Ölpreis: Droht jetzt der 150-US$-Schock?
Der Ölmarkt ist weiter außer Rand und Band. Die Preise für Brent und WTI gehen seit Beginn des Iran-Krieges durch die Decke und überwanden zum Auftakt in die neue Woche erstmals seit 2022 wieder die Marke von 100 US$ pro Barrel. Doch könnten die Preise schlussendlich vielleicht noch viel höher steigen?
Höchstes Preisniveau seit 2022
Die Krise im Nahen Osten und die explodierenden Ölpreise halten die Märkte weiterhin in Atem. Zum Start in die neue Woche stiegen die Rohöl-Futures in der Spitze um fast +30% auf Preise von knapp 120 US$. Es handelt sich um einen der größten Preissprünge in der Geschichte des schwarzen Goldes und schürt Sorgen vor einer neuen Inflationsspirale.
Zur Stunde handelt die für Europa relevante Nordseesorte Brent auf Tagesbasis mit etwas über +10% im Plus bei 103,10 US$ je Barrel, das für den amerikanischen Markt maßgebliche Rohöl der Referenzsorte WTI notiert ebenfalls +10% höher bei 101 US$. Seit Beginn des Krieges betragen die Aufschläge +40% (Brent) bzw. +50% (WTI).
Übrigens: Gewisse Rohstoffe entwickeln sich zur geheimen Währung der Rüstungsindustrie – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ stellt zwei Aktien vor, die davon massiv profitieren werden.
Straße von Hormus als Brennpunkt
Hauptsorge des Marktes ist eine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus. Durch die Meerenge im Persischen Golf fließen in Friedenszeiten rund 20% des weltweit gehandelten Öls, doch der Iran hat angekündigt, Tanker in Brand zu setzen, sofern diese die Wasserstraße passieren.
Dies hat zu einem vollständigen Erliegen der dortigen Öltransporte geführt und gleichzeitig Ölförderstaaten in der Golfregion zu einem Produktionsstopp gezwungen. Der Energieminister von Katar warnt davor, dass der Ölpreis bis auf 150 US$ klettern könnte, falls sämtliche Förderstaaten in der Region ihre Produktion einstellen.
Und: Das US-Beratungsunternehmen Rapidan Energy Group spricht bereits von der „größten Störung der Ölversorgung in der Geschichte“.
Unterdessen versucht US-Präsident Donald Trump die angespannte Situation mit Durchhalteparolen zu entschärfen.
Auf seiner Plattform TruthSocial schrieb er:
Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt.
Und ergänzte auf seine eigene Art:
NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!
Zwischenwahlen im Blick
Dauerhaft erhöhte Öl- und Gaspreise, die sich entsprechend bei den Verbrauchern zeigen, könnten für Trump mit Blick auf die Zwischenwahlen im Herbst allerdings zu einem großen Problem werden. Daher gehen viele Marktbeobachter weiterhin von einer zeitlich begrenzten militärischen Operation aus.
Um die Situation am Ölmarkt zu entspannen, könnten nun strategische Ölreserven freigegeben werden. Laut einem Bericht der Financial Times haben bereits drei G7-Länder ihre Unterstützung dafür bekundet. Weiter heißt es, dass die Internationale Energieagentur (IEA) die Freigabe koordinieren solle. Ob es dazu kommt und wie die Auswirkungen auf den Ölpreis sind, bleibt abzuwarten.
Was bedeutet das für den Ölpreis?
Ölinvestments haben sich in den vergangenen Tagen als starker Hedge gegenüber den Verwerfungen an den Aktienmärkten erwiesen.
Doch durch den parabolischen Anstieg präsentieren sich Brent und WTI inzwischen stark überkauft, was bei entsprechenden Entspannungssignalen zu deutlichen Korrekturen führen könnte. Letztlich dürfte die Situation am Energiemarkt aber angespannt bleiben, solange die Straße von Hormus gesperrt bleibt.
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