Die Straße von Hormus bleibt ein Nadelöhr mit geopolitischer Sprengkraft. Teheran und Maskat verhandeln über geografische Koordinaten für die Schiffsdurchfahrt, und laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai soll eine gemeinsame Erklärung so gut wie fertig sein. Die USA waren an diesen Gesprächen nicht beteiligt, was angesichts des anhaltenden Kriegszustands zwischen Washington und Teheran wenig überraschend ist.
Rundkurs statt freie Fahrt
Konkret soll ein Routenmodell auf dem Tisch liegen, bei dem Schiffe über eine nördliche Route in den Persischen Golf einfahren und ihn auf einer südlichen Route entlang der omanischen Küste wieder verlassen. Vor Ausbruch des Krieges Ende Februar konnten Schiffe die Meerenge noch ungehindert passieren. Baghai machte jedoch klar, dass selbst eine Einigung keine sichere Durchfahrt garantieren könne, solange die US-Blockade und andere Maßnahmen gegen den Iran andauerten.
Laut CNN schätzte ein ranghoher Vertreter der Golfstaaten die Chancen auf eine Einigung bis Freitag auf 50 zu 50. Ein zentrales Problem ist das Fehlen von Vertretern der Revolutionsgarden in der iranischen Delegation, obwohl genau diese die Details genehmigen müssen. Außerdem soll es sich zunächst nur um eine Übergangslösung handeln, während vom Iran verlegte Seeminen geräumt werden. Der türkische Außenminister Hakan Fidan sprach in Ankara von einem vorübergehenden Mechanismus, der, ähnlich wie das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen, innerhalb von 60 Tagen in ein dauerhaftes Abkommen münden könnte.
Trump und die Munitionsdebatte
Parallel dazu brodelt es in Washington. Mehrere US-Medien, darunter CNN und die Washington Post, berichteten unter Berufung auf Insider von massiven Rückgängen im US-Raketenarsenal als Folge des Iran-Kriegs. Trump reagierte auf Truth Social und schrieb, die USA verfügten über gewaltige Mengen an Munition, besonders bestimmter Arten, und drohte denjenigen, die diese Informationen weitergegeben haben, mit langjährigen Haftstrafen.
Die Washington Post berichtete zudem, Trump habe beim Camp-David-Gipfel am vergangenen Wochenende von Verteidigungsminister Pete Hegseth Erklärungen zu extremen Munitionsengpässen gefordert. Hegseth soll daraufhin seinen Stellvertreter Stephen Feinberg verantwortlich gemacht haben, auch dafür, dass Trump nicht vollständig informiert worden sei. Pentagonsprecher Sean Parnell wies beide Darstellungen als erfunden zurück. Auch Pressesprecherin Karoline Leavitt bezeichnete die kolportierte Konfrontation zwischen Trump und Hegseth als zu 100 Prozent Fake News.
Was bedeutet das für die Börse
Meiner Meinung nach ist die Lage an der Straße von Hormus für die Märkte weiterhin das entscheidende Risiko. Eine 50-zu-50-Chance auf eine Einigung bis Freitag ist alles andere als beruhigend. Sollte eine Übergangslösung scheitern, dürften Öl- und Rüstungsaktien unmittelbar reagieren. Rüstungskonzerne wie Lockheed Martin oder RTX könnten bei anhaltenden Munitionsdebatten und steigenden Produktionsankündigungen kurzfristig profitieren, während Energiewerte bei einer tatsächlichen Öffnung der Meerenge unter Druck geraten dürften. Ich glaube, die Unsicherheit bleibt vorerst das Grundrauschen, das die Kurse in der Region und bei rohstoffnahen Titeln weiter in Atem halten wird.
Quelle: dpa-AFX
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