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ExxonMobil-Aktie: Warum reicht dieser Gewinnsprung nicht?

Ein gutes Jahresviertel
Vincent Uhr
Die ExxonMobil-Aktie verliert am Freitag trotz starker Quartalszahlen -1% und beendet den Handel bei 155,44 US$. Zeitweise lag das Minus sogar bei rund -3%. Dabei hat der US-Ölkonzern seinen Gewinn im zweiten Quartal mehr als verdoppelt und einen neuen Förderrekord im Permian Basin erreicht. Warum reagieren die Anleger trotzdem enttäuscht – und ist die Aktie nach dem Rücksetzer ein Kauf?

Gewinnsprung mit einem kleinen Makel

ExxonMobil verdiente im zweiten Quartal 14,5 Milliarden US$. Bereinigt lag der Gewinn bei 14,7 Milliarden US$ beziehungsweise 3,52 US$ je Aktie. Analysten hatten im Durchschnitt mit 3,54 US$ gerechnet. Die Verfehlung um zwei Cent fällt minimal aus, reichte nach der vorherigen Kursrallye jedoch für Gewinnmitnahmen.

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Beim Umsatz übertraf ExxonMobil die Erwartungen deutlich. Die Erlöse erreichten 116,02 Milliarden US$, während der Markt lediglich mit 97,80 Milliarden US$ gerechnet hatte. Der operative Cashflow sprang von 8,71 auf 23,56 Milliarden US$. Daraus entstand ein freier Cashflow von 17,24 Milliarden US$.

Rekordförderung im Permian Basin

Operativ lief es besonders in der Öl- und Gasförderung stark. ExxonMobil produzierte täglich 4,51 Millionen Barrel Öläquivalent. Ohne die Ausfälle im Nahen Osten erreichte die Förderung den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.

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Im Permian Basin förderte der Konzern erstmals mehr als 1,8 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag. Das Management plant dort bis 2030 weiterhin mit einem durchschnittlichen Produktionswachstum von +9% pro Jahr. Zusätzlich soll im vierten Quartal eine fünfte Förderplattform in Guyana starten und weitere 250.000 Barrel tägliche Kapazität hinzufügen.

Auch das Raffineriegeschäft erholte sich kräftig. Die Sparte Energy Products erzielte nach einem Verlust von -1,26 Milliarden US$ im ersten Quartal nun einen Gewinn von 5,47 Milliarden US$. Bereinigt um Bewertungs- und Preiseffekte waren es allerdings lediglich 4,10 Milliarden US$. Zudem belasteten geplante Wartungsarbeiten das Ergebnis.

9,4 Milliarden US$ für die Aktionäre

ExxonMobil schüttete im zweiten Quartal insgesamt 9,4 Milliarden US$ an seine Aktionäre aus. Davon entfielen 4,3 Milliarden US$ auf Dividenden und 5,1 Milliarden US$ auf Aktienrückkäufe. Der freie Cashflow deckte diese Rückflüsse damit problemlos ab.

Für das dritte Quartal zahlt der Konzern erneut 1,03 US$ je Aktie. Hochgerechnet ergibt sich beim aktuellen Kurs eine Dividendenrendite von rund 2,7%. Die Aktie hatte seit Jahresanfang vor den Quartalszahlen allerdings bereits rund +30% gewonnen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen.

ℹ️ ExxonMobil in Kürze

  • Exxon beginnt mit der Gründung der legendären Standard Oil Company durch John D. Rockefeller im Jahr 1870 und sitzt heute in Texas, USA.
  • Als globaler Öl- und Gaskonzern teilen sich die Geschäfte in Upstream (Suche und Förderung von Rohöl/Erdgas), Product Solutions (Raffinerien, Treibstoffe der Marke Esso, Chemie und Mobil) sowie die wachsende Sparte Low Carbon Solutions auf.
  • ExxonMobil besitzt entlang der US-Golfküste ein über 900 Meilen (ca. 1.450 km) langes CO₂-Pipelinenetz.
  • Mit einer Marktkapitalisierung von rund 644 Milliarden US$ liegt Exxon global im Energiesektor nur hinter dem staatlichen Riesen Saudi Aramco.

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Vincent Uhr

Fazit

Der Kursrückgang ist für mich eher eine Gewinnmitnahme als ein operatives Warnsignal. ExxonMobil überzeugt mit Rekordförderung, einem starken Cashflow und hohen Kapitalrückführungen. Allerdings profitierte das Quartal von ungewöhnlich hohen Ölpreisen und Raffineriemargen. Nach rund +30% seit Jahresanfang würde ich nicht hinterherlaufen. Investierte Anleger können die Aktie halten, Neueinsteiger sollten einen stärkeren Rücksetzer abwarten, um sich die Dividendenperle mit einem attraktiveren Chance-Risiko-Verhältnis zu sichern.