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Volkswagen-Aktie: 100.000 E-Auto-Bestellungen – jetzt kommt der Härtetest!

Bestellungen überzeugen
Vincent Uhr
Volkswagen meldet mehr als 30.000 Bestellungen für den neuen ID. Polo. Gemeinsam mit dem Cupra Raval, Škoda Epiq und VW ID. Cross kommt die elektrische Kleinwagenfamilie bereits auf über 100.000 Vorbestellungen. Für die Volkswagen-Aktie ist das deutlich wichtiger als das kolportierte Interesse weiterer Investoren am Audi-Formel-1-Team: Jetzt muss der Konzern beweisen, dass er bezahlbare Elektroautos nicht nur verkaufen, sondern auch profitabel produzieren kann.

Mehr als 80% Gleichteile sind der eigentliche Hebel

Der ID. Polo ist inzwischen in der Basisversion für 24.995 € erhältlich. Zunächst ließ sich lediglich die besser ausgestattete Life-Variante ab 33.795 € bestellen. Dass Volkswagen trotzdem bereits mehr als 30.000 Bestellungen erhalten hat, spricht für eine solide Nachfrage über unterschiedliche Preisklassen hinweg.

Entscheidend ist allerdings die gesamte Modellfamilie. ID. Polo, ID. Cross, Škoda Epiq und Cupra Raval teilen mehr als 80% ihrer Komponenten und Technologien. Volkswagen kann Entwicklungs-, Einkaufs- und Produktionskosten dadurch auf mehrere Marken und deutlich höhere Stückzahlen verteilen.

Genau solche Skaleneffekte benötigt der Konzern im Wettbewerb mit chinesischen Herstellern. Die Fahrzeuge werden aus Kostengründen in Spanien produziert. Für 2027 ist mit dem rund 20.000 € teuren ID. Every1 bereits das nächste Einstiegsmodell geplant.

Die aktuell langen Lieferzeiten sind dabei ein zweischneidiges Signal. Sie bestätigen die starke Nachfrage, zeigen aber zugleich, dass Volkswagen die Kapazitäten im Werk Martorell zunächst vorsichtig geplant hat. Individuell konfigurierte Fahrzeuge sollen teilweise erst nach rund zehn Monaten geliefert werden. Nun muss der Konzern die Produktion erhöhen, ohne Qualität und Kostenkontrolle zu gefährden.

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Bestellungen sind noch kein Gewinn

Der Erfolg kommt zur richtigen Zeit. Im ersten Halbjahr blieb der Konzernumsatz mit 158,1 Milliarden € nahezu unverändert, während das operative Ergebnis um 11,6% auf 5,9 Milliarden € sank. Die operative Marge von 3,8% ist für einen kapitalintensiven Automobilkonzern weiterhin zu niedrig.

Besonders deutlich wird das Problem bei der Marke Volkswagen Pkw. Sie erwirtschaftete mit 42,3 Milliarden € Umsatz lediglich 995 Millionen € operativen Gewinn. Die Marge lag damit bei 2,4% beziehungsweise bereinigt um Sonderbelastungen bei 3,8%.

Die gesamte Markengruppe Core entwickelte sich besser. Ihr operatives Ergebnis stieg um 4,5% auf 3,61 Milliarden €, während sich die Marge leicht auf 4,9% verbesserte. Der Netto-Cashflow erhöhte sich von 1,17 auf 1,66 Milliarden €. Die stärkere Zusammenarbeit der Volumenmarken zeigt somit erste finanzielle Wirkungen.

30.000 ID.-Polo-Bestellungen allein verändern den Konzern noch nicht. Volkswagen Pkw verkaufte im ersten Halbjahr rund 1,53 Millionen Fahrzeuge. Kommt die gesamte elektrische Kleinwagenfamilie jedoch auf dauerhaft sechsstellige Jahresstückzahlen, könnten die standardisierten Komponenten zu einem relevanten Margenhebel werden.

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Analysten sehen bis zu 120 €

Jefferies und RBC bleiben optimistisch und nennen jeweils ein Kursziel von 120 €. Das durchschnittliche Analystenziel liegt bei 104,79 € und damit rund 29% über dem jüngsten Aktienkurs von 81,18 €. Mit einem ausgewiesenen KGV von etwa 7,8 erscheint die Vorzugsaktie günstig, doch sinkende Gewinne und hohe Restrukturierungskosten erklären einen Teil des Abschlags.

Das Interesse weiterer Investoren am Audi-Formel-1-Team besitzt dagegen zunächst eher symbolischen Wert. Audi will Mehrheitsaktionär bleiben und sieht keinen Zeitdruck für einen Verkauf zusätzlicher Anteile. Ohne bekannte Bewertung oder konkrete Transaktion entsteht daraus noch kein belastbarer Mehrwert für Volkswagen-Aktionäre.

ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 40 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Die 100.000 Bestellungen sind ein gutes Signal, weil Volkswagen erstmals auch bei günstigeren Elektroautos auf relevante Stückzahlen kommt. Ob daraus ein echter Turnaround entsteht, entscheidet jedoch die Marge. Bei rund 81 € bleibt die Aktie für risikobereite Anleger eine interessante Turnaround-Spekulation. Den endgültigen Beweis muss der ID. Polo erst in der Gewinnrechnung liefern.