Berkshire Hathaway-Aktie: Geldhahn wieder aufgedreht – neue Hochs voraus?
Die Zahlen verändern die Einschätzung des Konglomerats deutlich. Zuletzt war das operative Ergebnis im Jahresvergleich um 14 Prozent gefallen, die liquiden Mittel hatten mit 347,7 Milliarden Dollar einen neuen Rekord erreicht und Berkshire blieb unter dem Strich Verkäufer von Aktien und hatte im betreffenden Quartal keine eigenen Aktien zurückgekauft. Entscheidend war dabei die Frage, wie lange sich eine derart hohe Bewertung rechtfertigen lässt, wenn Berkshire seine gewaltige Bilanzsumme nicht produktiver einsetzt.
Übrigens: 3 Trend-Aktien sollest Du jetzt auf dem Zettel haben. Hier geht’s zum Gratis-Report für das Schlussquartal 2026!
Vom vorsichtigen Halter zum Käufer
Genau hier hat sich inzwischen etwas grundlegend verändert. Im zweiten Quartal 2026 erzielte Berkshire ein operatives Ergebnis von 13 Milliarden Dollar, 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr stieg das operative Ergebnis von 20,8 auf 24,3 Milliarden Dollar. Noch wichtiger ist die Veränderung bei der Kapitalallokation. Berkshire investierte im zweiten Quartal netto 19,8 Milliarden Dollar am Aktienmarkt, steckte 10 Milliarden Dollar in Alphabet, schloss die Übernahme von Taylor Morrison für 8,5 Milliarden Dollar ab und kaufte eigene Aktien im Wert von 4,5 Milliarden Dollar zurück. Die Liquiditätsreserven bleiben mit rund 366 Milliarden Dollar gewaltig, doch erstmals seit Jahren sinken sie tatsächlich.
Berkshire hat damit den Übergang vom Nettoverkäufer zum Käufer vollzogen.
Operatives Geschäft findet wieder zu alter Stärke zurück
Im zweiten Quartal stieg Berkshires operatives Ergebnis um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden Dollar, im ersten Halbjahr um knapp 17 Prozent auf 24,33 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn konnte sich auf 25,67 Milliarden Dollar mehr als verdoppelten, wurde allerdings durch Anlagegewinne von 12,68 Milliarden Dollar erheblich beeinflusst und ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig.
Auch operativ zeigte sich ein überwiegend positives Bild. BNSF steigerte den Gewinn um 6 Prozent auf 1,56 Milliarden Dollar, Berkshire Hathaway Energy um 27 Prozent auf 891 Millionen Dollar. Industrie, Dienstleistungen und Einzelhandel legten sogar um 24 Prozent auf 4,47 Milliarden Dollar zu. Schwächer entwickelte sich dagegen das Versicherungsgeschäft, dessen versicherungstechnisches Ergebnis um 13 Prozent auf 1,73 Milliarden Dollar sank.
Das Wachstum des operativen Ergebnisses fällt bei genauerer Betrachtung allerdings weniger stark aus. Ein erheblicher Teil des Anstiegs entfiel auf das sonstige Ergebnis, das vor allem wegen positiver Wechselkurseffekte von 32 Millionen auf 1,27 Milliarden Dollar zulegte. Ohne diesen Bereich stieg das Ergebnis der fünf wichtigsten operativen Sparten um rund 5 Prozent auf 11,7 Milliarden Dollar. Dennoch markiert dies eine klare Verbesserung gegenüber dem ersten Quartal 2025, als das operative Ergebnis noch um 14 Prozent gefallen war.
Berkshire verabschiedet sich von der Kapitalreserve-Strategie
Die entscheidende Veränderung liegt allerdings nicht allein in den Gewinnzahlen. Viel wichtiger ist der Wandel bei der Kapitalallokation.
Bei der letzten Analyse hatte Berkshire im ersten Quartal 2025 Aktien im Wert von 3,2 Milliarden Dollar gekauft und für 4,7 Milliarden Dollar verkauft. Damit war der Konzern netto Verkäufer im Umfang von rund 1,5 Milliarden Dollar. Zwar war das deutlich weniger aggressiv als die umfangreichen Verkäufe des Jahres 2024, doch von einer offensiven Kapitalallokation konnte noch keine Rede sein.
Der Verkaufsdruck setzte sich anschließend fort. Berkshire beendete das Jahr 2025 mit rund 373 Milliarden Dollar an Barmitteln und US-Staatsanleihen, nachdem das Unternehmen 13 Quartale in Folge netto Aktien verkauft hatte. Auch im ersten Quartal 2026 kaufte Berkshire Aktien für 15,9 Milliarden Dollar, verkaufte jedoch gleichzeitig Wertpapiere für 24,1 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand damit erneut ein Nettoverkauf von mehr als 8 Milliarden Dollar.
Im zweiten Quartal kam es schließlich zur entscheidenden Veränderung. Berkshire investierte netto 19,8 Milliarden Dollar am Aktienmarkt und beendete damit eine mehr als dreijährige Phase als Nettoverkäufer. Die Liquiditätsposition verringerte sich infolgedessen um rund 15 Milliarden Dollar auf etwa 366 Milliarden Dollar, obwohl der Konzern weiterhin enorme operative Cashflows erwirtschaftet.
Großtransaktionen zeigen einen neuen Investitionswillen
Auch die Dimension der Transaktionen hat sich verändert. Berkshire schloss im Januar die Übernahme von OxyChem für 9,7 Milliarden Dollar ab. Der Chemiekonzern zählt zu den bedeutenden US-Produzenten und die Transaktion war eine der größten Übernahmen von Berkshire seit mehreren Jahren.
Im Juni folgte eine noch bemerkenswertere Investition. Berkshire sagte zu, 10 Milliarden Dollar in Alphabet zu investieren. Der Technologiekonzern nutzte die Kapitalaufnahme unter anderem zur Finanzierung umfangreicher Investitionen in künstliche Intelligenz. Für Berkshire ist die Transaktion besonders interessant, weil sie genau der Größenordnung entspricht, die erforderlich ist, um die gewaltige Bilanz des Konzerns spürbar einzusetzen.
Im zweiten Quartal wurde zudem die Übernahme von Taylor Morrison abgeschlossen. Die Transaktion hatte einen Unternehmenswert von 8,5 Milliarden Dollar. Zusammen mit den bestehenden Clayton-Aktivitäten entsteht damit eines der größten US-Unternehmen im schlüsselfertigen Wohnungsbau. Im Jahr 2025 kamen die kombinierten Geschäftsbereiche auf nahezu 23.000 fertiggestellte Häuser in 52 Märkten.
Aktienrückkäufe senden ein besonders klares Signal
Ein besonders aussagekräftiges Signal aus dem Quartalsbericht sind die eigenen Aktienrückkäufe von Berkshire.
Der Konzern kaufte im zweiten Quartal eigene Aktien für rund 4,5 Milliarden Dollar zurück. Im ersten Halbjahr summierten sich die Rückkäufe damit auf 4,8 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im Mai 2025 hatte Berkshire trotz einer Liquiditätsposition von fast 350 Milliarden Dollar nicht eine einzige eigene Aktie zurückgekauft.
Das Management hat Rückkäufe ausdrücklich an die Einschätzung des inneren Wertes gekoppelt. Berkshire verfolgt seit Jahren die Politik, eigene Aktien dann zurückzukaufen, wenn der konservativ geschätzte innere Wert deutlich über dem Börsenkurs liegt.
Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass ein Kurs von 519 Dollar deutlich unter dem inneren Wert liegt. Berkshire geht traditionell sehr vorsichtig mit Bewertungen und Aktienrückkäufen um. Dennoch wird es durch die jüngsten Rückkäufe deutlich schwieriger, die Aktie allein mit einer zu hohen Bewertung negativ zu beurteilen.
Bewertung eröffnet wieder Aufwärtspotenzial
Für die Bewertung der Aktie bietet sich weiterhin ein Residual-Earnings-Modell an. Bei einem unterstellten Gewinnwachstum von rund 10 Prozent bis 2028 könnten die Gewinne je Aktie auf etwa 25 Dollar steigen. Unter Annahme eines langfristigen Wachstums von 2,5 Prozent und Eigenkapitalkosten von 8 Prozent ergibt sich daraus ein geschätzter fairer Wert von rund 555 Dollar je Aktie.
Damit liegt der errechnete Wert über dem aktuellen Kursniveau. Die Bewertung ist zwar weiterhin nicht ausgesprochen günstig, doch sie erscheint angesichts der verbesserten operativen Entwicklung und vor allem der veränderten Kapitalallokation deutlich besser begründbar als noch vor einem Jahr.
Die wichtigsten Risiken bleiben bestehen
Trotz der verbesserten Aussichten gibt es weiterhin Gründe für eine vorsichtige Haltung. Vor allem sollte das operative Gewinnwachstum von 16 Prozent im zweiten Quartal nicht einfach auf die kommenden Jahre hochgerechnet werden. Die zugrunde liegende operative Entwicklung dürfte eher im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich liegen.
Hinzu kommt ein neues Risiko, das aus der offensiveren Kapitalallokation entsteht. Berkshire muss nun zeigen, dass Investitionen wie jene in Alphabet und Taylor Morrison langfristig attraktive Renditen erwirtschaften. Bargeld und US-Staatsanleihen liefern zwar eine geringere Rendite, bergen gleichzeitig aber ein wesentlich geringeres Risiko eines dauerhaften Kapitalverlusts.
Die Aktie hat ihre Ausgangslage deutlich verbessert
Als Berkshire Hathaway im Mai 2025 als Halteposition eingestuft wurde, lag das Problem nicht in der Qualität der Unternehmen. Entscheidend war vielmehr die Kombination aus einer hohen Bewertung und einer enormen Kapitalbasis, die vergleichsweise wenig zusätzliches Wachstum erzeugte. Das operative Ergebnis war um 14 Prozent gefallen, die Liquidität auf 347,7 Milliarden Dollar gestiegen, Berkshire blieb Nettoverkäufer von Aktien und eigene Rückkäufe blieben vollständig aus.
Seitdem haben sich nahezu alle wichtigen Faktoren verbessert. Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um 16 Prozent auf knapp 13 Milliarden Dollar. Berkshire wurde wieder zum bedeutenden Nettokäufer von Aktien, investierte 10 Milliarden Dollar in Alphabet, schloss die Übernahmen von OxyChem und Taylor Morrison ab und kaufte eigene Aktien für 4,5 Milliarden Dollar zurück.
Damit ist genau das eingetreten, worauf es bei der bisherigen Bewertung der Aktie besonders ankam: Berkshire beginnt, seine gewaltigen Kapitalreserven wieder aktiv einzusetzen. Zusammen mit der verbesserten operativen Entwicklung spricht dies für ein attraktiveres Chance-Risiko-Verhältnis und rechtfertigt eine Anhebung der Einschätzung auf Kaufen.
Berkshire Hathaway kaufen, halten oder verkaufen? Unsere zehnköpfige Redaktion berichtet regelmäßig über Berkshire Hathaway und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.
Berkshire Hathaway weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »
Fazit
Berkshire Hathaway ist nicht plötzlich zu einer günstigen Aktie geworden, doch der Konzern nutzt seine enorme Kapitalbasis inzwischen wesentlich konsequenter. Die Kombination aus steigenden operativen Gewinnen, großen Investitionen und umfangreichen Aktienrückkäufen verbessert die Perspektiven der Aktie deutlich.
Echte Top-Rendite: Als Mitglied bei sharedealsPlus profitierst Du von wahren Börsenstars (+13.000% in 7 Jahren) und den richtigen Aktientipps zur richtigen Zeit!