Bayer-Aktie: Ein potenzieller Übernahmekandidat?

Eine Analyse

Der Jubel über einen möglichen Vergleich beim Glyphosat-Rechtsstreit währte nur sehr kurz. Seit dem Hoch von knapp 50 € ging der Kurs wieder gewaltig zurück. Am Dienstag gewinnt die Bayer-Aktie aktuell leicht und steht bei 42,70 €. Ist Bayer ein potenzieller Übernahmekandidat?

Whippany, New Jersey, USA - August 16, 2022: Bayer HealthCare U.S. headquarters in Whippany, New Jersey, August 16, 2022. Bayer AG is a German pharmaceutical company.
stock.adobe.com/JHVEPhoto

Attraktive Bewertung

Der Gesamtkonzern wird bei einem erwarteten Umsatz von etwa 46 Milliarden € aktuell mit 42 Milliarden € bewertet. Im letzten Jahr wurden 46,6 Milliarden € erzielt. Die Spartenaufteilung fiel wie folgt aus: In der Sparte Crop Sciences lag er bei 22 Milliarden €, in der Pharma-Sparte bei 18 Milliarden € und der Rest von rund 6 Milliarden € resultierte aus der Einheit Consumer Health.

Insgesamt ist der Unternehmenswert sehr moderat. Die Ursachen hierfür sind die hohen Risiken aus den Glyphosat-Rechtsfällen sowie aus den hohen Finanzschulden. Diese resultieren überwiegend aus der Übernahme von Monsanto.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellen Entwicklungen bei Bayer informiert.

Potenziell Übernahmeinteressenten

In der jetzigen Konzernstruktur dürfte die Anzahl der potenziellen Interessenten überschaubar sein. Kein reiner Pharmakonzern übernimmt einen Konzern mit einer landwirtschaftlichen Sparte.

Bei Finanzinvestoren sieht es ganz anders aus. Diese betrachten die Werthaltigkeit der jeweiligen Sparte. Das Problem beim Bayer-Konzern ist die Sparte Crop-Science. Finanzinvestoren könnten diese ausgliedern. Ebenfalls konnte das Consumer Health-Geschäft als eigenständige Einheit abgespalten werden. Dann kämen ein Verkauf oder ein Börsengang in Betracht. Bei einem Umsatz von rund 6 Milliarden € und einem EBITDA von etwa 1,2 Milliarden € dürfte ein Verkaufserlös von 8 bis 10 Milliarden € machbar sein.

Nach dieser Filitierung bliebe die Pharmasparte übrig. Momentan verbessert sich die Pipeline deutlich. Der Konzern spricht davon, dass fünf Arzneien das Potenzial eines Blockbusters besitzen. Zusammen mit den vorhandenen Blockbustern ist der Umsatz bis weit ins nächste Jahrzehnt gesichert. Bei einem operativen EBITDA in 2024 von 4,3 Milliarden € lag die Marge bei 23,8%.

Ein Mittelwert vergleichbarer Pharmawerte bezüglich Marktbewertung zum Umsatz liegt bei 6. Bei Novo Nordisk liegt er bei 2,75 und bei Eli Lilly bei 15. Wird ein konservativer Faktor von 4 zugrunde gelegt, ergibt sich daraus ein Marktwert der Pharma-Sparte von rund 72 Milliarden €. Das sind zwar nur grobe Schätzungen. Die Tatsache, dass das Pharma-Geschäft mehr wert ist als der heutige Gesamtkonzern, ist jedoch richtig.

Sollte der US-Supreme Court im Sommer zugunsten von Bayer entscheiden und ein Vergleich zustande kommen, sieht es für die Sparte Crop Science wieder deutlich besser aus. Dann wäre auch ein Verkauf zu einem angemessenen Preis möglich. Eine Übernahme wäre in diesem Fall für Finanzinvestoren deutlich interessanter.

Was bedeutet das für die Aktie?

Momentan bleibt die Konzernstruktur in der jetzigen Konstellation erhalten. Das Management um den CEO Bill Anderson lehnte die Aufspaltung des Konzerns zum jetzigen Zeitpunkt ab. Für den weiteren Kursverlauf bedeutet das, dass die Unsicherheit im Glyphosat-Streit vorerst bestehen bleibt.

Aus meiner Sicht, ist die Aktie momentan unterbewertet, den fairen Wert sehe ich bei 50 €. Der Kursrückgang unter das Niveau vor Bekanntgabe eines Vergleichsangebotes mit rund 45 € ist nicht nachvollziehbar. Die operative Ertragslage dürfte im vergangenen Geschäftsjahr wesentlich besser ausgefallen sein als ein Jahr zuvor. Auch bei der Nettoverschuldung geht der Abbau weiter.

Bei einer Übernahme durch einen Finanzinvestor dürfte der Übernahmepreis den aktuellen Unternehmenswert von rund 42 Milliarden € überschreiten, vorstellbar wäre ein Wert von 60 bis 65 Milliarden €. Das würde rechnerisch einem Aktienkurs von etwa 60 bis 65 € entsprechen.

Mein Fazit: Momentan ist eine Übernahme nicht erkennbar. Dass Finanzinvestoren solche möglichen Szenarien einer Konzernaufteilung durchspielen, ist wahrscheinlich. Dass andere Pharmakonzerne an der Pharma-Sparte interessiert sind, dürfte ebenfalls realistisch sein.

Auch unabhängig jeglicher Übernahmefantasie, bietet das aktuelle Kursniveau gute Einstiegschancen. Diese Einschätzung teilen auch Barclays und JP Morgan mit ihren Zielkursen von jeweils 50 €. Goldman Sachs sieht den fairen Wert bei 54 €.

Hier sei erwähnt: Wer grundsätzliches Interesse am Sektor hat, könnte sich auch registrieren für den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.

ℹ️ Bayer in Kürze

  • Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
  • Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
  • Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit knapp 42 Milliarden € bewertet.
Zugehörige Kategorien: Biotech-Aktien