stock.adobe.com/nmann77

Evotec-Aktie: Diese Aspekte entscheiden über die zukünftige Kursentwicklung

Kursschwäche hält an
Die Schwäche der Evotec-Aktie hält weiter an. Seit dem Kursabsturz im Juli setzt sich der Abwärtstrend fort. Am Mittwoch notiert die Aktie aktuell bei 3,15 € und damit auf einem neuen Mehrjahrestief. Hier stellt sich die Frage: Ist ein Turnaround möglich?

Vertrauensverlust nimmt zu

Der anhaltende Kursrückgang zeigt, dass das Vertrauen der Anleger weiterhin gering ist. Mittlerweile nähert sich die Aktie der wichtigen Marke von 3 €.

Ein nachhaltiges Unterschreiten dieser Marke könnte den Verkaufsdruck weiter erhöhen und das Vertrauen zusätzlich belasten.

Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob sich die Geschäftsentwicklung stabilisieren konnte.

Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Deutliche Verschlechterung der Finanzprognose

Im Juli wurden die Anleger von einer deutlichen Senkung der Jahresprognose überrascht.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Evotec nun einen Umsatz von 570 bis 610 Millionen €. Zuvor hatte die Prognose noch bei 700 bis 780 Millionen € gelegen.

Noch deutlicher fiel die Anpassung beim Ergebnis aus. Statt eines bereinigten EBITDA von 0 bis 40 Millionen € wird nun ein EBITDA-Verlust von 70 bis 105 Millionen € erwartet.

Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 300,1 Millionen €, während das bereinigte EBITDA bei -42,7 Millionen € lag.

Damit bleibt 2026 für Evotec ein schwieriges Übergangsjahr.

Operativ gibt es trotzdem erste positive Signale

Positiv ist jedoch, dass sich einzelne Bereiche des Geschäfts bereits verbessern.

Im Segment D&PD stiegen die Nettoverkäufe im ersten Halbjahr um 28% gegenüber dem Vorjahr. Das Unternehmen berichtet zudem von einer höheren Kundenaktivität.

Auch das aktuelle Transformationsprogramm „Horizon“ kommt laut Unternehmensangaben planmäßig voran. Evotec erwartet, 2026 bereits rund 20 bis 30% des bis Ende 2027 angestrebten jährlichen Kostenbeitrags von 75 Millionen € zu realisieren.

Die kommenden Quartalszahlen werden zeigen, wie weit die Umsetzung des Transformationsprogramms tatsächlich fortgeschritten ist.

Neue Kooperationen im KI- und Biotech-Bereich

Am 6. August 2026 kündigte Evotec eine KI-gestützte Forschungskooperation mit Odyssey Therapeutics im Bereich Autoimmun- und Entzündungserkrankungen an.

Noch aktueller ist die am 2. September 2026 bekannt gegebene Kooperation mit Plectonic Biotech. Dabei soll Evotecs BiTCo-Plattform mit Plectonics LOGIBODY-Technologie kombiniert werden, um neue T-Zell-aktivierende Ansätze gegen solide Tumoren zu erforschen.

Solche Kooperationen sind für die langfristige Entwicklung von Evotec von Bedeutung. Sie zeigen, dass das Unternehmen weiterhin über eine umfangreiche Forschungsplattform und interessante technologische Ansätze verfügt.

Bewertung

Die neuen Kooperationen sind grundsätzlich positiv zu bewerten. Für die Aktionäre ist jedoch entscheidender, wann sich die operative Verbesserung tatsächlich im Umsatz und vor allem im Ergebnis niederschlägt.

Genau hier liegt derzeit das größte Problem.

Wichtig wäre, dass Evotec mit den kommenden Quartalszahlen die aktuelle Jahresprognose bestätigen kann. Eine erneute Senkung dürfte das Vertrauen der Anleger weiter belasten.

Die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal sollen am 5. November veröffentlicht werden. Die vorläufigen Zahlen dürften bereits früher vorliegen.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarte ich keine nachhaltige Erholung. Entscheidend wird daher vor allem der Ausblick auf das kommende Geschäftsjahr sein.

Die verschobenen Projekte und die damit verbundenen Meilensteinzahlungen sollen sich laut Unternehmensangaben im Jahr 2027 stärker in den Geschäftszahlen niederschlagen.

Auch bei den Analysten gehen die Einschätzungen deutlich auseinander. RBC bestätigte zuletzt ein Kursziel von 10 €. Die Deutsche Bank mit 3,50 € und Berenberg mit 3,60 € bleiben dagegen deutlich vorsichtiger.

ℹ️ Evotec in Kürze

  • Evotec (WKN: 566480) mit Sitz in Hamburg ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffforschung.
  • In Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit Biotech-Unternehmen und Pharmakonzernen weltweit erforscht und entwickelt Evotec Wirkstoffkandidaten für Therapieansätze in verschiedensten medizinischen Richtungen.
  • Evotec ist Mitglied im TecDAX und knapp 560 Millionen € wert.

Evotec kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Evotec und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Evotec weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Fazit

In der derzeitigen Verfassung bietet die Aktie aus meiner Sicht keine geeignete Einstiegsbasis. Anleger sollten daher zunächst abwarten.

Für risikobewusste Anleger mit einem längeren Anlagehorizont stellt sich die Situation allerdings anders dar. Auf dem aktuellen Kursniveau besteht grundsätzlich die Möglichkeit hoher Kursgewinne – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der operative Turnaround gelingt.

Damit bleibt Evotec eine spekulative Turnaround-Wette. Entscheidend sind die kommenden Quartalszahlen und vor allem der Ausblick auf 2027.

Hinweis: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.

Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Evotec. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.