Straße von Hormus: Iran bezeichnet US-Behauptung als "glatte Lüge"
Rund ein halbes Jahr nach dem Beginn der ersten israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran liefern sich beide Seiten einen Streit um die Straße von Hormus, der sich langsam zur Dauerschleife entwickelt. Die Marine der Iranischen Revolutionsgarden bezeichnet die US-Behauptung, die Meerenge sei offen, kurzerhand als "glatte Lüge" und wirft Washington vor, damit lediglich die Ölpreise manipulieren und die eigene Niederlage kaschieren zu wollen.
Wer kontrolliert wirklich die Meerenge?
Über den Telegram-Kanal Sepah News machten die Revolutionsgarden unmissverständlich klar, dass Schiffe ohne vorherige Abstimmung mit dem Iran die Meerenge schlicht nicht passieren dürfen. Vollständig und entscheidend, so die Formulierung der Garde, sei die eigene Kontrolle. Das Ganze soll so bleiben, bis die USA ihre "Aggression" beenden und die Verpflichtungen aus einem vor rund zweieinhalb Monaten geschlossenen Rahmenabkommen erfüllen, das mittlerweile ausgelaufen ist.
Auf der anderen Seite präsentierte Centcom-Kommandeur Brad Cooper am Donnerstag ein gänzlich anderes Bild. Das US-Militär habe die Meerenge in den vergangenen Monaten von Minen befreit, die internationalen Schifffahrtsrouten seien heute offen. US-Präsident Donald Trump hatte bereits Mitte des Monats behauptet, die Straße sei minenfrei, vollständig geöffnet und werde zu 100 Prozent von den USA kontrolliert. Unabhängig überprüfen lässt sich das alles kaum.
Die Zahlen sprechen eine eigene Sprache
Laut der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO passierten in den vergangenen sieben Tagen täglich etwa 29 Frachter die Meerenge. Vor Kriegsbeginn waren es im Februar nach Angaben der Weltschifffahrtsorganisation IMO noch knapp 130 Schiffe täglich. Das ist ein Einbruch von rund 78 Prozent. Für eine Wasserstraße, über die ein erheblicher Teil der weltweiten Öl-, Gas- und Düngerexporte aus den Golfstaaten läuft, sind das dramatische Zahlen.
Was bedeutet das für Öl-Aktien und den Markt?
Die Lage an der Straße von Hormus ist weiterhin ein großes Risiko für den gesamten Energiesektor. Solange beide Seiten weiter widersprüchliche Aussagen über die Kontrolle der Meerenge veröffentlichen und der Schiffsverkehr auf einem Bruchteil des Vorkriegsniveaus bleibt, dürfte die Unsicherheit bei Öl- und Gaspreisen hoch bleiben. Für Aktien von Energieunternehmen, Tankern oder Reedereien könnte das weitere Volatilität bedeuten. Der Konflikt steckt in einer Sackgasse, ein schnelles Ende ist nicht absehbar. Es bleibt zu befürchten, dass der Markt das noch nicht vollständig eingepreist hat.
Quelle: dpa-AFX
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