden € bewertet.
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