stock.adobe.com

Allianz-Aktie: 643-Millionen-€-Umbau für KI!

Kosteneinsparungen möglich
Vincent Uhr
Die Allianz-Aktie notiert bei rund 423 € und damit knapp 7% unter ihrem Rekordhoch. Während sich Anleger zuletzt vor allem mit Übernahmen und Kapitalrückgaben beschäftigten, läuft im Hintergrund ein wesentlich grundlegenderer Umbau: Der Versicherer legt alte IT-Systeme still und bereitet seine Prozesse auf einen großflächigen KI-Einsatz vor. Das belastet kurzfristig den Gewinn, könnte die Kostenstruktur aber dauerhaft verbessern.

Ein teurer Umbau, kein operativer Einbruch

Im zweiten Quartal verbuchte die Allianz Restrukturierungsaufwendungen von 643 Millionen €. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 152 Millionen €. Dadurch sank der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn um 8,7% auf 2,60 Milliarden € und verfehlte die Erwartungen.

Operativ lief das Geschäft dagegen ausgesprochen stark. Der operative Gewinn stieg um 10,6% auf den Rekordwert von 4,87 Milliarden €. Die schwächere Entwicklung des Nettogewinns geht somit nicht auf steigende Schäden oder ein nachlassendes Versicherungsgeschäft zurück.

Ein erheblicher Teil der Sonderkosten hängt mit der beschleunigten Stilllegung veralteter IT-Systeme zusammen. Diese sollen durch stärker standardisierte Plattformen und KI-gestützte Prozesse ersetzt werden. Kurzfristig entstehen dadurch Abschreibungen und Umbaukosten. Langfristig könnte die Allianz jedoch eine komplexe und teure Systemlandschaft vereinfachen.

Wichtiger Hinweis: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.

Mehr als 900 KI-Anwendungen

Nach Angaben des Konzerns sind innerhalb der Allianz bereits mehr als 900 Anwendungsfälle für künstliche Intelligenz registriert. Die Technologie soll unter anderem Kundenanfragen bearbeiten, Schäden prüfen, Dokumente auswerten, Betrugsfälle erkennen und Mitarbeiter bei Entscheidungen unterstützen.

Über eine globale Partnerschaft mit Anthropic will die Allianz zudem KI-Agenten entwickeln, die ganze Arbeitsabläufe übernehmen können. Dabei geht es nicht nur um einen digitalen Assistenten, sondern beispielsweise um Systeme, die einen Schaden aufnehmen, Informationen aus verschiedenen Dokumenten zusammenführen und eine Entscheidung vorbereiten.

Bei Allianz Partners könnten dadurch bis zu 1.800 Arbeitsplätze wegfallen. Betroffen wären vor allem Tätigkeiten mit vielen manuellen und wiederkehrenden Prozessen. Die Einsparungen entstehen jedoch nicht sofort: Zunächst muss der Konzern alte Systeme abschalten, Mitarbeiter umschulen und gleichzeitig hohe regulatorische Anforderungen erfüllen.

Tipp für Dividenden-Fans: Wer sich noch andere gute, vielleicht sogar derzeit vielversprechendere Aktien anschauen möchte: Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Der größte Hebel für die Allianz liegt in der Schadenbearbeitung

Für einen Versicherer ist Geschwindigkeit ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Je schneller ein Schaden geprüft und reguliert wird, desto geringer fallen die Bearbeitungskosten aus. Gleichzeitig steigt die Kundenzufriedenheit.

Besonders interessant ist der mögliche Effekt auf die Schadenquote. KI kann verdächtige Muster erkennen und Betrugsfälle herausfiltern, bevor Geld ausgezahlt wird. Schon kleine Verbesserungen entfalten aufgrund des enormen Prämienvolumens eine große Wirkung auf den Gewinn.

Umgekehrt drohen erhebliche Risiken, wenn automatisierte Systeme falsche Entscheidungen treffen oder Kundendaten nicht ausreichend geschützt werden. Versicherungen zählen zu den am stärksten regulierten Branchen. Die Allianz kann daher nicht dieselbe Geschwindigkeit vorlegen wie ein weitgehend unregulierter Technologiekonzern.

Allianz-Aktie: Die Bewertung bleibt vertretbar

Bei einem Kurs von rund 423 € und einem erwarteten Gewinn je Aktie von etwa 31 bis 32 € liegt das KGV bei ungefähr 13 bis 14. Das ist für einen europäischen Versicherer kein Schnäppchen, erscheint angesichts der starken operativen Entwicklung aber weiterhin vertretbar.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob der Konzern aus den hohen Umbaukosten tatsächlich niedrigere laufende Kosten entwickelt. Gelingt das, könnte KI zu einem zusätzlichen Treiber für die Gewinnmarge werden. Bleiben die Einsparungen aus, wären die 643 Millionen € dagegen lediglich eine teure Modernisierungsrechnung.

ℹ️ Allianz SE in Kürze

  • Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
  • Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
  • Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
  • Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 162 Milliarden € wert.

Allianz kaufen, halten oder verkaufen? Unsere Experten-Redaktion berichtet regelmäßig über Allianz und informiert Dich in Echtzeit, wenn Handlungsbedarf besteht. Aktiviere dafür einfach unseren kostenlosen Aktien-Alarm und sichere Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung.

Allianz weiterverfolgen – jetzt kostenlosen Aktien-Alarm aktivieren »

Vincent Uhr

Fazit

Der KI-Umbau belastet den ausgewiesenen Gewinn, während das Kerngeschäft weiterhin Rekorde liefert. Bei der aktuellen Bewertung halte ich die Allianz-Aktie für nicht zu teuer. Bestandsaktionäre können investiert bleiben, Neueinsteiger sollten mögliche Rücksetzer für einen gestaffelten Einstieg nutzen.