Mercedes Benz-Aktie: Eine detaillierte Analyse
Erholung der Margen könnte Kurs antreiben
Die Bewertung der Mercedes-Benz-Aktie spiegelt derzeit die Annahme wider, dass die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft von aktuell 4,0 Prozent bereits das langfristig erreichbare Niveau darstellt. Hintergrund sind die anhaltend schwachen Verkaufszahlen in China, der bisher margenschwächere Ausbau des Elektroauto-Geschäfts sowie die Sorge, dass Einsparungen allein den zunehmenden Preisdruck nicht ausgleichen können.
Die Zahlen für das zweite Quartal 2026 zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild. Der Umsatz sank zwar um drei Prozent auf 32,1 Milliarden Euro, das operative Ergebnis EBIT legte dagegen um 22 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zu. Das bereinigte EBIT erreichte 2,3 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert ist, dass dieses Ergebnis trotz umfangreicher Modellanläufe und eines Absatzrückgangs von 30 Prozent in China erzielt wurde.
Für eine positive Entwicklung der Aktie ist deshalb keine vollständige Rückkehr zu den früheren Erfolgen im chinesischen Markt erforderlich. Ebenso wenig muss Mercedes-Benz kurzfristig sein mittelfristiges Margenziel von acht bis zehn Prozent erreichen. Bereits eine Verbesserung der bereinigten Umsatzrendite im Pkw-Geschäft auf etwa sechs bis 6,5 Prozent bis Ende 2027 könnte einen deutlichen Gewinnanstieg auslösen.
Neue Modelloffensive trifft auf sinkende Investitionen
Mercedes-Benz befindet sich derzeit in einer Phase, in der zwei gegenläufige Entwicklungen zusammentreffen. Während die Belastungen aus dem bislang größten Produktentwicklungsprogramm der Unternehmensgeschichte allmählich nachlassen, kommen die neu entwickelten Fahrzeuge zunehmend in den Handel.
Zwischen 2025 und 2027 sollen mehr als 40 neue Modelle auf den Markt kommen. Der neue CLA und der GLB tragen bereits zum Absatz bei. Für die vollelektrische Version des GLC liegen hohe Bestelleingänge vor. Auch die neue S-Klasse ist in Europa erfolgreich gestartet und wird schrittweise in weiteren Regionen eingeführt. Hinzu kommen der vollelektrische C-Klasse-Nachfolger sowie neue Generationen von GLE, GLS und mehreren AMG-Modellen.
Parallel dazu entwickeln sich wichtige Absatzmärkte außerhalb Chinas positiv. Im zweiten Quartal stiegen die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge um 51 Prozent auf knapp 53.000 Einheiten. In Europa legte der Absatz der Elektrofahrzeuge sogar um 87 Prozent zu. Insgesamt erhöhten sich die Pkw-Verkäufe in Europa um vier Prozent und in den USA um zehn Prozent. Ohne China wuchs der weltweite Absatz der Pkw-Sparte um zwei Prozent.
Diese Entwicklung zeigt, dass Mercedes-Benz nicht zwingend auf eine Erholung des chinesischen Marktes angewiesen ist, um wieder auf einen profitableren Wachstumspfad zurückzukehren.
Sparprogramm verbessert Ertragsaussichten
Neben den neuen Produkten machen sich inzwischen umfangreiche Kostensenkungen bemerkbar. Die allgemeinen Verwaltungskosten gingen im zweiten Quartal um 14 Prozent zurück. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sanken um zwölf Prozent, während sich die Herstellungskosten im Pkw-Geschäft um sieben Prozent verringerten.
Seit 2019 wurden die Fixkosten des Konzerns um rund ein Viertel reduziert. Das Management plant darüber hinaus, die Produktionskosten je Fahrzeug ab 2027 gegenüber 2024 um zehn Prozent zu senken. Gleichzeitig sollen die Fixkosten zwischen 2024 und 2027 ebenfalls um zehn Prozent sinken. Hinzu kommen Materialkosteneinsparungen von rund acht Prozent.
Da sowohl die Investitionen als auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bereits 2025 ihren Höchststand erreicht haben, dürfte selbst ein moderates Umsatzwachstum künftig deutlich stärkere Ergebnisverbesserungen ermöglichen.
Elektromobilität bleibt wichtiger Wachstumstreiber
Die größten Chancen für Mercedes-Benz liegen derzeit nicht in einem weltweiten Boom des Luxussegments, sondern in der fortschreitenden Elektrifizierung des europäischen Automarktes.
Der Internationale Währungsfonds? Nein. Nach Prognosen der Internationalen Energieagentur sollen weltweit 2026 rund 23 Millionen Elektrofahrzeuge verkauft werden. Das entspräche einem Marktanteil von 28 Prozent. Europa dürfte dabei zu den wichtigsten Wachstumsmärkten gehören. Dort sollen die Verkäufe von Elektroautos um rund 20 Prozent steigen und nahezu ein Drittel des Gesamtmarktes ausmachen.
Mercedes-Benz profitiert vor allem durch seine flexible Produktstrategie. Das Unternehmen bietet batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und klassische Verbrenner für dieselbe Premium-Kundschaft an. Dank der erweiterten Produktion im ungarischen Werk Kecskemét kann die Fertigung flexibel an die Nachfrage angepasst werden. Dadurch sinkt das Risiko, Produktionskapazitäten für ein langsamer wachsendes Elektroauto-Segment aufzubauen, während gleichzeitig margenstarke Verbrennermodelle weiter angeboten werden können.
Mehrere Geschäftsbereiche stabilisieren
Ein wesentlicher Vorteil von Mercedes-Benz liegt in der breiten Aufstellung des Konzerns. Während das Pkw-Geschäft derzeit unter Druck steht, entwickeln sich andere Bereiche deutlich robuster.
Mercedes-Benz Vans erzielte im zweiten Quartal eine bereinigte Umsatzrendite von 10,2 Prozent. Das bereinigte EBIT stieg auf 454 Millionen Euro. Die Verkaufszahlen legten in Nordamerika um 23 Prozent und in Europa um fünf Prozent zu. Der Absatz elektrischer Transporter erhöhte sich um 46 Prozent.
Auch Mercedes-Benz Financial Services entwickelte sich stark. Das bereinigte EBIT kletterte um 70 Prozent auf 492 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite erreichte 15,3 Prozent. Höhere Margen und effizientere Abläufe sorgten für den Ergebnisanstieg.
Zusammen mit dem margenstarken Top-End-Segment rund um S-Klasse, AMG, Maybach und G-Klasse sorgt diese breite Aufstellung für eine größere Stabilität des Konzerns. Premiumfahrzeuge machten im ersten Halbjahr 14,3 Prozent des Pkw-Absatzes aus und liegen damit weiterhin innerhalb der Zielspanne des Unternehmens.
Hohe Liquidität schafft Spielraum
Der industrielle Free Cashflow belief sich im ersten Halbjahr auf 3,0 Milliarden Euro nach 4,2 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Belastet wurde der Mittelzufluss durch Abfindungszahlungen von rund 1,1 Milliarden Euro.
Trotz Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen im Gesamtumfang von fünf Milliarden Euro verfügte Mercedes-Benz zum Quartalsende über eine industrielle Nettoliquidität von 30,4 Milliarden Euro. Diese hohe Finanzkraft verschafft dem Unternehmen erheblichen Handlungsspielraum für Investitionen und weitere Kapitalmaßnahmen.
Im Gesamtjahr 2025 erzielte Mercedes-Benz einen Umsatz von 132,2 Milliarden Euro sowie ein bereinigtes Konzern-EBIT von 8,2 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft sank allerdings auf fünf Prozent nach 8,1 Prozent im Jahr 2024. Deshalb bleibt offen, ob die Jahre 2025 und 2026 dauerhaft ein niedrigeres Ertragsniveau markieren oder lediglich eine vorübergehende Schwächephase darstellen.
Moderate Umsatzsteigerungen reichen für höhere Gewinne
Die Markterwartungen gehen davon aus, dass Mercedes-Benz den Umsatz von rund 130,4 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf etwa 134,2 Milliarden Euro im Jahr 2027 steigern wird. Gleichzeitig soll der Gewinn je Aktie von 5,43 Euro auf 6,90 Euro zulegen. Auch der industrielle Free Cashflow dürfte sich von 4,31 Milliarden Euro auf 5,48 Milliarden Euro verbessern.
Der entscheidende Hebel liegt dabei weniger im Umsatzwachstum als in einer Normalisierung der Margen. Sollte die bereinigte Umsatzrendite der Pkw-Sparte bis 2027 auf rund 6,5 Prozent steigen, könnte das operative Ergebnis allein in diesem Bereich um mehr als zwei Milliarden Euro zulegen.
Zusätzliche Unterstützung liefern die profitable Transportersparte sowie das Finanzierungsgeschäft. Insgesamt erscheint ein bereinigtes Konzern-EBIT zwischen neun und zehn Milliarden Euro erreichbar, ohne dass Mercedes-Benz bereits seine langfristigen Margenziele erfüllen müsste.
Aktienrückkäufe und Dividende erhöhen Attraktivität
Mercedes-Benz hat bereits Aktien im Wert von rund zwei Milliarden Euro zurückgekauft und plant bis zur Hauptversammlung 2027 weitere Rückkäufe von bis zu einer Milliarde Euro.
In Verbindung mit einer erwarteten Dividendenrendite von rund sieben Prozent könnten selbst moderate operative Verbesserungen zu einem überproportionalen Anstieg des Gewinns je Aktie führen.
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Bewertung lässt Spielraum
Die Aktie wird derzeit mit dem 8,7-Fachen der für 2026 erwarteten Gewinne beziehungsweise dem 6,8-Fachen der Gewinnschätzung für 2027 bewertet. Gleichzeitig liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis unter 0,5 und die erwartete Free-Cashflow-Rendite für 2027 bei rund 13 Prozent.
Im Branchenvergleich bewegt sich Mercedes-Benz zwischen BMW und Toyota, während Porsche deutlich höher bewertet wird. Volkswagen erscheint zwar günstiger, spiegelt jedoch die generell niedrigere Bewertung des Volumensegments wider.
Ausgehend von einer Bewertung mit dem 8,5-Fachen des für 2027 erwarteten Gewinns je Aktie ergibt sich ein fairer Wert von rund 59 Euro je Mercedes-Benz-Aktie. Das entspräche gegenüber dem aktuellen Kurs einem Aufwärtspotenzial von etwa 25 Prozent. Einschließlich der Dividende ergibt sich daraus eine mögliche Gesamtrendite im niedrigen 30-Prozent-Bereich.
China bleibt entscheidender Unsicherheitsfaktor
Das größte Risiko bleibt der chinesische Markt. Dort stehen die deutschen Premiumhersteller inzwischen unter erheblichem Wettbewerbsdruck durch lokale Anbieter, die sowohl bei der Technologie als auch bei den Preisen aufgeholt haben.
Sollten die Verkäufe in China dauerhaft um mehr als 15 bis 20 Prozent pro Jahr zurückgehen und gleichzeitig Europa sowie die USA ebenfalls schwächer werden, würde sich die Erholung deutlich verzögern. Ebenso kritisch wäre eine dauerhaft niedrige Profitabilität der Premiumfahrzeuge oder eine bereinigte Umsatzrendite im Pkw-Geschäft von unter 5,5 Prozent bis Mitte 2027.
Zusätzliche Risiken ergeben sich aus der Einführung von mehr als 40 neuen Modellen. Softwareprobleme, Qualitätsmängel oder Schwierigkeiten bei Zulieferern könnten die geplanten Verbesserungen verzögern. Auch steigende Kreditausfälle im Finanzierungsgeschäft oder zusätzliche Belastungen durch Zölle und Preisnachlässe könnten die Wirkung der Kostensenkungen abschwächen.
ℹ️ Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit ca. 45 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Mercedes-Benz muss nicht zu den außergewöhnlich hohen Margen früherer Jahre zurückkehren, damit sich die Aktie positiv entwickelt. Gelingt die geplante Verbesserung der Profitabilität bei gleichzeitig stabilen Geschäften außerhalb Chinas, erscheint die aktuelle Bewertung attraktiv und bietet aus heutiger Sicht weiteres Kurspotenzial. Anleger erwartet zudem eine außergewöhnlich hohe Dividendenrendite.
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