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US-Arbeitsmarkt: Kommt die Zinserhöhung jetzt im Dezember?

Fed unter Druck
Redaktion | Wirtschaft

Der US-Arbeitsmarkt hat im Oktober deutlich mehr Stellen geschaffen als erwartet: 165.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft standen einer Prognose von durchschnittlich 70.000 gegenüber. Gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote auf 4,1%, und die Stundenlöhne legten im Monatsvergleich um 0,4% zu. Was bedeuten diese Zahlen für die Zinserwartungen und damit für die Aktienmärkte?

Breite Zuwächse über Branchen

Das Arbeitsministerium meldete die Daten am Freitag in Washington. Neben dem kräftigen Stellenaufbau im Oktober wurde auch der Beschäftigungsaufbau der beiden Vormonate um insgesamt 84.000 Stellen nach oben revidiert. Im September hatte der Bericht die Erwartungen noch verfehlt.

Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz verwies darauf, dass die Zuwächse fast alle Branchen erfassten, und sah nach den Aufwärtsrevisionen wieder einen leichten Aufwärtstrend. Auch die Arbeitslosenquote überraschte, denn Volkswirte hatten im Schnitt mit einem unveränderten Wert von 4,2% gerechnet. Der Lohnanstieg von 0,4% gegenüber dem Vormonat war der stärkste seit Jahresbeginn.

Zinsfantasie unter Druck

An den Finanzmärkten wird nach den robusten Daten überwiegend mit einer Zinserhöhung der Fed im Dezember gerechnet. In der vergangenen Woche hatte die Fed den Leitzins unverändert gelassen.

Helaba-Experte Ralf Umlauf wies darauf hin, dass die Zinserwartungen zuletzt wegen der aufkommenden Verunsicherung vor allem bei Tech-Aktien deutlich gedämpft worden seien, und hielt eine Umkehr dieser Entwicklung für möglich.

Rechenzentren rücken vor

Die Marktreaktion blieb kurzlebig. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, erwartete, dass der Bericht an den Finanzmärkten trotz seiner Stärke nur am Rande zur Kenntnis genommen werde. Im Mittelpunkt stehe die Frage, inwieweit die Demokraten nach den US-Zwischenwahlen ihre neugewonnene Stärke nutzen, um den Bau von Datenzentren stärker zu regulieren.

Diese Debatte reiche nach Gitzels Einschätzung weit über die Politik hinaus, denn die Investitionen in Rechenzentren seien ein wesentlicher Treiber des US-Wirtschaftswachstums und damit auch eine relevante Größe für Inflation und Geldpolitik.

Fazit

Der Oktober-Bericht verschiebt die Gewichte zurück in Richtung einer strafferen Geldpolitik, was zinssensible Marktbereiche wie hoch bewertete Technologiewerte unter Druck setzen könnte, da deren künftige Gewinne bei steigenden Zinserwartungen stärker abgezinst werden. Entscheidend wird sein, ob die Fed die robusten Daten im Dezember tatsächlich in eine Zinserhöhung übersetzt und wie weit die politische Diskussion um Rechenzentren getragen wird, denn davon hängt die Entwicklung der Zulieferer rund um den KI-Ausbau ab. Konsumnahe Werte könnten dagegen von den steigenden Löhnen und der gesunkenen Arbeitslosenquote profitieren. Anleger in KI-nahen Werten sollten die politische Richtung in Washington im Blick behalten, bevor sie neue Positionen aufbauen.

Quelle: dpa-AFX

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