Irak: Jetzt eskaliert der Konflikt mit US, Saudi-Arabien und Iran gleichzeitig
Mitten in laufenden Diplomatieversuchen eskaliert der Nahostkonflikt weiter. Teherans Streitkräfte haben erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf den Iran wieder US-Ziele in der Region angegriffen. Gleichzeitig griffen die USA gemeinsam mit Saudi-Arabien Ziele im Irak an.
Iranischer Raketenangriff auf US-Basis abgewehrt
Das US-Militär meldete in der Nacht, einen Angriff mit mehreren ballistischen Raketen abgewehrt zu haben. Alle Raketen seien erfolgreich abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom mit. Welches Ziel genau getroffen werden sollte, blieb zunächst unklar. Der iranische Rundfunk verbreitete eine Erklärung der Revolutionsgarden, wonach der Angriff einer US-Militärbasis in Jordanien gegolten habe. Jordaniens Streitkräfte bestätigten, fünf Raketen aus dem Iran abgefangen zu haben.
Iran-Experte Hamidreza Azizi wies darauf hin, es sei das erste Mal, dass der Iran angegriffen habe, ohne zuvor von den USA oder Israel selbst attackiert worden zu sein. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Der Angriff dürfte als Warnung an Washington gemeint gewesen sein, sich keiner neuen Militärkampagne gegen Teheran anzuschließen oder eine solche einzuleiten. Hintergrund war wohl der Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Weißen Haus am Dienstag.
USA und Saudi-Arabien greifen im Irak an
Amerikanische und saudi-arabische Kampfflugzeuge attackierten mehrere Logistik- und Waffenlager einer nicht näher genannten Gruppierung im Osten des Iraks. Centcom nannte als Begründung mehr als 30 Drohnenangriffe in den vergangenen 72 Stunden, die die iranischen Revolutionsgarden angeordnet haben sollen. Die sogenannten Volksmobilisierungskräfte, ein Bündnis aus überwiegend schiitischen und Iran-treuen Milizen im Irak, meldeten 20 getötete und 32 verletzte Kämpfer. Getroffen wurden Ziele im Raum Bagdad, im südlichen Basra sowie in Ninive im Norden des Landes.
Infolge der Angriffe berief der irakische Ministerpräsident Ali al-Saidi eine Krisensitzung des nationalen Sicherheitsrates ein. Die Regierung al-Saidis strebt zwar eine Entwaffnung der Milizen an, realistisch wirkt das derzeit nicht.
Verhandlungen stocken, Munition wird knapp
Die USA hatten Ende vergangener Woche auf weitere Angriffe im Iran verzichtet. US-Präsident Donald Trump wollte damit den laufenden Verhandlungen mit Teheran eine Chance geben. Davor hatte das US-Militär fast zwei Wochen lang jede Nacht Ziele im Iran angegriffen. Berichten zufolge könnten auch schwindende Munitionsreserven eine Rolle gespielt haben. Laut "New York Times" geht es dabei vor allem um Luftabwehr-Munition wie Patriot-Raketen.
Auf der diplomatischen Seite sieht es ebenfalls düster aus. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hat der Iran einen neuen Verhandlungsvorschlag des Omans zurückgewiesen. Teheran beanspruche einen größeren Anteil der Routen durch die Straße von Hormus und lehne den omanischen Vorschlag daher ab.
Auswirkungen auf Öl und Börse
Die Ölpreise werden kurzfristig weiter unter Druck bleiben, solange keine Entspannung in Sicht ist. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Öl-Transitrouten der Welt, und jede Eskalation in ihrer Nähe treibt die Risikoprämie im Rohölpreis nach oben. Das wiederum belastet energieintensive Branchen und drückt auf die Stimmung an den Aktienmärkten. Ölproduzenten und Rüstungsunternehmen könnten dagegen von der anhaltenden Unsicherheit profitieren. Vor diesem Hintergrund sollte man als Anleger die weitere Entwicklung genau im Blick behalten, denn eine schnelle Deeskalation erscheint derzeit kaum realistisch.
Quelle: dpa-AFX
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