Die Diplomatie läuft auf Hochtouren. Rund um die Straße von Hormus mehren sich die Signale, dass eine Einigung zwischen dem Iran und den USA greifbar nah ist. Der katarische Außenamtssprecher Madschid al-Ansari sprach von Bemühungen, die bereits weit fortgeschritten seien und sich in den nächsten Stunden oder Tagen konkretisieren könnten.
Öffnung der Meerenge rückt näher
US-Finanzminister Scott Bessent äußerte sich in einem CNBC-Interview ungewohnt optimistisch. Er halte eine Einigung zur Öffnung der Meerenge noch heute oder morgen für möglich. Von Gebühren für die Durchfahrt geht er dabei nicht aus, er rechnet mit freier Passage. Das klingt gut, zumindest auf den ersten Blick.
Denn der Iran brachte ein Modell ins Spiel, das die USA nicht vollständig überzeugt. Frachter sollen demnach auf einer nördlichen Route durch iranische Hoheitsgewässer in die Straße von Hormus einfahren und auf dem Rückweg eine südliche Route durch omanische Gewässer nehmen. Das US-Verteidigungsministerium hat laut der New York Times erhebliche Vorbehalte. Die noch immer verlegten iranischen Seeminen in omanischen Gewässern machen jede Passage dort koordinierungspflichtig mit Teheran. Das käme einer Kapitulation gleich, heißt es aus dem Pentagon.
Schifffahrt durch Hormus fast zum Erliegen
Während die Gespräche laufen, zeigen die Zahlen, wie ernst die Lage ist. Am Montag passierten lediglich neun Schiffe die Meerenge, in der Vorwoche waren es im Tagesdurchschnitt noch 16. Und auch in der Nacht auf Dienstag geriet ein Frachter rund 37 Kilometer nordöstlich von Al Chasab unter Beschuss. Die britische Sicherheitsbehörde UKMTO bestätigte den Vorfall, machte aber keine Angaben zu Schäden oder Verletzten.
Zusätzlich beeinträchtigt die Huthi-Miliz aus dem Jemen weiterhin die Schifffahrt durch den Bab al-Mandab am Ausgang des Roten Meers. Meiner Meinung nach ist das eine gefährliche Gemengelage, die den globalen Seehandel unter erheblichem Druck hält.
Israel und Libanon verhandeln in Rom
Parallel läuft die siebte Gesprächsrunde zwischen Israel und dem Libanon, diesmal in Rom, bis voraussichtlich Donnerstag. Seit April führen beide Seiten erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche. Zentrales Thema ist ein unterirdisches Tunnelsystem der Hisbollah. Das Rahmenabkommen sieht den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon sowie die Entwaffnung der Hisbollah vor. Beide Punkte sind bislang nicht umgesetzt. Washington vermittelt und versucht dabei, eine Lösung zu erzielen, die unabhängig vom Iran trägt.
Was bedeutet das für die Börse?
Eine Einigung über die Straße von Hormus könnte kurzfristig für Entspannung an den Energiemärkten sorgen. Der Ölpreis dürfte bei einer gesicherten Durchfahrt unter Druck geraten, was Raffinerien und Chemiekonzerne mit hohem Rohstoffbedarf entlasten würde. Reedereien und Logistikwerte wie Hapag-Lloyd könnten hingegen von normalisierten Handelsrouten profitieren. Solange die Einigung aber nur in Aussicht stehe und Seeminen das Fahrwasser buchstäblich unsicher machten, bleibt das Risiko hoch. Eine tragfähige Lösung, die auch das Atomprogramm des Iran einschließe, würde den Märkten deutlich mehr Rückenwind geben als ein kurzfristiges Durchfahrtsabkommen.
Quelle: dpa-AFX
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