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Allianz-Aktie -3%: Jetzt drohen 12% weniger Gewinn im Kerngeschäft!

Analyst sieht Gegenwind
Vincent Uhr
Die Allianz-Aktie hat am Freitag einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach dem jüngsten Rekordhoch verlor das DAX-Papier -3,01% auf 451,10 €. Verantwortlich für die schlechte Stimmung waren unter anderem neue Warnungen von JPMorgan vor sinkenden Preisen im Rückversicherungsgeschäft. Gleichzeitig erwarten Analysten für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang von rund -12% in der Schaden- und Unfallversicherung der Allianz. Droht dem Versicherungskonzern jetzt eine längere Schwächephase?

JPMorgan schockt die Versicherungsbranche!

Am Freitag gerieten gleich mehrere große europäische Versicherer unter erheblichen Verkaufsdruck. Die Münchener Rück verlor rund -4,3%, die Hannover Rück sogar -4,4%. Auslöser waren neue Analystenstudien von JPMorgan. Die US-Investmentbank stufte die Hannover Rück von „Neutral“ auf „Underweight“ und die Münchener Rück von „Overweight“ auf „Neutral“ ab.

Der Hintergrund ist durchaus besorgniserregend. Nach Einschätzung von JPMorgan haben die Rückversicherer hinsichtlich ihrer Eigenkapitalrenditen die erfolgreichste Phase der vergangenen 30 Jahre erlebt. Nun könnten die Gewinnmargen zunehmend unter Druck geraten.

Bereits im Januar 2026 sanken die Preise für Naturkatastrophen-Rückversicherungen um durchschnittlich -12%, zur Jahresmitte sogar um -15%. Für die nächste Erneuerungsrunde Anfang 2027 erwarten die Analysten weitere deutliche Preisrückgänge.

Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die Allianz ist überwiegend Erstversicherer und verfügt zusätzlich über ein großes Lebensversicherungsgeschäft sowie die Vermögensverwaltung. Der Preisdruck in der Rückversicherung lässt sich deshalb nicht unmittelbar auf den Konzern übertragen.

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Im Kerngeschäft drohen 12% Gewinnrückgang!

Trotzdem könnten die kommenden Quartalszahlen eine erste Ernüchterung bringen. Am 12. November veröffentlicht die Allianz ihre Geschäftsergebnisse für das dritte Quartal. Der aktuelle Analystenkonsens sieht einen operativen Gewinn von rund 4,31 Milliarden € vor. Im Vorjahresquartal waren es noch etwa 4,4 Milliarden €.

Deutlicher fällt der erwartete Rückgang in der Schaden- und Unfallversicherung aus. Hier rechnen die Experten lediglich mit 2,11 Milliarden € operativem Gewinn, nach 2,39 Milliarden € im Vorjahr. Das entspricht einem Minus von rund -12%.

Auch die Schaden-Kosten-Quote könnte sich verschlechtern. Während sie im ersten Halbjahr bei hervorragenden 91,4% lag, erwarten die Analysten für das dritte Quartal bereits 93,8%. Das bedeutet, dass von 100 € Versicherungserträgen ein größerer Anteil für Schäden und Kosten aufgewendet werden müsste. Die Profitabilität könnte damit zumindest vorübergehend sinken.

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Warum die Allianz trotzdem überzeugen kann

Immerhin gibt es auch positive Entwicklungen. Im ersten Halbjahr steigerte die Allianz ihren operativen Gewinn um +8,6% auf 9,39 Milliarden €. Der bereinigte Gewinn je Aktie erhöhte sich sogar um +17,5% auf 16,44 €.

Besonders erfreulich entwickelte sich zuletzt die Vermögensverwaltung. Im zweiten Quartal stieg deren operatives Ergebnis um +19,8% auf 933 Millionen €.

Auch für das dritte Quartal rechnen Analysten mit einem soliden Beitrag von rund 945 Millionen €. Hinzu kommen erwartete Nettomittelzuflüsse von 28 Milliarden €.

Damit besitzt die Allianz einen wichtigen Vorteil gegenüber reinen Rückversicherern. Schwächere Margen im Schadenversicherungsgeschäft können zumindest teilweise durch andere Geschäftsbereiche ausgeglichen werden.

Entscheidend bleibt allerdings die Gesamtjahresprognose. Das Management erwartet weiterhin einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden €, mit einer möglichen Abweichung von jeweils einer Milliarde €.

KGV von 13,6: Jetzt wieder ein Kauf?

Nach dem jüngsten Kursrückgang hat sich die Bewertung etwas entspannt. Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn von rund 30,45 € je Aktie. Daraus ergibt sich ein KGV von 14,8. Für 2027 stehen bereits 33,25 € Gewinn je Aktie im Raum. Damit reduziert sich die Bewertung auf das 13,6-Fache des erwarteten Ergebnisses.

Hinzu kommt eine attraktive Dividende. Auf Basis der zuletzt gezahlten 17,10 € ergibt sich eine Rendite von rund 3,8%. Für das Geschäftsjahr 2026 erwarten Analysten sogar eine Ausschüttung von rund 18,74 €, was einer möglichen Rendite von 4,2% entspricht. Die Analystenkursziele zeigen allerdings nur begrenztes kurzfristiges Potenzial. JPMorgan erwartet 460 €, RBC sieht 450 € und Jefferies lediglich 440 €.

ℹ️ Allianz SE in Kürze

  • Die Allianz (WKN: 840400) mit Hauptsitz in München ist der größte Versicherungskonzern der Welt.
  • Kerngeschäft des Konzerns sind die Kranken-, Lebens-, Sach- und Unfallversicherung.
  • Darüber hinaus betreibt die Allianz den Geschäftsbereich Asset Management, in dem sie das Vermögen von Privatpersonen und institutionellen Anlegern verwaltet.
  • Die Allianz ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist der Konzern rund 172 Milliarden € wert.

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Vincent Uhr

Fazit

Für mich bleibt die Allianz-Aktie trotz der zunehmenden Sorgen um die Versicherungsbranche langfristig attraktiv, zumal das diversifizierte Geschäftsmodell einen Teil des Preisdrucks abfedern kann. Bei einem erwarteten KGV von 13,6 für 2027 halte ich die Bewertung für vertretbar, würde vor den Quartalszahlen allerdings eher vorsichtig agieren.