Nebius-Aktie: Entsteht hier ein KI-Gigant?

Markt fordert Beweise

Die Aktie von Nebius konnte seit unserem letzten Update vor fast zwei Wochen zwischenzeitlich zwar deutlich zulegen, hat ihren Achterbahnkurs aber nicht verlassen. Wie geht es für die spannende KI-Aktie jetzt weiter?

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Knappheit allein überzeugt den Markt nicht

Die Nebius Group konnte bislang durchaus zeigen, dass KI-Rechenkapazität ein knappes Gut ist. Was dem Unternehmen jedoch noch nicht gelungen ist, ist der Nachweis, dass Aktionäre langfristig direkt von dieser Knappheit profitieren.

Wenn eine Aktie deutlich unter früheren Höchstständen notiert, obwohl die Kennzahlen stark wachsen, lassen sich dafür meist zwei Erklärungen finden. Entweder ist das Unternehmen operativ schwächer, als die Zahlen vermuten lassen, oder die Geschäftsentwicklung ist zwar überzeugend, doch der Weg zu stabiler Ertragskraft erscheint so komplex und risikobehaftet, dass Investoren einen erheblichen Bewertungsabschlag verlangen.

Im Fall von Nebius wirkt die zweite Erklärung plausibler. Das Unternehmen wächst rasant, doch Finanzierung, Ausbau und bilanzielle Abbildung dieses Wachstums erscheinen aus Quartalssicht widersprüchlich – insbesondere in einem Marktumfeld, das kapitalintensive Strategien zunehmend kritisch bewertet. Der Aktienkurs spiegelt daher weniger das langfristige Zielbild wider als die Unsicherheit über die einzelnen Schritte dorthin.

Starke Zahlen treffen auf schwierige Wahrnehmung

Im vierten Quartal erzielte Nebius einen Umsatz von 227,7 Millionen US-Dollar, was einem Anstieg von 547 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für das Gesamtjahr summierten sich die Erlöse auf rund 530 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig war ein großer Teil der verfügbaren Kapazitäten bereits ausgelastet, was erklärt, warum das Umsatzwachstum trotz hoher Nachfrage zeitweise uneinheitlich wirkt.

Besonders auffällig ist die Margenstruktur. Auf Basis der Kosten ergibt sich eine implizite Bruttomarge von rund 70 Prozent. Für eine Infrastrukturplattform, die sich noch im Aufbau befindet, deutet dies darauf hin, dass die GPU-Ebene bei hoher Auslastung erheblich zur Profitabilität beitragen kann.

Dennoch wird die Gewinn- und Verlustrechnung weiterhin stark von Skaleneffekten und bilanziellen Belastungen geprägt. Abschreibungen haben bereits ein erhebliches Volumen erreicht, während auch Vertriebs- und Verwaltungskosten hoch bleiben. Ein Teil davon ist einmaliger Natur, ein anderer Teil folgt dem typischen Verlauf aktienbasierter Vergütungsprogramme. Trotz attraktiver Bruttomargen dominieren derzeit die Fixkosten die Wahrnehmung der Investoren.

Das eigentliche Problem liegt im Vertrauen

Nebius meldete erstmals ein positives bereinigtes EBITDA auf Konzernebene, während das zentrale KI-Cloud-Segment deutlich höhere Margen erzielt als der Gesamtkonzern. Dies signalisiert grundsätzlich die Fähigkeit, mit zunehmender Skalierung profitabel zu werden – vorausgesetzt, Infrastrukturaufbau und Gemeinkosten wachsen künftig nicht im gleichen Tempo weiter.

Viele Investoren betrachten das Unternehmen jedoch eher als Großbauprojekt denn als klassisches Softwareunternehmen. Die Investitionsausgaben im Quartal waren außergewöhnlich hoch. Damit rückt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Wie oft wird der Kapitalmarkt künftig zur Finanzierung des Wachstums benötigt?

Zum Jahresende verfügte Nebius über rund 3,7 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln. Der operative Cashflow im vierten Quartal fiel dank Vorauszahlungen aus langfristigen Verträgen stark aus. Diese Struktur reduziert zwar kurzfristige Finanzierungsrisiken, kann jedoch bei schnell wachsenden Unternehmen auch zu Bewertungsunsicherheit führen.

Kapazität als Wettbewerbsvorteil und Belastung zugleich

Nebius setzt strategisch auf Kapazitätsaufbau als entscheidenden Engpassfaktor im KI-Markt. Ende des Jahres verfügte das Unternehmen über 170 Megawatt aktive Leistung, während bereits mehr als zwei Gigawatt vertraglich gesichert sind. Bis Ende 2026 werden über drei Gigawatt vertraglich gebundene Kapazität sowie 800 Megawatt bis ein Gigawatt angeschlossene Leistung angestrebt.

Die Sorge des Marktes richtet sich weniger auf die technische Fähigkeit, Rechenleistung bereitzustellen. Entscheidend ist vielmehr, ob der Ausbau planmäßig, kosteneffizient und ohne erhebliche Verwässerung der Aktionäre gelingt. In kapitalintensiven Geschäftsmodellen schlägt sich operatives Risiko schnell in Finanzierungsbedarf und Glaubwürdigkeit langfristiger Wachstumsziele nieder.

Hinzu kommt eine generelle Skepsis gegenüber Geschäftsmodellen, die dauerhaft auf umfangreiche externe Finanzierung angewiesen sind. Schon kleine Störungen im Finanzierungsumfeld der Rechenzentrums- und KI-Infrastrukturbranche können zu schnellen Kursreaktionen führen – selbst bei operativ stabilen Unternehmen.

ARR und Umsatzentwicklung als zentrale Bewertungsfrage

Das Management stellt insbesondere die Kennzahl Annual Recurring Revenue in den Mittelpunkt. Diese lag Ende 2025 bei 1,25 Milliarden US-Dollar, während weiterhin ein Ziel von sieben bis neun Milliarden US-Dollar ARR bis Ende 2026 kommuniziert wird. Die Berechnung basiert auf dem Monatsumsatz multipliziert mit zwölf.

Diese Kennzahl ist relevant, kann jedoch leicht missverstanden werden. ARR beschreibt monetarisierte Kapazität auf Basis aktueller Auslastung, während Umsatz die tatsächliche Realisierung über die Zeit abbildet. Die Differenz zwischen ambitionierten ARR-Zielen und kurzfristiger Umsatzprognose ist daher nicht zwingend ein Hinweis auf unrealistische Erwartungen, sondern Ausdruck eines Geschäftsmodells, bei dem Kapazitäten erst aufgebaut und anschließend schrittweise monetarisiert werden.

Sollte ein Großteil der Kapazität erst in der zweiten Jahreshälfte ans Netz gehen, bleibt der ausgewiesene Jahresumsatz zwangsläufig hinter der theoretischen Run-Rate zurück. Die kommenden Quartale werden daher entscheidend sein, um zu zeigen, ob die Umsatzentwicklung die kommunizierten Zielwerte glaubhaft untermauert.

Bewertung spiegelt Zukunftserwartungen wider

Bei einer Marktkapitalisierung von rund 23,5 Milliarden US-Dollar bewertet der Markt Nebius nicht auf Basis der erwarteten Einnahmen des Jahres 2025. Eingepreist ist vielmehr die Annahme, dass die geplante Energie- und Kapazitätsstrategie zu deutlich höheren und nachhaltig profitablen Umsätzen führt und die hohen Bruttomargen langfristig Bestand haben.

Damit diese Bewertung tragfähig bleibt, müssen zwei Entwicklungen parallel eintreten. Erstens muss sich das ARR sichtbar in realisierte Umsätze übersetzen. Zweitens muss die Kostenstruktur zeigen, dass steigende Erlöse bei hoher Auslastung tatsächlich in operative Gewinne übergehen.

Nebius verfügt über rund 3,7 Milliarden US-Dollar an Barmitteln, geringe Unternehmensverschuldung und hat bislang keine Nutzung seines Aktienplatzierungsprogramms vorgenommen. Für den Zeitraum bis 2026 plant das Unternehmen Investitionen von 16 bis 20 Milliarden US-Dollar. Etwa 60 Prozent sollen aus bestehenden Mitteln und operativen Cashflows finanziert werden, während sechs bis acht Milliarden US-Dollar extern beschafft werden müssen.

Als Finanzierungsoptionen gelten Unternehmensanleihen, assetbasierte Finanzierungen sowie mögliche Teilverkäufe von Beteiligungen wie ClickHouse. Entscheidend ist weniger der Kapitalbedarf selbst als die Struktur der Finanzierung. Fremdkapital kann das Renditepotenzial erhöhen, während umfangreiche Kapitalerhöhungen die Aktionärsrendite belasten würden.

Operative Risiken statt Wettbewerbsdruck

Die größten Risiken liegen weniger im Wettbewerb als in möglichen Verzögerungen beim Ausbau der Infrastruktur. Sollten Zeitpläne für angeschlossene Leistung ins Stocken geraten, während die Nachfrage hoch bleibt, könnte Nebius gezwungen sein, teurere Kapazitäten einzusetzen, um Wachstumstempo zu halten. Dies würde die Margenqualität unmittelbar beeinträchtigen.

Fazit: Der Knoten muss erst noch platzen

Nebius verfügt über überzeugende Einheitserträge und profitiert von einer klar nachgewiesenen Nachfrage nach KI-Rechenleistung. Eine nachhaltige Neubewertung der Aktie dürfte jedoch erst erfolgen, wenn Finanzierungspfad und Umsatzrealisierung transparenter und berechenbarer erscheinen.

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ℹ️ Nebius in Kürze

  • Nebius (WKN: A1JGSL) mit Sitz in Amsterdam ist ein Technologieunternehmen, das KI-Cloud-Infrastruktur anbietet.
  • Das Unternehmen betreibt Rechenzentren und verkauft Rechenleistungen und sonstige Mehrwertdienste an große Tech-Konzerne.
  • Zudem besitzt Nebius zahlreiche Beteiligungen an Technologieunternehmen, darunter Avride (Robotaxis), TripleTen (Edtech-Plattform), Toloka (KI-Trainingsdaten) und Clickhouse (Datenbankmanagement).
  • Nebius wurde 1989 als Holding für die russische Suchmaschine Yandex gegründet. 2024 wurde das komplette Russlandgeschäft aufgrund des Ukrainekrieges veräußert.
  • Nebius notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 25,5 Milliarden US$ wert.
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