BASF-Aktie: Warren Wise warnt – ist der Gewinn nur eine Illusion?
Warren Wise bemängelt geringe Kapitalrendite
In seiner jüngsten Analyse kommt Warren Wise zu dem Ergebnis, dass die Kapitalrendite von BASF vergleichsweise niedrig ist und die Ausschüttungen nicht vollständig aus dem laufenden Geschäft finanziert werden.
Konkret verweist er auf den ausgewiesenen Nettogewinn nach Steuern des zweiten Quartals von 4,15 Milliarden €. Davon entfielen rund 3,56 Milliarden € auf den Verkauf des Coatings-Geschäfts.
Dieser Einwand ist grundsätzlich nachvollziehbar. Ohne den einmaligen Verkaufseffekt wäre der Nettogewinn im zweiten Quartal deutlich niedriger ausgefallen. Aus dem laufenden Geschäft verblieben rund 590 Millionen €.
Allerdings ist auch dieser Wert eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahreswert von 108 Millionen €.
Auf Halbjahresbasis stellt sich das Bild ebenfalls differenzierter dar. Der Nettogewinn nach Steuern lag bei 5,1 Milliarden €. Der erwirtschafte Nettogewinn liegt in den ersten sechs Monaten bei 1,6 Millionen €.
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Dividende nicht vollständig durch Free Cashflow gedeckt
Ein weiterer Kritikpunkt von Wise betrifft die Dividende.
BASF strebt eine jährliche Ausschüttung von rund 2 Milliarden € an. Gleichzeitig erwartet der Konzern für 2026 einen Free Cashflow von 1,5 bis 2,3 Milliarden €.
Damit ist die Dividende am unteren Ende der Prognose nicht vollständig durch den Free Cashflow gedeckt. Erst am oberen Ende wäre eine vollständige Deckung möglich. 2025 lag der Free Cashflow bei 1,3 Milliarden €.
Hier ist die Kritik von Wise grundsätzlich berechtigt. Gleichzeitig verfügt BASF über erhebliche finanzielle Mittel aus der laufenden Geschäftstätigkeit und aus den Veräußerungen im Rahmen des Konzernumbaus.
Hinzu kommt eine hohe Liquiditätsposition. Ende Juni verfügte BASF über rund 7,7 Milliarden € an Zahlungsmitteln und Zahlungsmitteläquivalenten.
Entscheidend wird daher sein, dass der Free Cashflow im weiteren Verlauf nachhaltig ausreicht, um Dividenden, Aktienrückkäufe und notwendige Investitionen zu finanzieren.
Kritik an der Portfoliostrategie
Warren Wise kritisiert darüber hinaus die Veräußerung einzelner Geschäftsbereiche. Nach seiner Einschätzung wurden dabei teilweise attraktive Geschäftsfelder verkauft.
Die strategische Ausrichtung von BASF geht jedoch in eine andere Richtung. Der Konzern will sich künftig stärker auf seine Kerngeschäfte konzentrieren und dort möglichst führende Marktpositionen erreichen. Für Bereiche, die nicht zum Kernportfolio gehören oder diese Voraussetzungen nicht erfüllen, kommen weiterhin Verkäufe, Partnerschaften oder Börsengänge infrage.
Zu den vier Kerngeschäften gehören Chemicals, Materials, Industrial Solutions sowie Nutrition & Care. Diese Bereiche erwirtschaften zusammen rund 40 Milliarden € Umsatz.
Zusätzlich hat BASF 2026 das Effizienzprogramm „CoreShift“ aufgelegt. Dabei geht es weniger um ein möglichst starkes Umsatzwachstum als vielmehr darum, die Kostenstruktur, die Wettbewerbsfähigkeit und letztlich die Profitabilität des bestehenden Kerngeschäfts zu verbessern.
Bewertung
Die Kritik von Warren Wise sollte aus meiner Sicht ernst genommen werden. Insbesondere die Frage, ob BASF den angestrebten Kapitalrückfluss dauerhaft aus dem eigenen Free Cashflow finanzieren kann, ist für Aktionäre relevant.
Momentan reicht der Free Cashflow nicht in jedem Szenario aus, um die geplante Dividende vollständig zu decken. Dieses Verhältnis muss sich durch die Restrukturierung und eine bessere operative Entwicklung verbessern.
Ganz so kritisch wie Warren Wise sehe ich die Situation allerdings nicht. BASF verfügt über eine hohe Liquiditätsposition und kann zusätzlich durch den Verkauf beziehungsweise die Verselbstständigung von Geschäftsbereichen finanzielle Mittel freisetzen.
Auch ein möglicher Börsengang der Agrarsparte könnte zusätzliche finanzielle Spielräume schaffen.
Sehr wichtig wird deshalb die Entwicklung im kommenden Geschäftsjahr. Die Prognose für 2027 wird zeigen, ob die Restrukturierungsmaßnahmen tatsächlich zu einem nachhaltig höheren Free Cashflow führen.
- BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
- Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
- Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit etwa 44,6 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Kritik von Warren Wise ist aus meiner Sicht grundsätzlich berechtigt, sollte aber nicht überbewertet werden.
Das aktuelle Kursniveau von rund 52 € bietet aus meiner Sicht keine besonders attraktive Einstiegsbasis. Aufgrund der hohen Schwankungsbreite eignet sich die BASF-Aktie allerdings auch für eine Trading-Strategie.
Für langfristig orientierte Anleger bleibt die Dividende ein wichtiger Pluspunkt. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei rund 4,3%.
Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.
ℹ️ BASF in Kürze