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Straße von Hormus: Öffnung verzögert sich länger als erwartet

Geopolitische Spannungen
Redaktion | Wirtschaft

Die Straße von Hormus bleibt ein heißes Eisen. Trotz Ankündigungen aus Washington und Teheran über angebliche Fortschritte ist eine schnelle Einigung alles andere als sicher. US-Präsident Donald Trump sprach am Dienstag davon, die Meerenge könnte am Mittwoch oder Donnerstag wieder geöffnet werden. Aus Teheran klang es verhaltener. Der Staatssender Press TV berichtete, man verhandle erfolgreich mit dem Oman, doch eine zügige Öffnung sei damit noch nicht garantiert.

Rundkurs als Notlösung

Im Gespräch ist eine Art Rundkurs-Lösung. Schiffe könnten demnach auf einer nördlichen Route in den Persischen Golf einfahren und auf einer südlichen Route entlang der omanischen Küste wieder ausfahren. Das Ganze wäre temporär gedacht, damit iranische Seeminen beseitigt werden können. Vor Kriegsbeginn war die freie Durchfahrt selbstverständlich. Jetzt ist sie ein Verhandlungsgegenstand.

Strategisches Gewinn für Teheran

Jedes Zugeständnis an den Iran, die Schifffahrt durch die Meerenge zu kontrollieren, ist ein strategischer Gewinn für Teheran. Denn die Islamische Republik könnte künftig Gebühren für Passagen kassieren, Kriegsschiffe ausschließen und den Zugang zum Persischen Golf dosieren. Iran-Analyst Esfandyar Batmanghelidj schrieb auf X, dass Teheran damit auch in weiteren Verhandlungen, etwa zum Atomprogramm, weiter Druck aufbauen könnte. Die Straße von Hormus wäre damit kein gelöstes Problem, sondern ein dauerhaftes Druckmittel.

Golfstaaten könnten zwar versuchen, über Überlandpipelines unabhängiger zu werden. Der britische "Economist" wies aber darauf hin, dass auch Pipelines angreifbar sind, Zeit brauchen und ohnehin nur Rohöl betreffen. Für raffinierte Produkte wie Diesel gibt es bislang keine Pipelines. Katar, der für Europa wichtige LNG-Lieferant, müsste seinen gesamten industriellen Verflüssigungskomplex neu aufbauen. Alternativen zur Meerenge würden massive Investitionen bedeuten und am Ende die Konsumenten belasten.

Wackelkandidat Trump

Der Konflikt dauert inzwischen rund fünf Monate. Trump hatte ursprünglich von einigen Wochen gesprochen. Das Rahmenabkommen vom Mitte Juni hatte die Öffnung der Meerenge bereits vorgesehen. Die Formulierungen blieben vage, und die iranischen Revolutionsgarden griffen danach Schiffe an, deren Durchfahrt Teheran nicht genehmigt hatte. Es folgte massiver US-Beschuss auf iranische Ziele, Iran antwortete mit Angriffen auf US-Ziele. Der Kreislauf dreht sich.

Innenpolitisch steht Trump unter Druck. Seine Umfragewerte sind schlecht, die Zwischenwahlen am 3. November rücken näher, und die Republikaner müssen ihre dünnen Mehrheiten in Senat und Repräsentantenhaus verteidigen. Steigende Energiepreise infolge des Krieges treiben die Benzinpreise in die Höhe. Iran-Experte Ali Vaez sagte der britischen "Financial Times", Trump könnte eine Einigung als politischen Durchbruch verkaufen. Nachhaltig wäre das aber wohl nicht.

Was das für Anleger bedeutet

Eine Einigung zur Straße von Hormus würde kurzfristig den Ölpreis belasten, da blockierte Liefermengen wieder auf den Markt kämen. Aktien von Ölproduzenten wie Shell oder BP könnten unter Druck geraten. Tankeraktien, die zuletzt von den Umwegen profitierten, dürften ebenfalls nachgeben. Auf der anderen Seite wäre eine Entspannung positiv für die Chemieindustrie und alle Sektoren mit hohem Energiebedarf. Meiner Meinung nach sollte man angesichts der bisherigen Muster in diesem Konflikt aber nicht auf eine dauerhafte Lösung setzen. Das Risiko eines erneuten Aufflammens ist aktuell zu groß, als dass sich eine strukturelle Neupositionierung lohnen würde.
Quelle: dpa-AFX

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