Deutsche Telekom

Deutsche Telekom-Aktie: Schlummern hier 23 Milliarden US$?

Analyse der Einzelteile
Vincent Uhr
Die Deutsche Telekom-Aktie notiert bei rund 27,20 € und damit etwa 18% unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Gleichzeitig sieht eine aktuelle Sum-of-the-Parts-Betrachtung einen möglichen versteckten Wert von 23 Milliarden US$. Die jüngste Milliardenübernahme in Polen zeigt nun, wie der Konzern seinen Bewertungsabschlag zumindest schrittweise reduzieren will.

T-Mobile US dominiert den Konzern

Die Deutsche Telekom besitzt rund 54% an T-Mobile US. Die Beteiligung war in den vergangenen Jahren der größte Werttreiber, hat den Konzern aber zunehmend in ein Ungleichgewicht gebracht. Mittlerweile entfallen rund zwei Drittel des bereinigten operativen Ergebnisses nach Leasingkosten auf das US-Geschäft.

Reuters Breakingviews hat den Wert der T-Mobile-Beteiligung, die Minderheitsanteile und die Nettoverschuldung aus dem Unternehmenswert der Deutschen Telekom herausgerechnet. Demnach bewertet die Börse die europäischen Aktivitäten lediglich mit rund 82 Milliarden US$ beziehungsweise dem 4,8-Fachen des für 2027 erwarteten operativen Ergebnisses. Vergleichbare europäische Telekomkonzerne kommen durchschnittlich auf einen Faktor von 6,1.

Würde der Markt das Europageschäft entsprechend höher bewerten, könnten rechnerisch rund 23 Milliarden US$ zusätzlicher Wert entstehen. Eine vollständige Abspaltung von T-Mobile US erscheint politisch und strategisch allerdings wenig realistisch.

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Polen zeigt die neue Richtung

Statt den Konzern aufzuteilen, könnte die Deutsche Telekom ihr Europageschäft durch Übernahmen stärken. Einen ersten größeren Schritt hat sie bereits unternommen: Für rund 1 Milliarde € übernimmt der Konzern den polnischen Glasfasernetzbetreiber Fiberhost und den Internetanbieter Inea.

Fiberhost erreicht mehr als 1,4 Millionen Haushalte mit Glasfaser, während Inea über 300.000 Kunden mitbringt. T-Mobile Polska entwickelt sich dadurch von einem vorwiegend auf Mobilfunk ausgerichteten Anbieter zu einem integrierten Telekomkonzern mit eigener Festnetzinfrastruktur.

Weitere Zukäufe in Polen, der Slowakei oder im deutschen Glasfasermarkt wären denkbar. Zur Finanzierung müsste die Telekom ihre US-Beteiligung nicht aufgeben. Eine Verringerung des Anteils an T-Mobile US auf knapp über 50% könnte vor Steuern fast 8 Milliarden US$ einbringen, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Cashflow und Kapitalrückgaben überzeugen

Operativ befindet sich der Konzern weiterhin auf Wachstumskurs. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz organisch um 3,3% auf 29,9 Milliarden €. Das bereinigte operative Ergebnis nach Leasingkosten verbesserte sich organisch um 7,3% auf 11,8 Milliarden €.

Der freie Cashflow erhöhte sich auf 5 Milliarden €, während der bereinigte Nettogewinn um 11,1% auf 2,8 Milliarden € zulegte. Für das Gesamtjahr erwartet das Management inzwischen einen freien Cashflow von rund 20 Milliarden €.

Davon profitieren die Aktionäre unmittelbar. Das Aktienrückkaufprogramm wurde von 2 auf bis zu 5 Milliarden € erhöht. Für 2025 zahlte die Telekom zudem eine Dividende von 1 € je Aktie. Der Analystenkonsens erwartet für 2026 bereits 1,12 €, woraus beim aktuellen Kurs eine mögliche Dividendenrendite von rund 4,1% resultiert.

Analysten erwarten eine deutliche Erholung

Das durchschnittliche Kursziel von acht Analysten liegt bei 35,84 € und damit rund 32% über dem aktuellen Kurs. Barclays nennt 35 €, UBS 36,20 €, Bernstein 37 € und die Deutsche Bank 40 €. Deutlich vorsichtiger bleibt JPMorgan mit 27,50 €.

ℹ️ Deutsche Telekom in Kürze

  • Die Deutsche Telekom (WKN: 555750) gehört zu den weltweit führenden Konzernen für Telekommunikations- und Informationstechnologie. Die Leistungen sind sehr breit gefächert, von der Breitbanktelefonie, Mobilfunk sowie TV oder komplexe ICT-Lösungen bietet der Konzern alles aus einer Hand an.
  • Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bonn ist weltweit in 50 Ländern tätig. Mit der Tochter T-Mobile US gehört es zu den führenden Telekommunikationsanbietern in den USA.
  • Die Marktkapitalisierung der im DAX gelisteten Aktie beträgt rund 131 Milliarden €.

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Vincent Uhr

Fazit

Die Deutsche Telekom kombiniert steigende Ergebnisse mit einer attraktiven Dividende und umfangreichen Aktienrückkäufen. Gelingt zusätzlich eine profitable Stärkung des Europageschäfts, könnte sich ein Teil des Bewertungsabschlags schließen. Für mich überwiegt auf dem aktuellen Kursniveau deshalb die Chance.