Rheinmetall-Aktie: Das spricht für eine Trendwende
Operatives Geschäft läuft
Von der einstigen Euphorie ist bei der Rheinmetall-Aktie wenig übrig geblieben. Es gab Zeiten, da hat praktisch jeder Rücksetzer sofort neue Käufer angelockt. Davon ist aktuell nichts zu sehen. Vom 52-Wochen-Hoch bei knapp über 2.000 € hat sich der Kurs fast halbiert.
Das Bemerkenswerte daran ist: Im operativen Geschäft ist Rheinmetall weit von einem Absturz entfernt. Im Gegenteil, es brummt. Erst vor wenigen Tagen hat der Düsseldorfer Konzern den nächsten größeren Munitionsauftrag gemeldet. Ein internationaler Kunde hat mehrere zehntausend 155-mm-Artilleriegeschosse bestellt. Der Wert liegt im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. Ausgeliefert werden soll 2027.
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Aufträge kommen weiterhin
Während der Kurs schon lange nach unten läuft, wächst der Auftragsbestand weiter. Ende Juni standen bereits 80,5 Milliarden € in den Büchern. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Sprung von mehr als 40%.
Auch bei der Produktion fährt Rheinmetall weiter hoch. Besonders deutlich wird das bei Artilleriemunition. Bis 2030 will der Konzern seine Kapazität auf rund 1,5 Millionen 155-mm-Geschosse pro Jahr ausbauen. Der jüngste Auftrag zeigt, dass es dafür durchaus Abnehmer gibt.
Gleichzeitig versucht Rheinmetall, sich breiter aufzustellen. In Großbritannien arbeitet der Konzern mit Mercedes-Benz an Fahrzeugen für das Land Mobility Programme der britischen Armee. In den USA liefert die Tochter American Rheinmetall autonome Bodenfahrzeuge an das Marine Corps.
Und auch im Marinegeschäft soll es weitergehen: Die Bundesregierung plant ein viertes Flottendienstboot, nachdem bereits drei Schiffe dieser Klasse bei Rheinmetall in Wolgast gebaut werden. An Beschäftigung mangelt es im Konzern also nicht.
Verheißungsvolle Zahlen
Noch deutlicher wird die positive operative Entwicklung beim Blick auf die Geschäftszahlen des ersten Halbjahrs. Der Umsatz sprang um 39% auf 5,2 Milliarden € hoch. Das operative Ergebnis legte sogar um 74% zu. Im zweiten Quartal allein verdiente Rheinmetall operativ 562 Millionen € und übertraf damit die Erwartungen deutlich.
Vor allem die Margen entwickeln sich in die richtige Richtung. Mit zunehmender Produktion greifen Skaleneffekte, die Fabriken werden besser ausgelastet. Genau darauf basiert ein großer Teil der Rheinmetall-Story: Die höheren Verteidigungsbudgets müssen irgendwann durch die Werke laufen und aus politischen Beschlüssen tatsächliche Umsätze werden.
Einen Schönheitsfehler gibt es allerdings: Der operative Free Cashflow lag im ersten Halbjahr tief im Minus. Rheinmetall begründet das mit verschobenen Anzahlungen, hohen Lagerbeständen und den massiven Investitionen in neue Kapazitäten.
Das sagt der Chart
Charttechnisch schreit es einem förmlich entgegen: 1.000 € müssen halten. Mehrfach hat die Aktie in den vergangenen Tagen im Bereich knapp unter oder über 1.000 € Käufer gefunden. Am 11. September fiel sie Intraday bis 976 €, erholte sich anschließend aber wieder. Auch in der vergangenen Woche wurde jeder Versuch, die Aktie unter diese Marke zu drücken, zunächst aufgefangen.
Von einer Trendwende kann man allerdings in meinen Augen derzeit nicht sprechen. Dafür müsste Rheinmetall zunächst wieder deutlicher über 1.050 € und anschließend über die Zone um 1.100 € steigen. Solange das nicht gelingt, bleibt der kurzfristige Abwärtstrend intakt.
ℹ️ Rheinmetall AG in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei 47,4 Milliarden €.
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Fazit
Ist die Rheinmetall-Aktie jetzt wieder ein Kauf? An der Börse ist Rheinmetall inzwischen rund 47 Milliarden € wert. Das ist mit einem Forward-KGV von 20 immer noch keine niedrige Bewertung für einen Industriekonzern. Rheinmetall wächst allerdings bei Umsatz, Ertrag und Auftragsbestand auch nicht wie ein gewöhnlicher Industriekonzern.
Aus meiner Sicht könnte daher der Punkt erreicht sein, an dem der Kurs inzwischen stärker korrigiert hat, als es die operative Entwicklung nahelegt. Insofern würde ich einen Kauf befürworten, aber Luft lassen für weitere Nachkäufe, falls es doch nochmals deutlicher unter die 1.000-€-Marke gehen sollte.
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