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VW-Aktie: Von 1 auf 9% Marge – ist das noch glaubwürdig?

Ambitionierte Ziele, brutale Gegenwart
Vincent Uhr
Volkswagen kassiert seine Prognose und erwartet 2026 nur noch eine operative Umsatzrendite von maximal 1% statt bisher 4 bis 5,5%. Die Vorzugsaktie reagierte am Freitag mit einem Kursverlust von -5,6%. Besonders brisant: Erst Anfang September hatte der Aufsichtsrat für 2030 eine Marge von 9% als Ziel ausgegeben – der Weg dorthin ist durch die Gewinnwarnung erheblich länger geworden.

Porsche kostet Volkswagen 6 Milliarden €

Insgesamt rechnet Volkswagen 2026 mit Sonderbelastungen von rund 10 Milliarden €. Davon entfallen etwa 6 Milliarden € auf eine Wertminderung im Zusammenhang mit Porsche. Der größte Teil dieser Belastung ist nicht zahlungswirksam und fließt deshalb nicht unmittelbar aus dem Konzern ab.

Harmlos ist die Abschreibung trotzdem nicht. Sie zeigt, dass Volkswagen seine bisherigen Gewinnerwartungen für Porsche deutlich nach unten korrigieren muss. Die Sportwagentochter leidet unter den US-Zöllen, der schwachen Nachfrage nach Luxusautos in China und dem schnellen Umstieg auf Elektrofahrzeuge.

Hinzu kommen neue Altersteilzeitprogramme, der geplante Verkauf des Werks Osnabrück sowie Abschreibungen auf Beteiligungen in China. Diese drei Punkte sollen das Ergebnis im zweiten Halbjahr um weitere rund 2 Milliarden € belasten. Etwa 900 Millionen € an Sondereffekten waren bereits im ersten Halbjahr verbucht worden.

Ohne die außergewöhnlichen Belastungen würde Volkswagen nach eigenen Angaben weiterhin eine operative Marge von ungefähr 4% erreichen. Das relativiert den Absturz auf 1%, ist aber ebenfalls kein überzeugender Wert. Vor allem bei Audi, Porsche und der Kernmarke Volkswagen fallen die mittelfristigen Gewinnerwartungen schwächer aus als bislang angenommen.

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Der Cashflow wird zum entscheidenden Prüfstein

Positiv ist, dass Volkswagen seine Ziele für den Netto-Cashflow und die Nettoliquidität im Automobilbereich bislang beibehält. Im ersten Halbjahr hatte sich der Netto-Cashflow bereits von -1,4 auf +3,2 Milliarden € verbessert. Die hohe Porsche-Abschreibung belastet diese Kennzahl nicht direkt.

Die Prognose steht allerdings unter Vorbehalt. Volkswagen geht davon aus, dass sich die bestehenden Zölle nicht weiter verschärfen und der Konflikt im Nahen Osten nicht zusätzlich eskaliert. Gleichzeitig erwartet der Konzern für 2026 nur noch einen Umsatz von rund 315 Milliarden € nach 321,9 Milliarden € im Vorjahr.

Damit steigt der Druck, Investitionen und laufende Kosten zu senken. Denn nicht nur Restrukturierungsmaßnahmen kosten Geld: Auch der wachsende Anteil margenschwächerer Elektroautos, der Preiskampf in China und die Expansion asiatischer Hersteller in Europa belasten das Geschäft dauerhaft.

Die günstige Bewertung hat einen Haken

Volkswagen hat sich für 2030 eine operative Marge von 9% und einen operativen Gewinn von rund 31 Milliarden € vorgenommen. Dieses Ziel basiert unter anderem auf sinkenden Verwaltungskosten, einer schlankeren Modellpalette und einem jährlichen Absatz von etwa 9 Millionen Fahrzeugen.

Nach der aktuellen Gewinnwarnung muss der Konzern jedoch nicht nur von einer bereinigten Marge von ungefähr 4 auf 9% kommen. Er muss zugleich Porsche stabilisieren, Elektroautos profitabler machen und seine Marktposition in China verteidigen. Das erscheint ambitionierter denn je.

Mit einem ausgewiesenen KGV von rund 8 und einer Dividendenrendite von etwa 6,5% auf Basis der letzten Ausschüttung wirkt die VW-Aktie optisch günstig. Beide Kennzahlen schauen jedoch teilweise in den Rückspiegel. Sinken Gewinn und Ausschüttung stärker als erwartet, kann aus der vermeintlichen Value-Chance schnell eine Bewertungsfalle werden.

ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 41,8 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Die Gewinnwarnung ist aufgrund der hohen nicht zahlungswirksamen Abschreibung weniger dramatisch, als die neue 1%-Marge zunächst vermuten lässt. Sie ist aber ein deutliches Eingeständnis, dass der bisherige Gewinnmotor Porsche stottert und der Umbau teurer wird. Vor einem Neueinstieg würde ich, wenn, deshalb die Neunmonatszahlen am 29. Oktober abwarten. Entscheidend sind dann nicht das durch Sondereffekte verzerrte Konzernergebnis, sondern die bereinigte Marge und der Cashflow. Die VW-Aktie bleibt bis dahin eher eine spekulative Halteposition als ein klarer Kauf.