Deutsche-Telekom-Aktie: 40-Milliarden-Euro-Risiko schwindet!
Brüssel rückt von der festen Frist ab
Die EU-Kommission wollte Telekommunikationsunternehmen ursprünglich verpflichten, Komponenten von Anbietern wie Huawei und ZTE innerhalb von 36 Monaten aus kritischen Netzen zu entfernen. Ein neuer Entwurf der Mitgliedstaaten enthält diese feste Frist nicht mehr.
Stattdessen sollen unter anderem das tatsächliche Sicherheitsrisiko, die Lebensdauer der installierten Technik, reguläre Austauschzyklen und die Verfügbarkeit geeigneter Alternativen berücksichtigt werden. Die Betreiber könnten vorhandene Komponenten damit eher im Zuge ohnehin geplanter Modernisierungen ersetzen.
Telekom-Chef Tim Höttges und 16 weitere Branchenvertreter hatten zuvor vor Austauschkosten von bis zu 40 Milliarden € gewarnt. Die Summe betrifft den gesamten europäischen Sektor und nicht allein die Deutsche Telekom. Dennoch zählt der Konzern aufgrund seiner Netze in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu den besonders betroffenen Unternehmen.
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Der Zeitgewinn schützt den Cashflow
Für die Deutsche Telekom bedeutet der neue Vorschlag keine vollständige Entwarnung. In Deutschland gelten bereits Vereinbarungen mit der Bundesregierung. Kritische Komponenten von Huawei und ZTE müssen bis Ende 2026 aus den 5G-Kernnetzen und bis Ende 2029 aus wichtigen Bereichen der Zugangs- und Transportnetze verschwinden.
Auf europäischer Ebene könnte der flexiblere Ansatz dennoch erhebliche Vorteile bringen. Muss funktionierende Technik nicht vorzeitig abgeschrieben und ersetzt werden, bleibt mehr Geld für Glasfaser, 5G und später 6G übrig. Gleichzeitig lassen sich zusätzliche Investitionen über einen längeren Zeitraum verteilen.
Genau das ist für die Investmentthese wichtig. Telekommunikationsnetze benötigen ohnehin dauerhaft hohe Ausgaben. Politisch erzwungene Sonderinvestitionen schaffen dagegen kaum zusätzliche Umsätze und belasten deshalb den freien Cashflow besonders stark.
Operativ läuft es deutlich besser als der Kurs
Im zweiten Quartal steigerte die Deutsche Telekom ihren Umsatz organisch um 3,3% auf 29,9 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA AL legte organisch um 7,3% auf 11,8 Milliarden € zu. Der bereinigte Nettogewinn erhöhte sich sogar um 11,1% auf 2,8 Milliarden €.
Auch der freie Cashflow AL verbesserte sich um 3,1% auf 5 Milliarden €. Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand inzwischen rund 20 Milliarden €, nach zuvor mehr als 19,8 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA AL soll ungefähr 47,5 Milliarden € erreichen.
Damit wächst der Cashflow wesentlich schneller, als es der schwache Aktienkurs vermuten lässt. Belastend wirken derzeit vor allem die Sorgen um den Wettbewerb in den USA, den kapitalintensiven Glasfaserausbau und mögliche regulatorische Eingriffe.
Mehr als 4% Dividendenrendite winken
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte die Telekom 1 € je Aktie – 11% mehr als im Vorjahr. Der aktuelle Analystenkonsens erwartet für 2026 bereits 1,12 €. Beim derzeitigen Kurs entspräche dies einer Dividendenrendite von rund 4,3%.
Bis 2030 könnte die Ausschüttung laut Konsens auf 1,67 € je Aktie steigen. Unterstützt wird die Kapitalrückgabe durch Aktienrückkäufe von bis zu 5 Milliarden € im laufenden Jahr.
Auch die Analysten bleiben überwiegend zuversichtlich. Berenberg bestätigte aktuell seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 35,20 €. Bernstein ist mit 28,10 € deutlich vorsichtiger, sieht damit aber ebenfalls noch etwas Potenzial.
ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze
- Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
- Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
- Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 126 Milliarden €.
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Fazit
Die Lockerung der EU-Pläne beseitigt das Huawei-Risiko nicht, könnte aber teure vorzeitige Austauschmaßnahmen verhindern. Zusammen mit steigenden Gewinnen, rund 4,3% erwarteter Dividendenrendite und umfangreichen Rückkäufen erscheint mir die Deutsche-Telekom-Aktie bei rund 26 € wieder attraktiv.