Commerzbank-Aktie: 49 € oder 39 € – wer liegt jetzt richtig?
Gleich vier neue Analystenstudien
Die jüngsten Analystenkommentare zeichnen ein ungewöhnlich unterschiedliches Bild. Oddo BHF erhöhte sein Kursziel am Freitag von 45 auf 47 € und bestätigte die Einstufung „Outperform“. Damit sehen die Experten gegenüber dem aktuellen Aktienkurs rund +23% Potenzial.
Noch optimistischer bleibt Mediobanca. Die italienische Investmentbank senkte ihr Kursziel zwar von 52 auf 49 €, hält aber ebenfalls an ihrer positiven Einschätzung fest. Daraus ergibt sich ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund +28%.
Ganz anders sieht es RBC. Die kanadische Bank reduzierte ihr Kursziel von 41 auf 39 € und bestätigte „Sector Perform“. Die DZ Bank hatte ihre Kaufempfehlung bereits am Donnerstag gestrichen und den fairen Wert von 46 auf 40 € reduziert.
Auch die Deutsche Bank sieht nach den Zahlen keinen Anlass für eine Kaufempfehlung. Sie bestätigte am Freitag ihr Kursziel von 42 € und die Einstufung „Hold“.
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Warum die Rekordgewinne nicht überzeugen
Dabei entwickelt sich die Commerzbank fundamental weiterhin erfreulich. Im dritten Quartal stieg der Nettogewinn um +45% auf 859 Millionen €. Nach neun Monaten verdiente die Bank bereits 2,67 Milliarden € und damit +41% mehr als im Vorjahr.
Allerdings enttäuschte die Entwicklung des Zinsüberschusses. Das Management senkte seine Jahresprognose von 8,6 auf 8,5 Milliarden €. Der zunehmende Wettbewerb um Kundeneinlagen belastet die Margen.
Genau hier liegt der wesentliche Kritikpunkt der skeptischen Analysten. Die hohe Profitabilität ist bereits sichtbar, zusätzliche kurzfristige Wachstumstreiber dagegen weniger.
Immerhin hält die Commerzbank am Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden € für 2026 fest. Die Aufwand-Ertrag-Relation verbesserte sich nach neun Monaten auf rund 53%, während die Kapitalausstattung mit einer harten Kernkapitalquote von 14,2% solide bleibt.
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KGV unter 10 und 5% Dividendenrendite?
Fundamental erscheint die Aktie durchaus interessant. Für 2026 erwarten Analysten einen Gewinn von rund 3,12 € je Aktie. Daraus ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von lediglich 12,2.
Für 2027 rechnen die Experten bereits mit 3,84 € Gewinn je Aktie. Damit reduziert sich die Bewertung auf knapp das Zehnfache des erwarteten Ergebnisses.
Hinzu kommt das mögliche Dividendenwachstum. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet der Analystenkonsens eine Ausschüttung von rund 1,62 € je Aktie. Das entspräche einer zukünftigen Dividendenrendite von 4,2%. Für 2027 stehen sogar 2 € im Raum und damit rechnerisch rund 5,2%.
Allerdings ist die Bewertung nicht in jeder Hinsicht günstig. Gemessen am für 2026 erwarteten Buchwert von 28,45 € je Aktie zahlen Anleger bereits einen Aufschlag von rund 34%.
Die Commerzbank muss deshalb ihre hohen Eigenkapitalrenditen dauerhaft verteidigen, um diese Bewertung zu rechtfertigen. Zudem bleibt die mögliche Übernahme durch UniCredit ein Unsicherheitsfaktor.
ℹ️ Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit rund 41,8 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Die Commerzbank-Aktie bleibt für mich fundamental interessant. Ein erwartetes KGV von unter 10 für 2027 und die Aussicht auf mehr als 5% Dividendenrendite sprechen für eine attraktive langfristige Ausgangslage. Allerdings sind die jüngsten Analystenabstufungen durchaus nachvollziehbar. Nach der starken Kursentwicklung fehlt derzeit ein überzeugender kurzfristiger Kurstreiber. Ich würde die Aktie deshalb eher halten als aggressiv nachkaufen. Langfristig halte ich Kurse zwischen 45 und 49 € durchaus für möglich, sofern die Bank ihre Gewinnziele erfüllt.