stock.adobe.com

Allianz-Aktie -5%: Ist der Rücksetzer übertrieben?

Rücksetzer oder Negativserie?
Vincent Uhr
Die Allianz-Aktie ist am Dienstag um -3,35% auf 430,20 € gefallen und hat damit seit ihrem Rekordhoch bei 454,60 € mehr als -5% verloren. Neue operative Hiobsbotschaften gab es nicht. Wahrscheinlicher ist eine Mischung aus Gewinnmitnahmen nach der starken Rallye, der erhöhten Nervosität an den Kapitalmärkten und der Sorge vor länger hohen Zinsen. Fundamental erscheint der Rücksetzer jedoch kaum gerechtfertigt.

Drei mögliche Auslöser für den Kursrutsch

Die Allianz-Aktie hatte sich vom Jahrestief bei 323,90 € bis auf 454,60 € verteuert. Nach einem Kursgewinn von rund +40% waren zahlreiche positive Erwartungen bereits eingepreist. In einem von schwankenden Ölpreisen, Inflationssorgen und steigenden Anleiherenditen geprägten Marktumfeld dürften einige Anleger deshalb Gewinne realisiert haben.

Auch die Schlagzeilen aus dem zweiten Quartal waren nicht völlig eindeutig. Der den Aktionären zurechenbare Kerngewinn sank gegenüber dem starken Vorjahresquartal um -12,7% auf 2,6 Milliarden €. Verantwortlich waren jedoch vor allem ein früherer Veräußerungsgewinn und gegenläufige Maßnahmen nach dem Verkauf indischer Beteiligungen. Bereinigt um diese Sondereffekte stieg der Gewinn um +10%.

Höhere Zinsen sind für einen Versicherer zudem nicht grundsätzlich negativ. Sie ermöglichen es der Allianz, auslaufende Anleihen zu attraktiveren Renditen wiederanzulegen. Kurzfristig können starke Zinsbewegungen allerdings Bewertungsverluste im Anleiheportfolio verursachen und Versicherungsaktien gegenüber anderen Anlageklassen weniger attraktiv erscheinen lassen.

Wichtiger Hinweis: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Die mittelfristige Prognose bleibt intakt

Operativ befindet sich die Allianz weiter auf Rekordkurs. Im ersten Halbjahr stieg der operative Gewinn um +8,6% auf 9,39 Milliarden €. Der Kerngewinn je Aktie verbesserte sich um +17,5% auf 16,44 €, während die Solvency-II-Quote von 218 auf 225% kletterte.

Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern weiterhin einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden €, wobei Abweichungen von jeweils 1 Milliarde € nach oben oder unten möglich sind. Bereits nach sechs Monaten hatte die Allianz 54% des Prognosemittelpunkts erreicht. Eine Gewinnwarnung oder eine erkennbare operative Verschlechterung steht damit nicht hinter dem Kursrückgang.

Bis 2027 soll der Kerngewinn je Aktie durchschnittlich um +7 bis +9% jährlich wachsen. In der Schaden- und Unfallversicherung peilt die Allianz dann einen operativen Gewinn von rund 9,5 Milliarden € an, im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft sollen es etwa 6 Milliarden € und in der Vermögensverwaltung rund 4 Milliarden € werden.

Tipp für Dividenden-Fans: Wer sich noch andere gute, vielleicht sogar derzeit vielversprechendere Aktien anschauen möchte: Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Dividende und Rückkäufe stützen den Kurs

Für 2025 zahlte die Allianz eine Dividende von 17,10 € je Aktie. Analysten rechnen für das laufende Geschäftsjahr im Durchschnitt mit 18,86 € und für 2027 bereits mit 20,28 €. Auf dem aktuellen Kursniveau entspricht die erwartete Ausschüttung für 2026 einer Dividendenrendite von rund 4,4%.

Die Dividendenpolitik sieht grundsätzlich vor, 60% des bereinigten Konzerngewinns auszuschütten und die Dividende je Aktie mindestens stabil zu halten. Zusätzlich sollen zwischen 2025 und 2027 im Durchschnitt wenigstens 15% des Gewinns über Aktienrückkäufe oder andere Instrumente an die Anteilseigner fließen.

Das laufende Rückkaufprogramm besitzt ein Volumen von bis zu 2,5 Milliarden €. Davon hatte die Allianz bis Ende Juni bereits 1,4 Milliarden € umgesetzt. Sinkende Kurse erhöhen sogar den langfristigen Nutzen der verbleibenden Rückkäufe, weil das Unternehmen für denselben Betrag mehr eigene Aktien einziehen kann.

Mit einem erwarteten KGV von etwa 14 für 2026 und rund 13 für 2027 ist die Allianz kein Tiefstpreis-Schnäppchen. Angesichts des angepeilten Gewinnwachstums, der starken Kapitalausstattung und der steigenden Ausschüttungen halte ich die Bewertung aber auch nicht für zu hoch.

ℹ️ Allianz SE in Kürze

  • Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
  • Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
  • Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
  • Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 165 Milliarden € wert.

Allianz kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Allianz und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Allianz weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Vincent Uhr

Fazit

Der jüngste Kursrutsch sieht stärker nach Gewinnmitnahmen und einem nervösen Marktumfeld als nach einer fundamentalen Verschlechterung aus. Die Allianz wächst, dürfte ihre Dividende weiter erhöhen und reduziert über Rückkäufe die Aktienzahl. Unterhalb des Rekordhochs erscheint die Aktie deshalb wieder interessanter – langfristig bleibt sie für mich ein attraktiver Haltewert mit moderatem Kaufpotenzial.