Alphabet-Aktie: Das ist der weitere Fahrplan

Neue Hochs nach Konsolidierung?

Die Aktie von Alphabet geriet nach Vorlage der Quartalszahlen unter Druck, obwohl die operative Entwicklung des Technologiekonzerns überzeugender ausfiel als bei vielen Wettbewerbern. Während kurzfristige Sorgen rund um Investitionen und Cashflow dominieren, bleibt die strategische Position im KI- und Cloudgeschäft langfristig entscheidend für die Bewertung des Unternehmens.

stock.adobe.com

Cloudgeschäft treibt das Wachstum erneut an

Alphabet verzeichnete nach Veröffentlichung der Ergebnisse einen Kursrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich, obwohl die Zahlen im Vergleich zu anderen Hyperscalern besonders stark ausfielen. Vor allem Google Cloud erwies sich erneut als wichtigster Wachstumstreiber.

Der Cloudbereich erzielte einen Umsatz von 17,66 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig verbesserte sich die operative Marge deutlich auf 30,1 Prozent, nachdem sie ein Jahr zuvor noch bei 17,5 Prozent gelegen hatte. Damit gelang Alphabet eine außergewöhnlich starke Profitabilitätssteigerung innerhalb kurzer Zeit.

Unter den großen Cloudanbietern zeigt Alphabet derzeit als einziger Konzern sowohl beschleunigtes Wachstum als auch eine deutliche Margenausweitung. Diese Entwicklung hebt das Unternehmen innerhalb der Branche klar hervor.

Deutlicher Margensprung im Cloudsegment

Die Entwicklung der Cloudprofitabilität zählt zu den auffälligsten Trends der vergangenen Quartale. Innerhalb eines Jahres hat sich die operative Marge nahezu verdoppelt. Diese Verbesserung deutet darauf hin, dass Alphabets eigene KI-Hardware zunehmend Effizienzgewinne liefert.

Im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern liegt die operative Marge zwar weiterhin unter den Werten anderer großer Cloudanbieter, doch die Dynamik spricht klar für Alphabet. Während Konkurrenten zuletzt stagnierende oder nur leicht steigende Margen meldeten, konnte Alphabet seine Profitabilität deutlich ausbauen.

Entscheidend dafür dürfte die langjährige Entwicklung eigener KI-Beschleuniger sein. Die firmeneigenen TPU-Chips werden bereits seit über einem Jahrzehnt eingesetzt und verschaffen dem Unternehmen technologisch einen Vorsprung gegenüber später gestarteten Lösungen der Konkurrenz.

Eigene KI-Hardware als strategischer Vorteil

Eine zentrale Rolle spielt die siebte TPU-Generation mit dem Namen Ironwood, die erstmals speziell für Inferenzaufgaben entwickelt wurde. Diese Systeme können in großen Clustern enorme Rechenleistung bereitstellen und gelten als wichtiger Baustein für die Skalierung moderner KI-Anwendungen.

Gleichzeitig verfolgt Alphabet einen hybriden Ansatz und kombiniert eigene Chips mit Grafikprozessoren externer Anbieter, um Kunden eine breite Auswahl an Rechenoptionen anzubieten. Diese Flexibilität reduziert Abhängigkeiten und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Cloudplattform.

Auch die Nachfrageentwicklung unterstreicht die Dynamik. Der Auftragsbestand im Cloudgeschäft erreichte 240 Milliarden US-Dollar und hat sich sowohl sequenziell als auch im Jahresvergleich massiv ausgeweitet. Entsprechend wurden Umsatzprognosen vieler Analysten nach oben angepasst.

Wachstum bleibt entscheidender Kurstreiber

Im Technologiesektor folgt die Aktienkursentwicklung häufig den Wachstumserwartungen. Steigende Umsatzprognosen führen langfristig meist zu steigenden Bewertungen, selbst wenn kurzfristige Schwankungen auftreten.

Noch vor einem Jahr konzentrierte sich die skeptische Marktmeinung auf mögliche Risiken für das Suchgeschäft durch KI-Chatbots. Diese Befürchtungen haben sich bislang nicht bestätigt. Das Suchsegment wächst weiterhin stabil, obwohl KI-basierte Alternativen zunehmend verbreitet sind.

Parallel gewinnt das KI-Ökosystem des Unternehmens an Bedeutung. Das Modell Gemini verzeichnet inzwischen mehr als 750 Millionen monatlich aktive Nutzer, während zugleich Millionen kostenpflichtiger Unternehmenskonten verkauft wurden. Die breite Distribution über bestehende Google-Produkte gilt dabei als entscheidender Wettbewerbsvorteil.

Warum die Aktie dennoch nachgab

Der Kursrückgang steht weniger im Zusammenhang mit den operativen Ergebnissen als mit einer allgemein defensiveren Haltung am US-Aktienmarkt. Mehrere große Technologiewerte gaben nach ihren Quartalszahlen nach, während Investoren verstärkt Risiken reduzierten.

Der wichtigste Belastungsfaktor bleibt die massive Ausweitung der KI-Investitionen. Die großen Hyperscaler planen zusammen Investitionen in Höhe von rund 650 Milliarden US-Dollar innerhalb eines Jahres. Alphabet allein stellt für 2026 Investitionen zwischen 175 und 185 Milliarden US-Dollar in Aussicht, deutlich über den bisherigen Markterwartungen.

Die Konsequenz zeigt sich beim freien Cashflow. Nach 73,3 Milliarden US-Dollar im Vorjahr erwarten Analysten aktuell lediglich rund 24 Milliarden US-Dollar. Ein derart starker Rückgang wirkt abschreckend auf Investoren mit kurzfristigem Renditefokus und erklärt die negative Kursreaktion nach den Zahlen.

Zudem fehlen kurzfristige Impulse, die neue Begeisterung auslösen könnten. Größere Produktveröffentlichungen im KI-Bereich werden erst gegen Jahresende erwartet.

Tipp: Melde Dich für unseren kostenlosen SD Insider Newsletter an, um keine spannenden Entwicklungen und außergewöhnlichen Chancen zu verpassen!

Bewertung nach starkem Kursanstieg anspruchsvoller

Alphabet gilt nicht mehr als günstig bewerteter Technologiewert. Nach einer Kurssteigerung von immer noch fast 70 Prozent innerhalb der letzten zwölf Monate wird die Aktie mit etwa dem 26-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt und liegt damit am oberen Ende innerhalb der Hyperscaler-Gruppe.

Trotz dieser höheren Bewertung erscheint das Kursniveau im historischen Vergleich moderat, sofern sich die Annahme bestätigt, dass Alphabet zu den langfristigen Gewinnern des KI-Marktes zählt.

Ausblick: Konsolidierung vor möglicher neuer Aufwärtsphase

Der Markt befindet sich derzeit in einer Phase der Konsolidierung, in der starke kurzfristige Kursanstiege unwahrscheinlich erscheinen. Eine längere Seitwärtsbewegung im Bereich um 300 US-Dollar gilt als realistisches Szenario, bevor neue Impulse entstehen.

Langfristig sprechen jedoch mehrere Faktoren für weiteres Potenzial: steigende Cloudmargen, wachsende KI-Nutzung und kontinuierliche Anpassungen der Umsatzprognosen. Kurzfristige Schwankungen bleiben schwer vorhersehbar, doch über mehrere Jahre hinweg könnte Alphabet innerhalb der Hyperscaler-Gruppe eine führende Rolle einnehmen.

Trotz des aktuellen Drucks auf den freien Cashflow bleibt die strategische Bedeutung des KI-Ausbaus hoch. In der aktuellen Phase des globalen Aufbaus von KI-Rechenzentren dürfte Wachstum stärker gewichtet werden als kurzfristige Cashflow-Kennzahlen.

Tipp: Unser exklusiver Report „KI-Gewinner 2026“ bietet einen tiefgehenden Einblick in die vielversprechendsten KI-Aktien in diesem dynamischen Sektor.

ℹ️ Alphabet in Kürze

  • Alphabet Inc. (WKN: A14Y6H) ist eine im kalifornischen Mountain View ansässige Holding und Muttergesellschaft der weltgrößten Suchmaschine Google.
  • Neben Google betreibt Alphabet auch die Videoplattform YouTube und ein Cloud-Business. Zudem gehören zahlreiche Venture-Unternehmen, wie beispielsweise DeepMind und Waymo, zur Holding.
  • Alphabet ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Konzern wird zu den sogenannten „Big Five“ der Technologieindustrie gezählt und ist aktuell rund 4,02 Billionen US$ wert.
Zugehörige Kategorien: Tech-Aktien