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Vonovia-Aktie am Jahrestief – wie tief geht es noch?

Zinsen drücken weiter
Bei Vonovia sieht es im Chart mittlerweile ziemlich ungemütlich aus. Die Aktie ist auf rund 19,30 € gefallen und hat dabei gleich mehrere Unterstützungen verloren. Operativ läuft es bei Deutschlands größtem Wohnungskonzern dagegen weiterhin ordentlich. Das Problem kommt gerade vor allem vom Anleihemarkt: Die Renditen steigen wieder und das trifft hoch verschuldete Immobilienkonzerne besonders hart.

Steigende Renditen setzen Vonovia erneut unter Druck

Dass Vonovia so empfindlich auf den Zinsmarkt reagiert, ist nichts Neues. In den vergangenen Tagen hat sich die Lage allerdings nochmal verschärft. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind deutlich gestiegen und gleichzeitig wird am Markt inzwischen mit einer weiteren Zinserhöhung der EZB im September gerechnet.

Dahinter steckt vor allem die Inflation. In Deutschland stieg sie im August auf 2,9%, während die Kerninflation bei 2,4% blieb. Gleichzeitig sorgen die höheren Energiepreise dafür, dass die Teuerung in den kommenden Monaten wieder hartnäckiger bleiben könnte. Deshalb möchte die EZB offenbar noch nicht vom Gas gehen.

Für Vonovia kommt das ziemlich ungelegen. Der Konzern sitzt auf hohen Schulden und muss auslaufende Finanzierungen immer wieder ersetzen. Je höher die Renditen am Anleihemarkt stehen, desto teurer wird das. Vonovia selbst beziehungsweise S&P kalkuliert bei neuen Refinanzierungen zwischen 2026 und 2028 derzeit mit rund 3,5%.

Dazu kommt noch ein zweiter Effekt. Höhere Renditen machen sichere Staatsanleihen für Anleger attraktiver. Eine Immobilienaktie wie Vonovia muss dann mit ihrer Dividende und ihrem Kurspotenzial gegen eine deutlich bessere Alternative am Anleihemarkt antreten.

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Operativ sieht es deutlich besser aus als im Chart

Das Verrückte daran ist, dass das eigentliche Vermietungsgeschäft gar nicht schlecht läuft. Im ersten Halbjahr stiegen die Mieteinnahmen um 3,4% auf 1,75 Milliarden €, auf vergleichbarer Basis legten die Mieten um 3,6% zu. Vonovia bestätigte außerdem seine Prognose für 2026.

Auch bei den Immobilienbewertungen gab es zuletzt keine neue große Abwärtswelle. Vonovia berichtete bei den Halbjahreszahlen von einer positiven Entwicklung der Portfoliowerte. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum hoch.

Das hilft der Aktie momentan aber nur begrenzt. Solange die Renditen weiter nach oben laufen, schaut der Markt bei Vonovia stärker auf Finanzierungskosten und Verschuldung als auf ein paar Prozent zusätzliches Mietwachstum.

Immerhin arbeitet der Konzern weiter daran, die Bilanz zu verbessern. CEO Luka Mucic hatte im Juni bekräftigt, dass Vonovia trotz höherer Zinsen auf Kurs beim Schuldenabbau sei. Bis 2028 soll der Loan-to-Value auf rund 40% sinken.

Charttechnisch ist jetzt einiges kaputtgegangen

Vonovia ist in den vergangenen Monaten praktisch von einer Unterstützung zur nächsten gefallen. Die Bereiche bei ungefähr 22,50 € und 21 € konnten den Abverkauf nicht dauerhaft stoppen.

Zuletzt wurde dann auch die Unterstützung rund um 19,80 bis 20 € gebrochen. Mit aktuell etwa 19,30 € notiert Vonovia damit sogar unter dem Bereich, der im Juni noch Käufer angelockt hatte. Das jüngste Tief liegt im Chart bei rund 19,15 €.

Bevor man hier wieder größere Ziele auf der Oberseite ausruft, müsste sich die Aktie deshalb erstmal zurückarbeiten. Der erste Schritt wäre die Rückeroberung der 20 €-Marke. Danach wartet rund um 21 € bereits der nächste Bereich, an dem zuletzt ziemlich viel Volumen umgesetzt wurde.

Darüber wird es bei ungefähr 22,40 bis 22,70 € nochmal schwieriger. Im Volumenprofil liegt hier eine weitere große Zone und gleichzeitig befindet sich dort ein ehemaliger Unterstützungsbereich. Was vorher den Kurs aufgefangen hat, kann bei einer Erholung jetzt erstmal als Widerstand wirken.

Vonovia

Erst wenn auch die 22,50 € wieder fallen, würde sich das Bild langsam etwas entspannen. Daran sieht man aber auch, wie viel bei Vonovia zuletzt kaputtgegangen ist. Noch vor einigen Monaten lagen mehrere Unterstützungen unter dem Kurs.

Mittlerweile liegen praktisch alle wichtigen Marken aus dem sichtbaren Volumenprofil oberhalb der Aktie und müssen erstmal wieder zurückerobert werden. Nach unten wird rund 19 € jetzt wichtig. Hält auch dieser Bereich nicht, wäre im gezeigten Chart erstmal keine vergleichbar starke Unterstützung direkt darunter zu erkennen. Dann könnte der Abwärtsdruck nochmal zunehmen.

ℹ️ Vonovia in Kürze

  • Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
  • Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
  • Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 16,84 Milliarden € wert.

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Fazit

Operativ läuft bei Vonovia weiterhin vieles besser, als der Aktienkurs vermuten lässt. Das hilft momentan aber wenig, solange höhere Inflation, eine mögliche weitere EZB-Zinserhöhung und steigende Anleiherenditen wieder auf den Immobiliensektor drücken. Vonovia muss zunächst 20 € und anschließend 21 € zurückerobern. Erst darüber würde die Lage langsam wieder besser aussehen. Bis dahin bleibt die Aktie klar angeschlagen.