Gerresheimer-Aktie: Ist ein Kursziel von 40 € gerechtfertigt?
Interims-CEO verlässt das Unternehmen vorzeitig
Als Gerresheimer Ende 2025 in eine schwierige Situation geriet, wurde Uwe Röhrhoff zum Interims-CEO bestellt. Sein Vertrag war ursprünglich bis Oktober 2026 vorgesehen. Am 25. August beendete er seine Tätigkeit jedoch aus persönlichen Gründen vorzeitig.
Der Aufsichtsrat dankte Röhrhoff für die von ihm eingeleiteten Maßnahmen und seinen Beitrag zur Stabilisierung des Unternehmens. Seine Aufgaben übernehmen vorerst CFO Wolf Lehmann sowie Vorstandsmitglied Achim Schalk.
Entscheidend ist nun, wer künftig die Führung des Unternehmens übernimmt.
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Verkauf von Geschäftseinheiten verbessert Finanzlage
Ein wichtiger Baustein zur Stabilisierung der finanziellen Situation ist der Verkauf zweier Geschäftsbereiche.
Gerresheimer hat die US-Tochter Centor sowie das globale Geschäft mit Primary Packaging für insgesamt 1,5 Milliarden € an den Finanzinvestor Apex Partners verkauft. Der Verkauf der US-Tochter soll noch im Jahr 2026 abgeschlossen werden. Der Abschluss der zweiten Transaktion wird laut Unternehmensangaben voraussichtlich im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres erfolgen.
Mit den Verkaufserlösen soll unter anderem ein Schuldscheindarlehen in Höhe von 870 Millionen € zurückgezahlt werden. Damit ist ein wesentlicher Teil der finanziellen Belastungen abgesichert.
Vertrauen kehrt langsam zurück
Vertrauen ist an der Börse häufig ein entscheidender Kurstreiber. Genau dieses Vertrauen hatte Gerresheimer in den vergangenen Monaten weitgehend verloren.
Auslöser waren bilanzielle Unregelmäßigkeiten, die schließlich auch Untersuchungen der BaFin nach sich zogen. Besonders belastend war die Verzögerung bei der Veröffentlichung des testierten Jahresabschlusses. Die damit verbundene Unsicherheit setzte die Aktie erheblich unter Druck.
Mittlerweile hat sich die Situation deutlich stabilisiert. Mit der Vorlage des testierten Jahresabschlusses konnte Gerresheimer einen wichtigen Unsicherheitsfaktor beseitigen. Die anschließende Kurserholung zeigt, dass Investoren dem Unternehmen und dem neuen Management zunehmend wieder Vertrauen entgegenbringen.
Bewertung
Dass Interims-CEO Uwe Röhrhoff das Unternehmen vorzeitig verlässt, sehe ich nicht als entscheidendes Problem. Seine zentrale Aufgabe bestand in der Bewältigung der Krise und der Stabilisierung des Unternehmens. Diese Phase ist weitgehend abgeschlossen. Nun kommt es darauf an, eine dauerhafte Führungslösung zu finden.
Wichtiger für die weitere Entwicklung ist die verbesserte Finanzlage. Durch den Verkauf der beiden Geschäftseinheiten verfügt Gerresheimer über deutlich mehr finanziellen Spielraum.
Belastend wirken allerdings weiterhin die relativ hohen Shortpositionen. Insgesamt sollen sich diese auf rund 6,5% belaufen. Während die meisten Shortseller ihre Positionen zuletzt reduziert haben, erhöhte DE Shaw & Co. seine Position auf 1,64%.
Mit der Veröffentlichung des nächsten Quartalsberichts dürfte sich zudem besser beurteilen lassen, wie sich das operative Geschäft tatsächlich entwickelt.
Bis das verlorene Vertrauen wieder vollkommen vorhanden ist, dürfte es noch eine Weile dauern. Somit kann es immer wieder zur Kursrückgängen kommen.
ℹ️ Gerresheimer in Kürze
- Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
- Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
- Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 883 Millionen €.
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Fazit
Aus meiner Sicht ist das Schlimmste bei Gerresheimer überstanden. Die finanzielle Situation hat sich durch die geplanten Verkäufe deutlich stabilisiert, und mit dem testierten Jahresabschluss wurde ein wichtiger Unsicherheitsfaktor beseitigt.
Sollte sich nun auch die operative Ertragslage wieder verbessern, wären dies gute Voraussetzungen für eine nachhaltige Kurserholung.
Auf dem aktuellen Kursniveau sehe ich daher weiterhin interessante Einstiegschancen. Mittelfristig halte ich Kurse von 40 € für realistisch. Das würde vom aktuellen Niveau einem deutlichen Aufwärtspotenzial entsprechen. Diesen Optimismus teilt auch JP Morgan mit einem Kursziel von 46 €. Allerdings gibt es unter den Analysten auch deutlich vorsichtigere Einschätzungen.
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