Deutsche-Bank-Aktie: Neue Eurokrisen-Angst – trotzdem 55% Kurspotenzial?
Die Angst vor einer neuen Eurokrise wächst
Auslöser der jüngsten Unsicherheit sind insbesondere die steigenden Renditen europäischer Staatsanleihen. In Frankreich erreichte die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen am Montag zeitweise rund 4,9%. Politische Unruhen und die hohe Staatsverschuldung belasten das Vertrauen der Investoren.
Eine aktuelle Reuters-Analyse vom Mittwoch verdeutlicht das Problem. Europäische Banken besitzen inzwischen Staatsanleihen im Wert von rund 4,3 Billionen €. Steigende Renditen führen bei bereits ausgegebenen Anleihen zu sinkenden Marktwerten und können die Bilanzen der Banken belasten.
Für die Deutsche Bank entsteht daraus ein doppeltes Risiko. Einerseits könnten höhere Finanzierungskosten und mögliche Wertverluste im Anleihebestand die Profitabilität beeinträchtigen. Andererseits erhöhen steigende Zinsen die Belastung für Unternehmen und Privatkunden, wodurch wiederum mehr Kreditausfälle drohen könnten.
Allerdings stehen Europas Banken heute deutlich stabiler da als während der Eurokrise vor rund 15 Jahren. Die Kapitalpuffer sind größer und die regulatorischen Anforderungen strenger. Konkrete größere Belastungen der Deutschen Bank durch die jüngsten Turbulenzen sind bislang nicht bekannt.
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Die Gewinne steigen trotzdem deutlich
Fundamental entwickelt sich die Deutsche Bank weiterhin überzeugend. Im zweiten Quartal steigerte der Konzern seine Erträge um +9% auf 8,5 Milliarden €. Der Gewinn nach Steuern verbesserte sich um +10% auf 1,9 Milliarden €.
Nach sechs Monaten stand bereits ein Rekordgewinn von 4,1 Milliarden € in den Büchern. Besonders die Investmentbank überzeugte mit steigenden Handels- und Beratungserträgen. Gleichzeitig verbesserte sich die Rendite auf das materielle Eigenkapital im zweiten Quartal auf 11%.
Für das Gesamtjahr erwartet das Management Erträge von rund 33 Milliarden €. Analysten rechnen mit einem Gewinn von etwa 3,31 € je Aktie. Im kommenden Jahr könnten daraus bereits 3,88 € werden.
Die nächste Bewährungsprobe folgt am 28. Oktober. Dann veröffentlicht die Deutsche Bank ihre Zahlen zum dritten Quartal und muss zeigen, ob die operative Dynamik trotz des schwierigeren Marktumfelds anhält.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Bewertung: Unter dem materiellen Buchwert!
Interessant ist nach dem Kursrutsch vor allem die Bewertung. Ende Juni lag das materielle Nettovermögen bei 31,20 € je Aktie. An der Börse zahlen Anleger derzeit lediglich 28,26 €.
Damit notiert die Aktie rund 9% unter ihrem materiellen Buchwert. Das erscheint mir für eine Bank, die inzwischen zweistellige Eigenkapitalrenditen erzielt, durchaus attraktiv.
Auch die erwartete Gewinnentwicklung spricht für eine moderate Bewertung. Hinzu kommt, dass die Deutsche Bank ihre Kapitalrückführungen weiter ausgebaut hat. Allein 2026 kaufte sie bereits eigene Aktien für insgesamt 1,5 Milliarden € zurück.
Allerdings hängt die Bewertung entscheidend davon ab, ob die Bank ihre Profitabilität dauerhaft halten kann. Höhere Kreditrisiken, schwächere Kapitalmärkte und mögliche Belastungen aus Staatsanleihen könnten die Gewinne unter Druck setzen.
Kursziele: Bis zu +55% Potenzial
Die Analysten bleiben überwiegend optimistisch. Goldman Sachs erwartet 43,75 € und sieht damit rund +55% Kurspotenzial. Warburg Research nennt 41,50 €, JPMorgan hält 41 € für erreichbar.
Etwas vorsichtiger positionieren sich die UBS mit 37 € und RBC mit 36 €. Jefferies sieht die Aktie lediglich bei 33 €.
Im Durchschnitt liegt das Analystenkursziel bei rund 36,38 €. Das würde gegenüber dem aktuellen Niveau immerhin einem möglichen Kursgewinn von knapp +29% entsprechen.
ℹ️ Deutsche Bank in Kürze
- Die Deutsche Bank (WKN: 514000) ist die größte Bank in Deutschland und gehört zu den führenden Geldhäusern in Europa. Als Universalbank bietet sie alle üblichen Leistungen an.
- Neben dem Hauptsitz in Frankfurt unterhält die Bank an allen wichtigen Handelsplätzen Niederlassungen.
- Die Aktie ist im deutschen Leitindex DAX gelistet und der Börsenwert beträgt aktuell rund 54,7 Milliarden €.
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Fazit
Die neue Unsicherheit am europäischen Anleihemarkt sollte man keineswegs unterschätzen. Allerdings halte ich die fundamentale Entwicklung der Deutschen Bank weiterhin für überzeugend. Bei einem Kurs unter dem materiellen Buchwert und steigenden Gewinnerwartungen erscheint mir die Aktie inzwischen wieder attraktiv bewertet. Für langfristige Anleger sehe ich deshalb eine interessante Kaufchance. Kurzfristig dürften die Quartalszahlen und die weitere Entwicklung am Anleihemarkt entscheidend sein.