BioNTech-Aktie: Analysten sehen wieder mehr Potenzial
Nach dem Dämpfer kommen wieder bessere Daten
Ende August erwischte es BioNTech zunächst ordentlich. Das Unternehmen beendete gemeinsam mit Genentech eine Phase-2-Studie mit dem personalisierten mRNA-Kandidaten Autogene Cevumeran bei Darmkrebs. Ein unabhängiges Kontrollgremium kam zu dem Schluss, dass die Studie ihr Ziel beim Gesamtüberleben voraussichtlich nicht erreichen würde. Die BioNTech-Aktie verlor daraufhin rund -7,5%.
Nur wenige Wochen später sah die Nachrichtenlage deutlich freundlicher aus. BioNTech und OncoC4 präsentierten neue Daten zu Gotistobart bei bereits vorbehandelten Patienten mit Plattenepithelkarzinom der Lunge. In dem ersten Teil der Phase-3-Studie lag das mediane Gesamtüberleben bei 18,5 Monaten, unter der Standard-Chemotherapie waren es 10 Monate.
Man sollte die Zahlen trotzdem richtig einordnen. Die bisherigen Daten stammen aus dem nicht zulassungsrelevanten ersten Teil der Studie mit insgesamt 87 Patienten. Erst wenn sich der Vorteil im größeren, zulassungsrelevanten Teil bestätigt, wird daraus ein deutlich stärkeres Signal für eine mögliche spätere Zulassung.
BioNTech hat dabei längst mehrere Programme parallel laufen. Allein rund um Lungenkrebs umfasst die Entwicklung mehr als 16 klinische Studien, darunter fünf Phase-3-Studien. Neben Gotistobart spielt auch Pumitamig eine größere Rolle, das gemeinsam mit Bristol Myers Squibb weiterentwickelt wird.
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Analysten bleiben nach den Daten positiv
Die neuen Ergebnisse kamen auch bei den Analysten gut an. Berenberg hob das Kursziel zuletzt auf 140 US$ an, Jefferies bestätigte seine Kaufempfehlung mit 138 US$. Auch die Deutsche Bank liegt bei 140 US$, Goldman Sachs bei 127 US$. Das durchschnittliche Kursziel der erfassten Häuser liegt derzeit bei rund 129 US$.
Jefferies verweist dabei nicht nur auf Gotistobart. Analyst Akash Tewari hob auch die Kombination verschiedener Wirkstoffklassen hervor, die BioNTech inzwischen stärker testet. Damit hängt die weitere Entwicklung nicht mehr nur an einzelnen mRNA-Programmen, sondern verteilt sich auf bispezifische Antikörper, Antikörper-Wirkstoff-Konjugate und weitere Immuntherapien.
Nach dem Rückschlag bei Autogene Cevumeran dürfte diese breitere Aufstellung helfen. Scheitert ein Programm, bleibt immer noch eine ganze Reihe anderer Kandidaten übrig, die in den kommenden Jahren Daten liefern können.
Geld für die Entwicklung ist weiterhin genug da
Finanziell kann sich BioNTech diese breite Pipeline weiterhin leisten. Ende Juni lagen Zahlungsmittel, Zahlungsmitteläquivalente und liquide Wertpapieranlagen bei insgesamt 16,6 Milliarden €. Gleichzeitig laufen 14 zulassungsrelevante Studien und mehr als zehn Kombinationstherapien.
Beim laufenden Geschäft sehen die Zahlen allerdings deutlich schwächer aus. Im zweiten Quartal sank der Umsatz von 260,8 auf 105,6 Millionen €, während unter dem Strich ein Nettoverlust von 820,8 Millionen € stand. Für das Gesamtjahr wurde die Umsatzprognose von zuvor 2,0 bis 2,3 Milliarden € auf 1,6 bis 1,9 Milliarden € gesenkt. Hauptgrund ist die schwächere Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen, hinzu kommen verschobene Meilensteinzahlungen.
BioNTech investiert deshalb weiter kräftig in Forschung und Entwicklung. Für 2026 sind dafür 2,0 bis 2,3 Milliarden € eingeplant. Gleichzeitig kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück. Das Programm umfasst bis zu 1 Milliarde US$, im zweiten Quartal wurden bereits ADS im Wert von rund 151,6 Millionen US$ zurückgekauft.
ℹ️ BioNTech in Kürze
- BioNTech (WKN: A2PSR2) ist ein deutsches Biotech-Unternehmen mit Sitz in Mainz, das auf die Entwicklung und Herstellung patientenspezifischer aktiver Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten fokussiert ist.
- In den letzten Jahren wurde das Unternehmen durch seinen Impfstoff gegen das Coronavirus (Covid-19) weltbekannt und entwickelte sich zu einem Milliardenkonzern.
- An der Börse ist BioNTech derzeit mit rund 25,34 Milliarden US$€ bewertet.
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Fazit
Bei BioNTech liegen gute und schlechte Meldungen aktuell ziemlich nah beieinander. Der Stopp der Darmkrebs-Studie hat noch einmal gezeigt, wie schnell sich Erwartungen bei einzelnen Wirkstoffen in Luft auflösen können. Mit Gotistobart folgten kurz darauf aber Daten, die wieder mehr Hoffnung in die Pipeline bringen. Dazu kommt die breite finanzielle Basis. Mit mehr als 16 Milliarden € an liquiden Mitteln kann BioNTech mehrere Programme gleichzeitig durch die späten Studienphasen bringen, ohne bei jedem Rückschlag sofort sparen zu müssen. Für BioNTech geht es jetzt darum, dass aus den vielen Projekten nach und nach echte Zulassungskandidaten werden. Gotistobart hat mit den neuen Daten dafür einen guten Schritt gemacht, der größere Teil der Studie muss diesen Eindruck aber noch bestätigen. Gleichzeitig zeigen die Kursziele von Berenberg, Jefferies und anderen Häusern, dass der Markt der Pipeline weiterhin einiges zutraut.